III, q. 76 a. 4
Ob die ganze dimensive Quantität des Leibes Christi in diesem Sakrament ist?
Quaestio 76 · Von der Art und Weise, wie Christus in diesem Sakrament ist.
1. Einwand: Es scheint, dass die ganze dimensive Quantität des Leibes Christi nicht in diesem Sakrament ist. Denn es wurde gesagt (Artikel [3]), dass der ganze Leib Christi unter jedem Teil der konsekrierten Hostie enthalten ist. Aber keine dimensive Quantität ist ganz in irgendeinem Ganzen und in jedem seiner Teile enthalten. Deshalb ist es unmöglich, dass die ganze dimensive Quantität des Leibes Christi dort ist.
2. Einwand: Ferner ist es unmöglich, dass zwei dimensive Quantitäten zusammen sind, selbst wenn eine von ihrem Subjekt getrennt ist und die andere in einem natürlichen Körper, wie aus dem Philosophen klar hervorgeht (Metaph. iii). Aber die dimensive Quantität des Brotes bleibt in diesem Sakrament, wie unseren Sinnen offensichtlich ist. Folglich ist die dimensive Quantität des Leibes Christi nicht dort.
3. Einwand: Ferner, wenn zwei ungleiche dimensive Quantitäten nebeneinander gelegt werden, wird die größere die kleinere überragen. Aber die dimensive Quantität des Leibes Christi ist gemäß jeder Dimension beträchtlich größer als die dimensive Quantität der konsekrierten Hostie. Wenn also die dimensive Quantität des Leibes Christi in diesem Sakrament zusammen mit der dimensiven Quantität der Hostie ist, erstreckt sich die dimensive Quantität des Leibes Christi über die Quantität der Hostie hinaus, welche dennoch nicht ohne die Substanz des Leibes Christi ist. Deshalb wird die Substanz des Leibes Christi in diesem Sakrament sogar außerhalb der Gestalten des Brotes sein, was unvernünftig ist, da die Substanz des Leibes Christi nur durch die Konsekration des Brotes in diesem Sakrament ist, wie oben gesagt wurde (Artikel [2]). Folglich ist es unmöglich, dass die ganze dimensive Quantität des Leibes Christi in diesem Sakrament ist.
Dagegen spricht, dass die Existenz der dimensiven Quantität irgendeines Körpers nicht von der Existenz seiner Substanz getrennt werden kann. Aber in diesem Sakrament ist die ganze Substanz des Leibes Christi gegenwärtig, wie oben gesagt wurde (Artikel [1], 3). Deshalb ist die ganze dimensive Quantität des Leibes Christi in diesem Sakrament.
Ich antworte darauf, dass, wie oben gesagt (Artikel [1]), jeder Teil Christi auf zwei Weisen in diesem Sakrament ist: auf eine Weise durch die Kraft des Sakraments; auf eine andere durch reale Konkomitanz. Durch die Kraft des Sakraments ist die dimensive Quantität des Leibes Christi nicht in diesem Sakrament; denn durch die Kraft des Sakraments ist das in diesem Sakrament gegenwärtig, worin die Verwandlung endet. Die Verwandlung aber, die in diesem Sakrament stattfindet, endet direkt bei der Substanz des Leibes Christi und nicht bei seinen Dimensionen; was daraus ersichtlich ist, dass die dimensive Quantität des Brotes nach der Konsekration bleibt, während nur die Substanz des Brotes vergeht.
Dennoch, da die Substanz des Leibes Christi nicht real ihrer dimensiven Quantität und ihrer anderen Akzidentien beraubt ist, kommt es daher, dass aufgrund realer Konkomitanz die ganze dimensive Quantität des Leibes Christi und alle seine anderen Akzidentien in diesem Sakrament sind.
Antwort auf den 1. Einwand: Die Seinsweise eines jeden Dinges wird durch das bestimmt, was ihm aus sich selbst zukommt, und nicht gemäß dem, was akzidentell mit ihm verbunden ist: so ist ein Objekt dem Gesichtssinn gegenwärtig, insofern es weiß ist, und nicht insofern es süß ist, obwohl dasselbe Objekt sowohl weiß als auch süß sein kann; daher ist die Süße im Gesichtssinn nach der Weise der Weiße und nicht nach der der Süße. Da also die Substanz des Leibes Christi auf dem Altar durch die Kraft dieses Sakraments gegenwärtig ist, während seine dimensive Quantität dort begleitend und gleichsam akzidentell ist, deshalb ist die dimensive Quantität des Leibes Christi in diesem Sakrament nicht gemäß ihrer eigentlichen Weise (nämlich, dass das Ganze im Ganzen ist und die einzelnen Teile in den einzelnen Teilen), sondern nach der Weise der Substanz, deren Natur es ist, dass das Ganze im Ganzen und das Ganze in jedem Teil ist.
Antwort auf den 2. Einwand: Zwei dimensive Quantitäten können natürlicherweise nicht zur gleichen Zeit im selben Subjekt sein, so dass jede dort gemäß der eigentlichen Weise der dimensiven Quantität ist. Aber in diesem Sakrament ist die dimensive Quantität des Brotes dort nach ihrer eigentlichen Weise, das heißt gemäß der Abmessung: nicht so die dimensive Quantität des Leibes Christi, denn jene ist dort nach der Weise der Substanz, wie oben gesagt (zu 1).
Antwort auf den 3. Einwand: Die dimensive Quantität des Leibes Christi ist in diesem Sakrament nicht im Wege der Abmessung, welche der Quantität eigen ist und zu der es gehört, dass das Größere über das Kleinere hinausragt; sondern in der oben erwähnten Weise (zu 1, 2).