III, q. 73 a. 5
Ob die Einsetzung dieses Sakraments angemessen war?
Quaestio 73 · Vom Sakrament der Eucharistie
Einwand 1: Es scheint, dass die Einsetzung dieses Sakraments nicht angemessen war, weil, wie der Philosoph sagt (De Gener. ii): „Wir werden von den Dingen genährt, aus denen wir entstehen.“ Aber durch die Taufe, die geistliche Wiedergeburt ist, empfangen wir unser geistliches Sein, wie Dionysius sagt (Eccl. Hier. ii). Daher werden wir auch durch die Taufe genährt. Folglich bestand keine Notwendigkeit, dieses Sakrament als geistliche Nahrung einzusetzen.
Einwand 2: Ferner werden die Menschen durch dieses Sakrament mit Christus vereinigt wie die Glieder mit dem Haupt. Aber Christus ist das Haupt aller Menschen, selbst derer, die seit Anfang der Welt existiert haben, wie oben dargelegt (Quaestio [8], Artikel [3], 6). Daher hätte die Einsetzung dieses Sakraments nicht bis zum Abendmahl des Herrn aufgeschoben werden sollen.
Einwand 3: Ferner wird dieses Sakrament das Gedächtnis des Leidens unseres Herrn genannt, gemäß Mt 26 (Lk 22,19): „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Aber ein Gedächtnis bezieht sich auf vergangene Dinge. Daher hätte dieses Sakrament nicht vor dem Leiden Christi eingesetzt werden sollen.
Einwand 4: Ferner wird ein Mensch durch die Taufe auf die Eucharistie vorbereitet, welche nur den Getauften gegeben werden sollte. Aber die Taufe wurde von Christus nach seinem Leiden und seiner Auferstehung eingesetzt, wie aus Mt 28,19 ersichtlich ist. Daher wurde dieses Sakrament nicht passenderweise vor dem Leiden Christi eingesetzt.
Dagegen spricht, Dieses Sakrament wurde von Christus eingesetzt, von dem es heißt (Mk 7,37), dass „er alles gut gemacht hat“.
Ich antworte darauf, Dieses Sakrament wurde angemessenerweise beim Abendmahl eingesetzt, als Christus zum letzten Mal mit seinen Jüngern sprach. Erstens wegen dessen, was im Sakrament enthalten ist: denn Christus selbst ist in der Eucharistie sakramental enthalten. Folglich, als Christus seine Jünger in seiner eigenen Gestalt verlassen wollte, ließ er sich selbst unter den sakramentalen Gestalten bei ihnen zurück; so wie das Bild des Kaisers aufgestellt wird, um in seiner Abwesenheit verehrt zu werden. Daher sagt Eusebius: „Da er seinen angenommenen Leib ihren Augen entziehen und ihn zu den Sternen tragen wollte, war es nötig, dass er am Tag des Abendmahls das Sakrament seines Leibes und Blutes um unseretwillen konsekrierte, damit das, was einmal als Lösegeld für uns dargebracht wurde, in einem Mysterium passenderweise verehrt würde.“
Zweitens, weil es ohne den Glauben an das Leiden niemals irgendein Heil geben könnte, gemäß Röm 3,25: „Den Gott als Sühneopfer vorgestellt hat, durch den Glauben an sein Blut.“ Es war dementsprechend notwendig, dass es zu allen Zeiten unter den Menschen etwas gab, um das Leiden unseres Herrn darzustellen; dessen Hauptsakrament im alten Gesetz das Paschalamm war. Daher sagt der Apostel (1 Kor 5,7): „Als unser Pascha ist Christus geopfert.“ Aber sein Nachfolger unter dem Neuen Testament ist das Sakrament der Eucharistie, welches ein Gedächtnis des nun vergangenen Leidens ist, so wie das andere eine Vorabbildung des kommenden Leidens war. Und so war es passend, dass, als die Stunde des Leidens gekommen war, Christus ein neues Sakrament einsetzte, nachdem er das alte gefeiert hatte, wie Papst Leo I. sagt (Serm. lviii).
Drittens, weil letzte Worte, vornehmlich solche, die von scheidenden Freunden gesprochen werden, dem Gedächtnis am tiefsten eingeprägt werden; da dann besonders die Zuneigung zu Freunden mehr entflammt wird und die Dinge, die uns am meisten berühren, am tiefsten in die Seele eingedrückt werden. Folglich, da, wie Papst Alexander I. sagt, „unter den Opfern keines größer sein kann als der Leib und das Blut Christi, noch irgendeine Darbringung mächtiger“; setzte unser Herr dieses Sakrament bei seinem letzten Abschied von seinen Jüngern ein, damit es in größerer Verehrung gehalten würde. Und dies ist es, was Augustinus sagt (Respons. ad Januar. i): „Um den Tod dieses Mysteriums eindringlicher zu empfehlen, wollte unser Erlöser, dass diese letzte Handlung in den Herzen und im Gedächtnis der Jünger befestigt würde, die er für das Leiden verlassen wollte.“
Antwort auf Einwand 1: Wir werden von denselben Dingen genährt, aus denen wir gemacht sind, aber sie kommen nicht auf dieselbe Weise zu uns; denn jene, aus denen wir gemacht sind, kommen durch Zeugung zu uns, während dieselben, indem sie uns nähren, durch das Essen zu uns kommen. Daher, wie wir in Christus durch die Taufe neu geboren werden, so essen wir Christus durch die Eucharistie.
Antwort auf Einwand 2: Die Eucharistie ist das vollkommene Sakrament des Leidens unseres Herrn, da sie Christus als den Gekreuzigten enthält; folglich konnte sie nicht vor der Menschwerdung eingesetzt werden; aber damals war nur Raum für solche Sakramente, die das Leiden des Herrn vorausbildeten.
Antwort auf Einwand 3: Dieses Sakrament wurde während des Abendmahls eingesetzt, um in der Zukunft ein Gedächtnis des Leidens unseres Herrn als vollbracht zu sein. Daher sagte er ausdrücklich: „Sooft ihr diese Dinge tun werdet“ [*Vgl. Messkanon], wobei er von der Zukunft sprach.
Antwort auf Einwand 4: Die Einsetzung entspricht der Ordnung der Intention. Aber das Sakrament der Eucharistie, obwohl im Empfang nach der Taufe, ist ihr doch in der Intention vorausgehend; und daher geziemte es sich, dass es zuerst eingesetzt wurde. Oder sonst kann gesagt werden, dass die Taufe bereits in der Taufe Christi eingesetzt war; daher waren einige bereits mit der Taufe Christi getauft, wie wir in Joh 3,22 lesen.