III, q. 63 a. 4
Ob der Charakter in den Vermögen der Seele als Subjekt ist?
Quaestio 63 · Von der anderen Wirkung der Sakramente, welche der Charakter ist.
Einwand 1: Es scheint, dass der Charakter nicht in den Vermögen der Seele als Subjekt ist. Denn ein Charakter wird als eine Disposition zur Gnade bezeichnet. Aber die Gnade hat ihr Subjekt im Wesen der Seele, wie wir im zweiten Teil (I-II, Frage [110], Artikel [4]) dargelegt haben. Daher scheint es, dass der Charakter im Wesen der Seele ist und nicht in den Vermögen.
Einwand 2: Ferner scheint ein Vermögen der Seele nicht das Subjekt von irgendetwas zu sein, außer von Habitus und Disposition. Aber ein Charakter ist, wie oben gesagt (Artikel [2]), weder Habitus noch Disposition, sondern vielmehr ein Vermögen: dessen Subjekt nichts anderes ist als das Wesen der Seele. Daher scheint es, dass der Charakter nicht in einem Vermögen der Seele als Subjekt ist, sondern vielmehr in ihrem Wesen.
Einwand 3: Ferner werden die Vermögen der Seele in solche der Erkenntnis und solche des Begehrens unterteilt. Aber man kann nicht sagen, dass ein Charakter nur in einem Erkenntnisvermögen ist, noch wiederum nur in einem Begehrungsvermögen: da er weder nur auf Erkenntnis noch nur auf Begehren hingeordnet ist. Ebenso kann man auch nicht sagen, dass er in beiden ist, weil dasselbe Akzidens nicht in mehreren Subjekten sein kann. Daher scheint es, dass ein Charakter nicht in einem Vermögen der Seele als Subjekt ist, sondern vielmehr im Wesen.
Dagegen spricht, dass ein Charakter gemäß seiner oben gegebenen Definition (Artikel [3]) der vernunftbegabten Seele „nach Art eines Bildes“ eingeprägt wird. Aber das Bild der Dreifaltigkeit in der Seele wird in den Vermögen gesehen. Daher ist ein Charakter in den Vermögen der Seele.
Ich antworte darauf, dass, wie oben gesagt (Artikel [3]), ein Charakter eine Art Siegel ist, durch das die Seele gekennzeichnet wird, damit sie Dinge, die den Gottesdienst betreffen, empfangen oder anderen geben kann. Nun besteht der Gottesdienst in gewissen Handlungen: und die Vermögen der Seele sind eigentlich auf Handlungen hingeordnet, so wie das Wesen auf das Sein hingeordnet ist. Daher ist ein Charakter nicht im Wesen der Seele als Subjekt, sondern in ihrem Vermögen.
Antwort auf Einwand 1: Das Subjekt wird einem Akzidens in Bezug auf das zugeschrieben, wozu das Akzidens es unmittelbar disponiert, aber nicht in Bezug auf das, wozu es es mittelbar oder indirekt disponiert. Nun disponiert ein Charakter die Seele direkt und unmittelbar zur Erfüllung der Dinge, die den Gottesdienst betreffen: und weil dies ohne die Hilfe der Gnade nicht angemessen vollbracht werden kann, da gemäß Joh 4,24 jene, die Gott „anbeten, ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten müssen“, verleiht die göttliche Güte folglich jenen, die den Charakter empfangen, Gnade, damit sie den Dienst, zu dem sie abgeordnet sind, würdig vollziehen können. Daher sollte das Subjekt einem Charakter eher in Bezug auf jene Handlungen zugeschrieben werden, die den Gottesdienst betreffen, als in Bezug auf die Gnade.
Antwort auf Einwand 2: Das Subjekt des natürlichen Vermögens, das aus den Prinzipien des Wesens fließt, ist das Wesen der Seele. Nun ist ein Charakter kein Vermögen dieser Art, sondern ein geistiges Vermögen, das von außen kommt. Weshalb, so wie das Wesen der Seele, von dem der Mensch sein natürliches Leben hat, durch die Gnade vervollkommnet wird, von der die Seele das geistliche Leben ableitet; so wird das natürliche Vermögen der Seele durch ein geistiges Vermögen vervollkommnet, welches ein Charakter ist. Denn Habitus und Disposition gehören zu einem Vermögen der Seele, da sie auf Handlungen hingeordnet sind, deren Prinzipien die Vermögen sind. Und in gleicher Weise sollte alles, was auf Handlung hingeordnet ist, einem Vermögen zugeschrieben werden.
Antwort auf Einwand 3: Wie oben gesagt, ist ein Charakter auf Dinge hingeordnet, die den Gottesdienst betreffen; welcher ein Bekenntnis des Glaubens ist, ausgedrückt durch äußere Zeichen. Folglich muss ein Charakter im Erkenntnisvermögen der Seele sein, wo auch der Glaube ist.