III, q. 18 a. 6
Ob es in Christus einen Widerstreit der Willen gab?
Quaestio 18 · Von der Einheit des Willens Christi
Einwand 1: Es scheint, dass es in Christus einen Widerstreit der Willen gab. Denn Widerstreit der Willen betrifft den Widerstreit der Objekte, wie Widerstreit der Bewegungen aus dem Widerstreit der Endpunkte entspringt, wie aus dem Philosophen (Phys. v, text. 49, seq.) hervorgeht. Nun wünschte Christus in seinen verschiedenen Willen gegensätzliche Dinge. Denn in seinem göttlichen Willen wünschte er den Tod, vor dem er in seinem menschlichen Willen zurückschreckte, daher sagt Athanasius [*De Incarnat. et Cont. Arianos, geschrieben gegen Apollinaris]: „Wenn Christus sagt: ‚Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen; doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe‘, und wiederum: ‚Der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach‘, bezeichnet er zwei Willen – den menschlichen, der wegen der Schwachheit des Fleisches vor dem Leiden zurückschreckte – und seinen göttlichen Willen, der begierig nach dem Leiden war.“ Also gab es einen Widerstreit der Willen in Christus.
Einwand 2: Ferner steht geschrieben (Gal 5,17), dass „das Fleisch gegen den Geist begehrt und der Geist gegen das Fleisch.“ Wenn nun der Geist das eine begehrt und das Fleisch ein anderes, gibt es einen Widerstreit der Willen. Aber dies war in Christus; denn durch den Willen der Liebe, den der Heilige Geist in seinem Geist bewirkte, wollte er das Leiden, gemäß Jes 53,7: „Er wurde geopfert, weil es sein eigener Wille war“, doch in seinem Fleisch schreckte er vor dem Leiden zurück. Also gab es einen Widerstreit der Willen in ihm.
Einwand 3: Ferner steht geschrieben (Lk 22,43), dass er, „da er in Todesangst war, länger betete.“ Nun scheint Todesangst einen gewissen Kampf [*Griechisch, {agonia}] in einer Seele zu implizieren, die zu gegensätzlichen Dingen gezogen wird. Daher scheint es, dass es einen Widerstreit des Willens in Christus gab.
Dagegen spricht: In den Beschlüssen des sechsten Konzils [*Drittes Konzil von Konstantinopel, Akt. 18] heißt es: „Wir bekennen zwei natürliche Willen, nicht im Gegensatz, wie übelgesinnte Häretiker behaupten, sondern sein menschlicher Wille folgt seinem göttlichen und allmächtigen Willen, widersteht ihm nicht und strebt nicht gegen ihn, sondern ist ihm vielmehr unterworfen.“
Ich antworte darauf, dass Widerstreit nur dort existieren kann, wo Opposition im Selben und hinsichtlich des Selben besteht. Denn wenn die Verschiedenheit hinsichtlich verschiedener Dinge und in verschiedenen Subjekten besteht, würde dies nicht für die Natur des Widerstreits genügen, noch nicht einmal für die Natur des Widerspruchs, z.B. wenn ein Mensch hinsichtlich seiner Hand wohlgeformt oder gesund wäre, aber nicht hinsichtlich seines Fußes. Damit es also einen Widerstreit der Willen in jemandem gibt, ist es erstens notwendig, dass die Verschiedenheit der Willen dasselbe betrifft. Denn wenn der Wille des einen das Tun von etwas in Bezug auf einen universellen Grund betrifft und der Wille eines anderen das Nicht-Tun desselben in Bezug auf einen partikulären Grund betrifft, gibt es keinen vollständigen Widerstreit des Willens, z.B. wenn ein Richter wünscht, dass ein Räuber zum Wohle des Gemeinwesens gehängt wird, und einer von dessen Verwandten wünscht, dass er aufgrund einer privaten Liebe nicht gehängt wird, gibt es keinen Widerstreit der Willen; es sei denn, das Begehren des privaten Gutes ginge so weit, das öffentliche Gut für das private Gut behindern zu wollen – in diesem Fall würde die Opposition der Willen dasselbe betreffen.
Zweitens ist es für den Widerstreit der Willen notwendig, dass er im selben Willen ist. Denn wenn ein Mensch eine Sache mit seinem vernünftigen Begehren wünscht und eine andere Sache mit seinem sinnlichen Begehren wünscht, gibt es keinen Widerstreit, es sei denn, das sinnliche Begehren gewänne so sehr die Oberhand, dass es das vernünftige Begehren veränderte oder zumindest zurückhielte; denn in diesem Fall würde etwas von der gegensätzlichen Bewegung des sinnlichen Begehrens den vernünftigen Willen erreichen.
Und daher muss gesagt werden, dass, obwohl der natürliche und der sinnliche Wille in Christus wünschten, was der göttliche Wille nicht wünschte, es dennoch keinen Widerstreit der Willen in ihm gab. Erstens, weil weder der natürliche Wille noch der Wille der Sinnlichkeit den Grund verwarfen, aus dem der göttliche Wille und der Wille der menschlichen Vernunft in Christus das Leiden wünschten. Denn der absolute Wille Christi wünschte das Heil des Menschengeschlechts, obwohl es ihm nicht zukam, dies um eines weiteren willen zu wollen; aber die Bewegung der Sinnlichkeit konnte sich keineswegs so weit erstrecken. Zweitens, weil weder der göttliche Wille noch der Wille der Vernunft in Christus durch den natürlichen Willen oder das Begehren der Sinnlichkeit behindert oder verzögert wurde. So schreckten auch andererseits weder der göttliche Wille noch der Wille der Vernunft in Christus vor der Bewegung des natürlichen menschlichen Willens und der Bewegung der Sinnlichkeit in Christus zurück oder verzögerten sie. Denn es gefiel Christus in seinem göttlichen Willen und in seinem Willen der Vernunft, dass sein natürlicher Wille und der Wille der Sinnlichkeit gemäß der Ordnung ihrer Natur bewegt werden sollten. Daher ist es klar, dass es in Christus keine Opposition oder keinen Widerstreit der Willen gab.
Einwand 1: Die Tatsache, dass irgendein Wille in Christus etwas anderes wollte als der göttliche Wille, ging vom göttlichen Willen aus, durch dessen Erlaubnis die menschliche Natur in Christus durch ihre eigenen Bewegungen bewegt wurde, wie Damascenus sagt (De Fide Orth. ii, 15,18,19).
Einwand 2: In uns werden die Begehren des Geistes durch die Begehren des Fleisches behindert oder verzögert: dies geschah nicht in Christus. Daher gab es in Christus keinen Widerstreit von Fleisch und Geist wie in uns.
Einwand 3: Die Todesangst in Christus war nicht in der vernünftigen Seele, insofern sie einen Kampf im Willen impliziert, der aus einer Verschiedenheit der Motive entsteht, wie wenn jemand, indem seine Vernunft das eine erwägt, eine Sache wünscht, und indem sie das andere erwägt, das Gegenteil wünscht. Denn dies entspringt der Schwachheit der Vernunft, die unfähig ist zu beurteilen, was schlechthin das Beste ist. Dies nun geschah nicht in Christus, da er durch seine Vernunft urteilte, es sei das Beste, dass der göttliche Wille bezüglich des Heiles des Menschengeschlechts durch sein Leiden erfüllt werde. Dennoch gab es eine Todesangst in Christus hinsichtlich des sensitiven Teils, insofern sie eine Furcht vor der kommenden Prüfung implizierte, wie Damascenus sagt (De Fide Orth. ii, 15; iii, 18,23).