III, q. 18 a. 3
Ob in Christus zwei Willen hinsichtlich der Vernunft waren?
Quaestio 18 · Von der Einheit des Willens Christi
Einwand 1: Es scheint, dass in Christus zwei Willen hinsichtlich der Vernunft waren. Denn Damascenus sagt (De Fide Orth. ii, 22), dass es im Menschen einen doppelten Willen gibt, nämlich den natürlichen Willen, der thelesis genannt wird, und den vernünftigen Willen, der boulesis genannt wird. Nun hatte Christus in seiner menschlichen Natur alles, was zur Vollkommenheit der menschlichen Natur gehört. Daher waren beide vorgenannten Willen in Christus.
Einwand 2: Ferner wird das Begehrungsvermögen im Menschen durch den Unterschied des Erkenntnisvermögens diversifiziert, und daher entspricht dem Unterschied von Sinn und Intellekt der Unterschied von sinnlichem und intellektivem Begehren im Menschen. Aber in gleicher Weise halten wir hinsichtlich der menschlichen Erkenntnis den Unterschied von Vernunft und Intellekt fest; beide waren in Christus. Daher gab es in ihm einen doppelten Willen, einen intellektuellen und einen vernünftigen.
Einwand 3: Ferner schreiben einige [*Hugo von St. Viktor, De Quat. Volunt. Christ.] Christus einen „Willen der Frömmigkeit“ zu, der nur auf Seiten der Vernunft sein kann. Daher gibt es in Christus auf Seiten der Vernunft mehrere Willen.
Dagegen spricht: In jeder Ordnung gibt es ein erstes Bewegendes. Aber der Wille ist das erste Bewegende in der Gattung der menschlichen Handlungen. Daher gibt es in einem Menschen nur einen Willen im eigentlichen Sinne, welcher der Wille der Vernunft ist. Aber Christus ist ein Mensch. Also gibt es in Christus nur einen menschlichen Willen.
Ich antworte darauf, dass, wie oben gesagt (Artikel [1], ad 3), der Wille manchmal für das Vermögen und manchmal für den Akt genommen wird. Wenn daher der Wille für den Akt genommen wird, ist es notwendig, zwei Willen, d.h. zwei Arten von Willensakten, in Christus auf Seiten der Vernunft anzunehmen. Denn der Wille, wie im zweiten Teil (FS, Frage [8], Artikel [2],3) gesagt wurde, bezieht sich sowohl auf das Ziel als auch auf die Mittel; und er ist auf unterschiedliche Weise auf beides gerichtet. Denn auf das Ziel richtet er sich einfach und absolut, als auf das, was an sich gut ist; auf die Mittel aber richtet er sich unter einer gewissen Beziehung, da die Güte der Mittel von etwas anderem abhängt. Daher ist der Akt des Willens, insofern er zu etwas an sich Begehrtem hingezogen wird, wie Gesundheit – welcher Akt von Damascenus thelesis genannt wird, d.h. einfacher Wille, und von den Lehrern „Wille als Natur“ –, verschieden von dem Akt des Willens, wie er zu etwas hingezogen wird, das nur um eines anderen willen begehrt wird, wie Medizin zu nehmen; und diesen Akt des Willens nennt Damascenus boulesis, d.h. beratschlagender Wille, und die Lehrer „Wille als Vernunft“. Aber diese Verschiedenheit der Akte diversifiziert nicht das Vermögen, da beide Akte den einen gemeinsamen Aspekt des Objekts betreffen, welcher die Güte ist. Daher müssen wir sagen, dass, wenn wir vom Vermögen des Willens sprechen, in Christus nur ein menschlicher Wille ist, im eigentlichen Sinne und nicht durch Teilhabe; wenn wir aber vom Willen als Akt sprechen, unterscheiden wir so in Christus einen Willen als Natur, der thelesis genannt wird, und einen Willen als Vernunft, der boulesis genannt wird.
Einwand 1: Diese zwei Willen diversifizieren nicht das Vermögen, sondern nur den Akt, wie wir gesagt haben.
Einwand 2: Der Intellekt und die Vernunft sind keine verschiedenen Vermögen, wie im ersten Teil (FP, Frage [79], Artikel [8]) gesagt wurde.
Einwand 3: Der „Wille der Frömmigkeit“ scheint nicht vom Willen als Natur verschieden zu sein, insofern er vor dem Übel eines anderen, absolut betrachtet, zurückschreckt.