III, q. 11 a. 6
Ob dieses Wissen durch verschiedene Habitus unterschieden war?
Quaestio 11 · Vom eingeprägten oder eingegossenen Wissen der Seele Christi.
Einwand 1: Es scheint, dass in der Seele Christi nur ein Habitus des Wissens war. Denn je vollkommener Wissen ist, desto geeinter ist es; daher verstehen die höheren Engel durch universellere Formen, wie in der FP, Quaestio [55], Artikel [3] gesagt wurde. Nun war das Wissen Christi höchst vollkommen. Also war es höchst eins. Also war es nicht durch mehrere Habitus unterschieden.
Einwand 2: Ferner leitet sich unser Glaube vom Wissen Christi ab; daher steht geschrieben (Hebr 12,2): "Auf Jesus blickend, den Urheber und Vollender des Glaubens." Aber es gibt nur einen Habitus des Glaubens über alle geglaubten Dinge, wie in der SS, Quaestio [4], Artikel [6] gesagt wurde. Viel mehr also gab es nur einen Habitus des Wissens in Christus.
Einwand 3: Ferner wird Wissen durch die verschiedenen Formalitäten der erkennbaren Dinge unterschieden. Aber die Seele Christi wusste alles unter einer Formalität, d.h. durch ein göttlich eingegossenes Licht. Also gab es in Christus nur einen Habitus des Wissens.
Dagegen spricht: Es steht geschrieben (Sach 3,9), dass auf "einem" Stein, d.h. Christus, "sieben Augen sind". Nun wird unter dem Auge Wissen verstanden. Also scheint es, dass in Christus mehrere Habitus des Wissens waren.
Ich antworte darauf: Wie oben gesagt (Artikel [4], 5), hat das der Seele Christi eingeprägte Wissen einen der menschlichen Seele konnaturalen Modus. Nun ist es einer menschlichen Seele konnatural, Spezies von geringerer Universalität zu empfangen als die Engel empfangen; so dass sie verschiedene spezifische Naturen durch verschiedene intelligible Spezies erkennt. Aber es geschieht so, dass wir verschiedene Habitus des Wissens haben, weil es verschiedene Klassen von erkennbaren Dingen gibt, insofern das, was in einem Genus ist, durch einen Habitus erkannt wird; so wird gesagt (Poster. i, 42), dass "eine Wissenschaft von einer Klasse von Gegenständen ist". Und daher war das der Seele Christi eingeprägte Wissen durch verschiedene Habitus unterschieden.
Antwort auf Einwand 1: Wie gesagt wurde (Artikel [4]), ist das Wissen der Seele Christi höchst vollkommen und übertrifft das Wissen der Engel in Bezug auf das, was in ihm von Seiten der Gabe Gottes ist; aber es steht unter dem engelhaften Wissen in Bezug auf den Modus des Empfängers. Und zu diesem Modus gehört es, dass dieses Wissen durch verschiedene Habitus unterschieden ist, insofern es partikulärere Spezies betrachtet.
Antwort auf Einwand 2: Unser Glaube stützt sich auf die Erste Wahrheit; und daher ist Christus der Urheber unseres Glaubens durch das göttliche Wissen, welches schlechthin eins ist.
Antwort auf Einwand 3: Das göttlich eingegossene Licht ist die gemeinsame Formalität für das Verständnis dessen, was göttlich offenbart ist, wie das Licht des tätigen Verstandes in Bezug auf das ist, was natürlich erkannt wird. Daher muss es in der Seele Christi die eigentümlichen Spezies der Einzeldinge geben, um jedes mit eigentümlichem Wissen zu erkennen; und auf diese Weise muss es verschiedene Habitus des Wissens in der Seele Christi geben, wie oben festgestellt.