III, q. 11 a. 3
Ob dieses Wissen vergleichend ist?
Quaestio 11 · Vom eingeprägten oder eingegossenen Wissen der Seele Christi.
Einwand 1: Es scheint, dass die Seele Christi dieses Wissen nicht auf dem Weg des Vergleichs hatte. Denn Damascenus sagt (De Fide Orth. iii, 14): "Wir behaupten weder Rat noch Wahl in Christus." Nun sind diese Dinge Christus nur insoweit vorenthalten, als sie Vergleich und Diskus (Fortschreiten des Denkens) implizieren. Also scheint es, dass es in Christus kein vergleichendes oder diskursives Wissen gab.
Einwand 2: Ferner braucht der Mensch Vergleich und Diskus der Vernunft, um das Unbekannte herauszufinden. Aber die Seele Christi wusste alles, wie oben gesagt wurde (Quaestio [10], Artikel [2]). Also gab es kein diskursives oder vergleichendes Wissen in Ihm.
Einwand 3: Ferner war das Wissen in der Seele Christi wie das der Schauenden, die den Engeln gleichgestellt sind, gemäß Mt 22,30. Nun gibt es kein vergleichendes oder diskursives Wissen in den Engeln, wie Dionysius zeigt (Div. Nom. vii). Also gab es kein diskursives oder vergleichendes Wissen in der Seele Christi.
Dagegen spricht: Christus hatte eine vernunftbegabte Seele, wie gezeigt wurde (Quaestio [5], Artikel [4]). Nun besteht die eigentliche Tätigkeit einer vernunftbegabten Seele im Vergleichen und im Fortschreiten von einem zum anderen. Also gab es vergleichendes und diskursives Wissen in Christus.
Ich antworte darauf: Wissen kann auf zwei Arten diskursiv oder vergleichend sein. Erstens bei der Erwerbung des Wissens, wie es uns geschieht, die wir von einem Ding zur Kenntnis eines anderen fortschreiten, wie von Ursachen zu Wirkungen und umgekehrt. Und auf diese Weise war das Wissen in der Seele Christi nicht diskursiv oder vergleichend, da dieses Wissen, das wir jetzt betrachten, göttlich eingegossen und nicht durch einen Prozess des Denkens erworben war. Zweitens kann Wissen im Gebrauch diskursiv oder vergleichend genannt werden; wie zuweilen jene, die wissen, von der Ursache auf die Wirkung schließen, nicht um neu zu lernen, sondern weil sie das Wissen, das sie haben, gebrauchen wollen. Und auf diese Weise konnte das Wissen in der Seele Christi vergleichend oder diskursiv sein; da es eines aus dem anderen folgern konnte, wie es ihm beliebte, wie in Mt 17,24.25, als unser Herr Petrus fragte: "Von wem nehmen die Könige der Erde Zoll, von ihren eigenen Kindern oder von Fremden?" Als Petrus antwortete: "Von Fremden", folgerte Er: "Dann sind die Kinder frei."
Antwort auf Einwand 1: Von Christus ist jener Rat ausgeschlossen, der mit Zweifel verbunden ist; und folglich die Wahl, die solchen Rat wesentlich einschließt; aber die Praxis, Rat zu gebrauchen, ist von Christus nicht ausgeschlossen.
Antwort auf Einwand 2: Dieser Grund stützt sich auf den Diskus und Vergleich, wie er zum Erwerb von Wissen gebraucht wird.
Antwort auf Einwand 3: Die Seligen werden den Engeln in den Gnadengaben gleichgestellt; doch bleibt noch der Unterschied der Naturen. Und daher ist es den Seelen der Seligen konnatural, Vergleich und Diskus zu gebrauchen, nicht aber den Engeln.