Suppl., q. 91 a. 5
Ob die Pflanzen und Tiere in dieser Erneuerung bleiben werden?
Quaestio 91 · Von der Beschaffenheit der Welt nach dem Gericht
Einwand 1: Es scheint, dass die Pflanzen und Tiere in dieser Erneuerung bleiben werden. Denn die Elemente sollten nichts beraubt werden, was zu ihrem Schmuck gehört. Nun wird gesagt, dass die Elemente durch die Tiere und Pflanzen geschmückt werden [vgl. Gen 1,11.12.20.21.24.25]. Also werden sie in dieser Erneuerung nicht entfernt werden.
Einwand 2: Ferner, so wie die Elemente dem Menschen dienten, so taten es auch Tiere, Pflanzen und mineralische Körper. Aber aufgrund dieses Dienstes werden die Elemente verherrlicht werden. Also werden sowohl Tiere als auch Pflanzen und mineralische Körper gleichermaßen verherrlicht werden.
Einwand 3: Ferner wird das Universum unvollkommen bleiben, wenn irgendetwas, das zu seiner Vollkommenheit gehört, entfernt wird. Nun gehören die Arten der Tiere, Pflanzen und mineralischen Körper zur Vollkommenheit des Universums. Da wir also nicht sagen dürfen, dass die Welt unvollkommen bleiben wird, wenn sie erneuert wird, scheint es, dass wir behaupten sollten, dass die Pflanzen und Tiere bleiben werden.
Einwand 4: Ferner haben Tiere und Pflanzen eine edlere Form als die Elemente. Nun wird die Welt bei dieser endgültigen Erneuerung zum Besseren verändert werden. Also sollten Tiere und Pflanzen eher bleiben als die Elemente, da sie edler sind.
Einwand 5: Ferner ist es unziemlich zu behaupten, dass das natürliche Verlangen vereitelt wird. Aber durch ihr natürliches Verlangen begehren Tiere und Pflanzen, für immer zu sein, wenn auch nicht hinsichtlich des Individuums, so doch zumindest hinsichtlich der Art: und auf dieses Ziel ist ihre beständige Zeugung ausgerichtet (De Generat. ii). Also ist es unziemlich zu sagen, dass diese Arten schließlich aufhören werden zu sein.
Dagegen spricht, Wenn Pflanzen und Tiere bleiben sollen, werden entweder alle von ihnen bleiben oder einige von ihnen. Wenn alle von ihnen, dann werden stumme Tiere, die zuvor gestorben waren, auferstehen müssen, so wie Menschen auferstehen werden. Aber dies kann nicht behauptet werden, denn da ihre Form zu nichts wird, können sie nicht dieselbe identische Form wiederaufnehmen. Andererseits, wenn nicht alle, sondern einige von ihnen bleiben, da es keinen Grund gibt, warum eines von ihnen eher für immer bleiben sollte als ein anderes, scheint es, dass keines von ihnen bleiben wird. Aber was immer nach der Erneuerung der Welt bleibt, wird für immer bleiben, da Zeugung und Vergehen beseitigt sind. Also werden Pflanzen und Tiere nach der Erneuerung der Welt gänzlich aufhören.
Ferner werden gemäß dem Philosophen (De Generat. ii) die Arten von Tieren, Pflanzen und dergleichen vergänglichen Dingen nicht verewigt außer durch den Fortbestand der Himmelsbewegung. Nun wird diese dann aufhören. Also wird es unmöglich sein, dass jene Arten verewigt werden.
Ferner, wenn der Zweck aufhört, sollten jene Dinge aufhören, die auf den Zweck hingeordnet sind. Nun wurden Tiere und Pflanzen für den Unterhalt des menschlichen Lebens gemacht; weshalb geschrieben steht (Gen 9,3): „Wie das grüne Kraut habe ich euch alles Fleisch gegeben [Vulg.: ‚habe ich euch das alles gegeben‘].“ Deshalb sollten, wenn das tierische Leben des Menschen aufhört, Tiere und Pflanzen aufhören. Aber nach dieser Erneuerung wird das tierische Leben im Menschen aufhören. Also sollten weder Pflanzen noch Tiere bleiben.
Ich antworte darauf, Da die Erneuerung der Welt um des Menschen willen sein wird, folgt, dass sie der Erneuerung des Menschen angeglichen sein sollte. Nun wird der Mensch dadurch, dass er erneuert wird, vom Zustand der Verderbnis zur Unvergänglichkeit und zu einem Zustand ewiger Ruhe übergehen, weshalb geschrieben steht (1 Kor 15,53): „Dieses Verwesliche muss Unverweslichkeit anziehen, und dieses Sterbliche muss Unsterblichkeit anziehen“; und folglich wird die Welt auf eine solche Weise erneuert werden, dass sie alle Verderbnis abwirft und für immer in Ruhe bleibt. Deshalb wird es unmöglich sein, dass irgendetwas Subjekt jener Erneuerung ist, wenn es nicht ein Subjekt der Unvergänglichkeit ist. Nun sind solche die Himmelskörper, die Elemente und der Mensch. Denn die Himmelskörper sind durch ihre bloße Natur unvergänglich, sowohl als Ganzes als auch als Teil: die Elemente sind vergänglich hinsichtlich ihrer Teile, aber unvergänglich als Ganzes: während Menschen vergänglich sind sowohl im Ganzen als auch im Teil, aber dies ist von Seiten ihrer Materie, nicht von Seiten ihrer Form, nämlich der vernunftbegabten Seele, welche nach der Verwesung des Menschen unversehrt bleiben wird. Andererseits sind stumme Tiere, Pflanzen und Mineralien und alle gemischten Körper vergänglich sowohl in ihrem Ganzen als auch in ihren Teilen, sowohl von Seiten ihrer Materie, die ihre Form verliert, als auch von Seiten ihrer Form, die nicht aktuell bleibt; und so sind sie in keiner Weise Subjekte der Unvergänglichkeit. Daher werden sie in dieser Erneuerung nicht bleiben, sondern jene Dinge allein, die wir oben erwähnt haben.
Zu Einwand 1: Diese Körper schmücken die Elemente, insofern die allgemeinen aktiven und passiven Kräfte, die in den Elementen sind, auf spezifische Handlungen angewandt werden: daher schmücken sie die Elemente in ihrem aktiven und passiven Zustand. Aber dieser Zustand wird in den Elementen nicht bleiben: weshalb keine Notwendigkeit besteht, dass Tiere oder Pflanzen bleiben.
Zu Einwand 2: Weder Tiere noch Pflanzen noch irgendwelche anderen Körper verdienten irgendetwas durch ihre Dienste am Menschen, da ihnen der freie Wille fehlt. Jedoch wird gesagt, dass gewisse Körper belohnt werden, insofern der Mensch verdiente, dass jene Dinge erneuert werden sollten, die geeignet sind, erneuert zu werden. Aber Pflanzen und Tiere sind nicht geeignet für die Erneuerung der Unvergänglichkeit, wie oben gesagt. Weshalb der Mensch aus eben diesem Grund nicht verdiente, dass sie erneuert werden sollten, da niemand für einen anderen verdienen kann, oder sogar für sich selbst, was ein anderer oder er selbst unfähig ist zu empfangen. Daher würde, selbst zugegeben, dass stumme Tiere durch den Dienst am Menschen verdienten, nicht folgen, dass sie erneuert werden sollen.
Zu Einwand 3: So wie dem Menschen mehrere Arten von Vollkommenheit zugeschrieben werden (denn es gibt die Vollkommenheit der geschaffenen Natur und die Vollkommenheit der verherrlichten Natur), so gibt es auch eine zweifache Vollkommenheit des Universums, eine, die diesem Zustand der Veränderlichkeit entspricht, die andere, die dem Zustand einer zukünftigen Erneuerung entspricht. Nun gehören Pflanzen und Tiere zu seiner Vollkommenheit gemäß dem gegenwärtigen Zustand, und nicht gemäß dem Zustand dieser Erneuerung, da sie derselben nicht fähig sind.
Zu Einwand 4: Obwohl Tiere und Pflanzen hinsichtlich gewisser anderer Aspekte edler sind als die Elemente, sind die Elemente edler in Bezug auf Unvergänglichkeit, wie oben erklärt [vgl. Frage 74, Artikel 1, ad 3].
Zu Einwand 5: Das natürliche Verlangen, für immer zu sein, das in Tieren und Pflanzen ist, muss in Bezug auf die Bewegung des Himmels verstanden werden, so dass sie im Sein fortdauern mögen, solange die Bewegung des Himmels währt: da es kein Verlangen nach einer Wirkung geben kann, die länger dauert als ihre Ursache. Weshalb, wenn beim Aufhören der Bewegung im ersten beweglichen Körper Pflanzen und Tiere hinsichtlich ihrer Art aufhören, nicht folgt, dass das natürliche Verlangen vereitelt wird.