Suppl., q. 91 a. 4
Ob die Elemente durch eine Hinzufügung von Helligkeit erneuert werden?
Quaestio 91 · Von der Beschaffenheit der Welt nach dem Gericht
Einwand 1: Es scheint, dass die Elemente nicht dadurch erneuert werden, dass sie eine Art von Helligkeit empfangen. Denn so wie Licht eine dem Himmelskörper eigentümliche Qualität ist, so sind heiß und kalt, feucht und trocken den Elementen eigentümliche Qualitäten. Also sollten, wie der Himmel durch eine Zunahme an Helligkeit erneuert wird, die Elemente durch eine Zunahme an aktiven und passiven Qualitäten erneuert werden.
Einwand 2: Ferner sind Seltenheit und Dichte Qualitäten der Elemente, und die Elemente werden ihrer bei dieser Erneuerung nicht beraubt werden. Nun scheinen die Seltenheit und Dichte der Elemente ein Hindernis für Helligkeit zu sein, da ein heller Körper verdichtet sein muss, aus welchem Grund die Seltenheit der Luft mit Helligkeit unvereinbar scheint, und in gleicher Weise die Dichte der Erde, die ein Hindernis für Transparenz ist. Also ist es unmöglich, dass die Elemente durch die Hinzufügung von Helligkeit erneuert werden.
Einwand 3: Ferner besteht Übereinkunft, dass die Verdammten in der Erde sein werden. Doch werden sie in nicht nur innerer, sondern auch äußerer Finsternis sein. Also wird die Erde in dieser Erneuerung nicht mit Helligkeit ausgestattet werden, noch aus demselben Grund die anderen Elemente.
Einwand 4: Ferner impliziert Zunahme an Helligkeit in den Elementen eine Zunahme an Hitze. Wenn also bei dieser Erneuerung die Helligkeit der Elemente größer ist, als sie jetzt ist, wird ihre Hitze ebenfalls größer sein; und so schiene es, dass sie von ihren natürlichen Qualitäten verändert werden, die in ihnen gemäß einem festen Maß sind: und dies ist absurd.
Einwand 5: Ferner ist das Gut des Universums, welches in der Ordnung und Harmonie der Teile besteht, vorzüglicher als das Gut irgendeines einzelnen Geschöpfes. Aber wenn ein Geschöpf verbessert wird, wird das Gut des Universums beseitigt, da nicht mehr dieselbe Harmonie sein wird. Wenn also die elementaren Körper, die gemäß ihrem natürlichen Grad im Universum frei von Helligkeit sein sollten, mit Helligkeit ausgestattet würden, würde die Vollkommenheit des Universums dadurch eher vermindert als vermehrt.
Dagegen spricht, dass geschrieben steht (Offb 21,1): „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde.“ Nun wird der Himmel durch eine Zunahme an Helligkeit erneuert werden. Also werden die Erde und gleichermaßen die anderen Elemente dies auch.
Ferner sind die niederen Körper, wie die höheren, für den Gebrauch des Menschen. Nun wird das körperliche Geschöpf für seine Dienste am Menschen belohnt werden, wie eine Glosse des Ambrosius zu Röm 8,22, „Jedes Geschöpf seufzt“, zu sagen scheint, und eine Glosse des Hieronymus zu Jes 30,26, „Und das Licht des Mondes wird sein“, usw. Also werden die Elemente ebenso verherrlicht werden wie die Himmelskörper.
Ferner ist der Körper des Menschen aus den Elementen zusammengesetzt. Also werden die elementaren Teilchen, die im Körper des Menschen sind, durch die Hinzufügung von Helligkeit verherrlicht werden, wenn der Mensch verherrlicht wird. Nun ist es angemessen, dass Ganzes und Teil dieselbe Beschaffenheit haben. Also ist es angemessen, dass die Elemente selbst mit Helligkeit ausgestattet werden.
Ich antworte darauf, So wie es eine gewisse Ordnung zwischen den himmlischen Geistern und den irdischen oder menschlichen Geistern gibt, so gibt es eine Ordnung zwischen Himmelskörpern und irdischen Körpern. Da nun das körperliche Geschöpf um des geistigen willen gemacht wurde und von diesem regiert wird, folgt, dass mit körperlichen Dingen ähnlich verfahren wird wie mit geistigen Dingen. Nun werden in dieser endgültigen Vollendung der Dinge die niederen Geister die Eigenschaften der höheren Geister empfangen, weil die Menschen wie die Engel im Himmel sein werden (Mt 22,30): und dies wird dadurch vollbracht, dass der höchste Grad an Vollkommenheit dem verliehen wird, worin der menschliche Geist mit dem englischen übereinstimmt. Weshalb in gleicher Weise, da die niederen Körper mit den Himmelskörpern nicht übereinstimmen außer in der Natur des Lichts und der Transparenz (De Anima ii), folgt, dass die niederen Körper hauptsächlich hinsichtlich der Helligkeit vervollkommnet werden sollen. Daher werden alle Elemente mit einer gewissen Helligkeit bekleidet werden, jedoch nicht gleichermaßen, sondern gemäß ihrer Weise: denn es wird gesagt, dass die Erde an ihrer äußeren Oberfläche so transparent wie Glas sein wird, das Wasser wie Kristall, die Luft wie der Himmel, das Feuer wie die Lichter des Himmels.
Zu Einwand 1: Wie oben gesagt (Artikel 1), ist die Erneuerung der Welt auf die Wirkung ausgerichtet, dass der Mensch sogar durch seine Sinne gleichsam die Gottheit durch offensichtliche Zeichen sehen möge. Nun ist der geistigste und feinste unserer Sinne das Sehen. Folglich müssen alle niederen Körper verbessert werden, hauptsächlich hinsichtlich der sichtbaren Qualitäten, deren Prinzip das Licht ist. Andererseits betreffen die elementaren Qualitäten den Tastsinn, welcher der materiellste der Sinne ist, und das Übermaß ihrer Gegensätzlichkeit ist eher unangenehm als angenehm; wohingegen Übermaß an Licht angenehm sein wird, da es keine Gegensätzlichkeit hat, außer aufgrund einer Schwäche im Organ, welche dann nicht sein wird.
Zu Einwand 2: Die Luft wird hell sein, nicht als Strahlen aussendend, sondern als eine erleuchtete Transparenz; während die Erde, obwohl sie durch Mangel an Licht undurchsichtig ist, dennoch durch die göttliche Macht an ihrer Oberfläche mit der Herrlichkeit der Helligkeit bekleidet werden wird, unbeschadet ihrer Dichte.
Zu Einwand 3: Die Erde wird in den höllischen Regionen nicht mit Helligkeit verherrlicht werden; sondern statt dieser Herrlichkeit wird jener Teil der Erde die vernunftbegabten Geister von Menschen und Dämonen haben, die, obwohl schwach aufgrund der Sünde, dennoch jeder körperlichen Qualität durch die Würde ihrer Natur überlegen sind. Oder wir können sagen, dass, obwohl die ganze Erde verherrlicht wird, die Bösen dennoch in äußerer Finsternis sein werden, da sogar das Feuer der Hölle, während es für sie in einer Hinsicht scheint, unfähig sein wird, sie in einer anderen zu erleuchten.
Zu Einwand 4: Diese Helligkeit wird in diesen Körpern sein, so wie sie in den Himmelskörpern ist, in denen sie keine Hitze verursacht, weil diese Körper dann unveränderlich sein werden, wie die Himmelskörper jetzt sind.
Zu Einwand 5: Die Ordnung des Universums wird durch die Verbesserung der Elemente nicht beseitigt werden, weil alle anderen Teile auch verbessert werden, und so dieselbe Harmonie bleiben wird.