Suppl., q. 91 a. 1
Ob die Welt erneuert werden wird?
Quaestio 91 · Von der Beschaffenheit der Welt nach dem Gericht
Einwand 1: Es scheint, dass die Welt niemals erneuert werden wird. Denn es wird nichts sein, was nicht irgendwann seiner Art nach war: „Was ist es, das gewesen ist? Dasselbe, was sein wird“ (Pred 1,9). Nun hatte die Welt niemals eine andere Beschaffenheit als die, welche sie jetzt hinsichtlich ihrer wesentlichen Teile, sowohl der Gattungen als auch der Arten, besitzt. Also wird sie niemals erneuert werden.
Einwand 2: Ferner ist die Erneuerung eine Art Veränderung. Es ist aber unmöglich, dass das Universum verändert wird; denn alles, was verändert wird, setzt ein Veränderndes voraus, das nicht verändert wird, welches dennoch Subjekt einer Ortsbewegung ist: und es ist unmöglich, ein solches Ding außerhalb des Universums anzunehmen. Also ist es unmöglich, dass die Welt erneuert wird.
Einwand 3: Ferner heißt es (Gen 2,2), dass „Gott … am siebten Tag ruhte von all seinem Werk, das er gemacht hatte“, und heilige Männer erklären dies so, dass „Er davon ruhte, neue Geschöpfe zu bilden“. Als nun die Dinge zuerst begründet wurden, war die ihnen auferlegte Weise dieselbe, die sie jetzt in der natürlichen Ordnung haben. Also werden sie niemals eine andere haben.
Einwand 4: Ferner ist die Beschaffenheit, welche die Dinge jetzt haben, ihnen natürlich. Wenn sie also zu einer anderen Beschaffenheit verändert werden, so wird diese Beschaffenheit für sie widernatürlich sein. Nun kann aber alles, was widernatürlich und akzidentell ist, nicht ewig währen (De Coelo et Mundo i). Also wird diese durch die Erneuerung erworbene Beschaffenheit von ihnen genommen werden; und so wird es einen Kreislauf von Veränderungen in der Welt geben, wie Empedokles und Origenes (Peri Archon ii, 3) behaupteten, und nach dieser Welt wird eine andere sein, und nach jener wieder eine andere.
Einwand 5: Ferner wird die Neuheit der Herrlichkeit dem vernunftbegabten Geschöpf als Belohnung gegeben. Wo aber kein Verdienst ist, da kann keine Belohnung sein. Da also die empfindungslosen Geschöpfe nichts verdient haben, scheint es, dass sie nicht erneuert werden.
Dagegen spricht, dass geschrieben steht (Jes 65,17): „Siehe, ich schaffe neue Himmel und eine neue Erde, und der früheren Dinge wird nicht mehr gedacht werden“; und (Offb 21,1): „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen.“
Ferner sollte die Wohnung dem Bewohner angemessen sein. Die Welt aber wurde als Wohnung des Menschen gemacht. Also sollte sie dem Menschen angemessen sein. Nun wird der Mensch erneuert werden. Also gleichermaßen auch die Welt.
Ferner: „Jedes Tier liebt seinesgleichen“ (Sir 13,19), weshalb offensichtlich ist, dass Ähnlichkeit der Grund der Liebe ist. Nun hat der Mensch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Universum, weshalb er „eine kleine Welt“ (Mikrokosmos) genannt wird. Daher liebt der Mensch die ganze Welt von Natur aus und wünscht folglich ihr Gut. Damit also das Verlangen des Menschen befriedigt werde, muss notwendigerweise auch das Universum verbessert werden.
Ich antworte darauf, Wir glauben, dass alle körperlichen Dinge um des Menschen willen gemacht wurden, weshalb gesagt wird, dass alle Dinge ihm unterworfen sind [vgl. Ps 8,8 ff.]. Nun dienen sie dem Menschen auf zweifache Weise: erstens als Unterhalt für sein körperliches Leben, zweitens als Hilfe zur Erkenntnis Gottes, insofern der Mensch die unsichtbaren Dinge Gottes durch die Dinge sieht, die gemacht sind (Röm 1,20). Dementsprechend wird der verherrlichte Mensch der Geschöpfe in keiner Weise bedürfen, um ihm den ersten dieser Dienste zu leisten, da sein Körper gänzlich unvergänglich sein wird, was die göttliche Macht durch die Seele bewirkt, welche sie unmittelbar verherrlichen wird. Auch wird der Mensch den zweiten Dienst hinsichtlich der intellektiven Erkenntnis nicht benötigen, da er durch jene Erkenntnis Gott unmittelbar in seinem Wesen schauen wird. Das fleischliche Auge jedoch wird nicht fähig sein, zu dieser Schau des Wesens zu gelangen; damit es also in der Schau Gottes angemessen getröstet werde, wird es die Gottheit in ihren körperlichen Wirkungen sehen, worin sich offensichtliche Beweise der göttlichen Majestät zeigen werden, besonders im Fleisch Christi, und sekundär in den Leibern der Seligen, und danach in allen anderen Körpern. Daher werden auch jene Körper einen größeren Zufluss von der göttlichen Güte empfangen müssen als jetzt, zwar nicht so, dass ihre Art verändert wird, sondern so, dass eine gewisse Vollkommenheit der Herrlichkeit hinzugefügt wird: und dergestalt wird die Erneuerung der Welt sein. Deshalb wird zu ein und derselben Zeit die Welt erneuert und der Mensch verherrlicht werden.
Zu Einwand 1: Salomo spricht dort vom natürlichen Lauf der Dinge: dies ist offensichtlich daraus, dass er hinzufügt: „Nichts unter der Sonne ist neu.“ Denn da die Bewegung der Sonne einem Kreis folgt, müssen jene Dinge, die der Macht der Sonne unterworfen sind, eine Art kreisförmige Bewegung haben. Dies besteht in der Tatsache, dass Dinge, die zuvor waren, der Art nach gleich, aber im Individuum verschieden wiederkehren (De Generat. i). Aber Dinge, die zum Zustand der Herrlichkeit gehören, sind nicht „unter der Sonne“.
Zu Einwand 2: Dieses Argument betrachtet die natürliche Veränderung, die von einem natürlichen Agens ausgeht, welches aus natürlicher Notwendigkeit handelt. Denn ein solches Agens kann keine verschiedenen Beschaffenheiten hervorbringen, wenn es nicht selbst verschieden beschaffen ist. Aber die von Gott gewirkten Dinge gehen aus der Freiheit des Willens hervor, weshalb es möglich ist, ohne irgendeine Änderung in Gott, der es will, dass das Universum zu einer Zeit eine Beschaffenheit hat und zu einer anderen Zeit eine andere. So wird diese Erneuerung nicht auf eine Ursache zurückgeführt, die bewegt wird, sondern auf ein unbewegliches Prinzip, nämlich Gott.
Zu Einwand 3: Es wird gesagt, dass Gott am siebten Tag aufhörte, neue Geschöpfe zu bilden, insofern nichts danach gemacht wurde, was nicht vorher in irgendeiner Ähnlichkeit [vgl. FP, Frage 73, Artikel 1] existierte, entweder der Gattung oder der Art nach, oder zumindest wie in einem keimhaften Grund (ratio seminalis), oder sogar wie in einer obedienziellen Potenz [vgl. FP, Frage 115, Artikel 2, ad 4; TP, Frage 11, Artikel 1]. Ich sage also, dass die zukünftige Erneuerung der Welt in den Werken der sechs Tage durch eine entfernte Ähnlichkeit vorausging, nämlich in der Herrlichkeit und Gnade der Engel. Überdies ging sie voraus in der obedienziellen Potenz, die damals dem Geschöpf verliehen wurde, dahingehend, dass es diese selbe Erneuerung durch das göttliche Wirken empfange.
Zu Einwand 4: Diese Beschaffenheit der Neuheit wird weder natürlich noch der Natur entgegengesetzt sein, sondern über der Natur (so wie Gnade und Herrlichkeit über der Natur der Seele sind): und sie wird von einem ewigen Agens ausgehen, welches sie für immer bewahren wird.
Zu Einwand 5: Obwohl, eigentlich gesprochen, empfindungslose Körper diese Herrlichkeit nicht verdient haben werden, so hat doch der Mensch verdient, dass diese Herrlichkeit dem ganzen Universum verliehen werde, insofern dies zur Mehrung der Herrlichkeit des Menschen beiträgt. So verdient ein Mensch, in prächtigere Gewänder gekleidet zu werden, welchen Glanz die Gewänder selbst in keiner Weise verdient haben.