I-II, q. 20 a. 3
Ob die Güte und Bosheit der äußeren Handlung dieselbe ist wie die des inneren Aktes?
Quaestio 20 · Von der Güte und Bosheit der äußeren menschlichen Handlungen
Einwand 1: Es scheint, dass die Güte und Bosheit des inneren Willensaktes nicht dieselbe ist wie die der äußeren Handlung. Denn das Prinzip des inneren Aktes ist das innere erkennende oder begehrende Vermögen der Seele; wohingegen das Prinzip der äußeren Handlung das Vermögen ist, das die Bewegung ausführt. Wo aber die Prinzipien der Handlung verschieden sind, sind auch die Handlungen selbst verschieden. Zudem ist es die Handlung, die das Subjekt von Güte oder Bosheit ist: und dasselbe Akzidens kann nicht in verschiedenen Subjekten sein. Also kann die Güte des inneren Aktes nicht dieselbe sein wie die der äußeren Handlung.
Einwand 2: Ferner: „Eine Tugend macht das, was sie hat, gut und macht auch dessen Werk gut“ (Ethic. ii, 6). Aber die intellektuelle Tugend im befehlenden Vermögen ist verschieden von der moralischen Tugend im befohlenen Vermögen, wie in Ethic. i, 13 erklärt wird. Also ist die Güte des inneren Aktes, die zum befehlenden Vermögen gehört, verschieden von der Güte der äußeren Handlung, die zum befohlenen Vermögen gehört.
Einwand 3: Ferner kann dasselbe Ding nicht Ursache und Wirkung sein; da nichts seine eigene Ursache ist. Aber die Güte des inneren Aktes ist die Ursache der Güte der äußeren Handlung, oder umgekehrt, wie oben dargelegt (Artikel [1], 2). Also ist es nicht dieselbe Güte in beiden.
Dagegen spricht, Es wurde oben gezeigt (Frage [18], Artikel [6]), dass der Willensakt gleichsam die Form der äußeren Handlung ist. Nun ist das, was aus dem materiellen und formalen Element resultiert, eine einzige Sache. Also gibt es nur eine einzige Güte des inneren und äußeren Aktes.
Ich antworte darauf, Wie oben dargelegt (Frage [17], Artikel [4]), sind der innere Willensakt und die äußere Handlung, moralisch betrachtet, ein einziger Akt. Nun geschieht es manchmal, dass ein und derselbe individuelle Akt mehrere Aspekte der Güte oder Bosheit hat, und manchmal, dass er nur einen hat. Daher müssen wir sagen, dass manchmal die Güte oder Bosheit des inneren Aktes dieselbe ist wie die der äußeren Handlung, und manchmal nicht. Denn wie wir bereits gesagt haben (Artikel [1], 2), sind diese beiden Güten oder Bosheiten, des inneren und des äußeren Aktes, aufeinander hingeordnet. Nun kann es bei Dingen, die etwas anderem untergeordnet sind, geschehen, dass eine Sache bloß dadurch gut ist, dass sie untergeordnet ist; so ist ein bitterer Trank bloß deshalb gut, weil er Gesundheit verschafft. Daher gibt es nicht zwei Güten, eine Güte der Gesundheit und die andere Güte des Trankes, sondern ein und dieselbe. Andererseits geschieht es manchmal, dass das, was etwas anderem untergeordnet ist, irgendeinen Aspekt der Güte in sich selbst hat, abgesehen von der Tatsache seiner Unterordnung unter ein anderes Gut: so kann eine wohlschmeckende Medizin im Lichte eines lustvollen Gutes betrachtet werden, abgesehen davon, dass sie der Gesundheit förderlich ist.
Wir müssen daher sagen: Wenn die äußere Handlung Güte oder Bosheit allein aus ihrer Beziehung zum Ziel ableitet, dann gibt es nur ein und dieselbe Güte des Willensaktes, der aus sich selbst auf das Ziel schaut, und der äußeren Handlung, die durch die Vermittlung des Willensaktes auf das Ziel schaut. Wenn aber die äußere Handlung Güte oder Bosheit aus sich selbst hat, d.h. in Bezug auf ihre Materie und Umstände, dann ist die Güte der äußeren Handlung verschieden von der Güte des Willens, der auf das Ziel schaut; doch so, dass die Güte des Ziels in die äußere Handlung übergeht und die Güte der Materie und der Umstände in den Willensakt übergeht, wie oben dargelegt (Artikel [1], 2).
Antwort auf Einwand 1: Dieses Argument beweist, dass die inneren und äußeren Handlungen in der physischen Ordnung verschieden sind: doch so verschieden sie in dieser Hinsicht sind, verbinden sie sich, um in der moralischen Ordnung eine einzige Sache zu bilden, wie oben dargelegt (Frage [17], Artikel [4]).
Antwort auf Einwand 2: Wie in Ethic. vi, 12 dargelegt, ist eine moralische Tugend auf den Akt dieser Tugend hingeordnet, welcher Akt gleichsam das Ziel dieser Tugend ist; wohingegen die Klugheit, die in der Vernunft ist, auf die Dinge hingeordnet ist, die zum Ziel führen. Aus diesem Grund sind verschiedene Tugenden notwendig. Aber die rechte Vernunft in Bezug auf das eigentliche Ziel einer Tugend hat keine andere Güte als die Güte dieser Tugend, insofern die Güte der Vernunft an jeder Tugend teilhat.
Antwort auf Einwand 3: Wenn eine Sache von einer anderen abgeleitet wird wie von einer univoken Wirkursache, dann ist sie nicht in beiden dieselbe: so ist, wenn ein heißes Ding wärmt, die Hitze des Wärmenden verschieden von der Hitze des Gewärmten, obwohl sie der Art nach dieselbe ist. Aber wenn eine Sache von einer anderen gemäß Analogie oder Proportion abgeleitet wird, dann ist sie ein und dieselbe in beiden: so wird die Gesundheit, die in der Medizin oder im Urin ist, von der Gesundheit des tierischen Körpers abgeleitet; noch ist die Gesundheit, wie sie auf Urin und Medizin angewandt wird, verschieden von der Gesundheit, wie sie auf den Körper eines Tieres angewandt wird, von dessen Gesundheit die Medizin die Ursache und der Urin das Zeichen ist. Auf diese Weise wird die Güte der äußeren Handlung von der Güte des Willens abgeleitet und umgekehrt; nämlich gemäß der Hinordnung des einen zum anderen.