I-II, q. 20 a. 4
Ob die äußere Handlung der Güte oder Bosheit des inneren Aktes etwas hinzufügt?
Quaestio 20 · Von der Güte und Bosheit der äußeren menschlichen Handlungen
Einwand 1: Es scheint, dass die äußere Handlung der Güte oder Bosheit des inneren Aktes keine Güte oder Bosheit hinzufügt. Denn Chrysostomus sagt (Hom. xix in Mt.): „Der Wille ist es, der für das Gutestun belohnt oder für das Bösetun bestraft wird.“ Nun sind die Werke die Zeugen des Willens. Daher sucht Gott die Werke nicht um Seiner selbst willen, um zu wissen, wie Er richten soll; sondern um der anderen willen, damit alle verstehen mögen, wie gerecht Er ist. Aber Gut oder Böse ist eher nach Gottes Urteil zu bemessen als nach dem Urteil des Menschen. Also fügt die äußere Handlung der Güte oder Bosheit des inneren Aktes nichts hinzu.
Einwand 2: Ferner sind die Güte und Bosheit des inneren und äußeren Aktes ein und dieselbe, wie oben dargelegt (Artikel [3]). Aber Vermehrung ist das Hinzufügen einer Sache zu einer anderen. Also fügt die äußere Handlung der Güte oder Bosheit des inneren Aktes nichts hinzu.
Einwand 3: Ferner fügt die gesamte Güte der geschaffenen Dinge der göttlichen Güte nichts hinzu, weil sie gänzlich von ihr abgeleitet ist. Aber manchmal wird die gesamte Güte der äußeren Handlung von der Güte des inneren Aktes abgeleitet, und manchmal umgekehrt, wie oben dargelegt (Artikel [1], 2). Also fügt keines von beiden der Güte oder Bosheit des anderen etwas hinzu.
Dagegen spricht, Jeder Handelnde beabsichtigt, Gutes zu erreichen und Böses zu vermeiden. Wenn also durch die äußere Handlung keine weitere Güte oder Bosheit hinzugefügt würde, wäre es zwecklos, dass derjenige, der einen guten oder bösen Willen hat, eine gute Tat vollbringt oder eine böse Tat unterlässt. Was unvernünftig ist.
Ich antworte darauf, Wenn wir von der Güte sprechen, welche die äußere Handlung vom Willen ableitet, der auf das Ziel tendiert, dann fügt die äußere Handlung dieser Güte nichts hinzu, es sei denn, es geschieht, dass der Wille in sich selbst in guten Dingen besser oder in bösen Dingen schlechter gemacht wird. Dies scheint auf dreifache Weise geschehen zu können. Erstens der Zahl nach; wenn zum Beispiel ein Mensch etwas mit einem guten oder bösen Ziel vor Augen tun will und es dann nicht tut, aber später will und tut, so wird der Akt seines Willens verdoppelt, und ein doppeltes Gut oder ein doppeltes Übel ist das Ergebnis. Zweitens der Ausdehnung nach: wenn zum Beispiel ein Mensch etwas für ein gutes oder böses Ziel tun will und durch irgendein Hindernis daran gehindert wird, während ein anderer Mensch in der Bewegung des Willens verharrt, bis er es in der Tat vollbracht hat; so ist es offensichtlich, dass der Wille des letzteren im Guten oder Bösen dauerhafter ist und in dieser Hinsicht besser oder schlechter ist. Drittens der Intensität nach: denn es gibt gewisse äußere Handlungen, die, insofern sie lustvoll oder schmerzhaft sind, von solcher Art sind, dass sie den Willen natürlicherweise intensiver oder nachlässiger machen; und es ist offensichtlich, dass der Wille umso besser oder schlechter ist, je intensiver er zum Guten oder Bösen tendiert.
Wenn wir andererseits von der Güte sprechen, welche die äußere Handlung aus ihrer Materie und den gebührenden Umständen ableitet, so steht sie in Beziehung zum Willen als dessen Terminus und Ziel. Und auf diese Weise fügt sie der Güte oder Bosheit des Willens etwas hinzu; weil jede Neigung oder Bewegung dadurch vervollkommnet wird, dass sie ihr Ziel erreicht oder ihren Terminus erlangt. Daher ist der Wille nicht vollkommen, wenn er nicht so beschaffen ist, dass er bei gegebener Gelegenheit die Handlung verwirklicht. Wenn dies aber unmöglich ist, solange der Wille vollkommen ist, so dass er die Handlung verwirklichen würde, wenn er könnte, so ist der Mangel an Vollkommenheit, der von der äußeren Handlung herrührt, bloß unfreiwillig. Nun verdient das Unfreiwillige weder Strafe noch Belohnung bei der Vollbringung guter oder böser Taten, und ebenso wenig mindert es Belohnung oder Strafe, wenn ein Mensch durch bloße Unfreiwilligkeit darin versagt, Gutes oder Böses zu tun.
Antwort auf Einwand 1: Chrysostomus spricht von dem Fall, wo der Wille eines Menschen vollständig ist und er die Tat nicht unterlässt, außer durch die Unmöglichkeit der Ausführung.
Antwort auf Einwand 2: Dieses Argument bezieht sich auf jene Güte, welche die äußere Handlung vom Willen ableitet, insofern er auf das Ziel tendiert. Aber die Güte, welche die äußere Handlung aus ihrer Materie und den Umständen nimmt, ist verschieden von jener, die sie vom Ziel ableitet; aber sie ist nicht verschieden von jener, die sie vom gewollten Akt selbst hat, zu dem sie in der Beziehung von Maß und Ursache steht, wie oben dargelegt (Artikel [1], 2).
Daraus ist die Antwort auf den dritten Einwand ersichtlich.