I, q. 41 a. 4
Ob es in Gott eine Macht in Bezug auf die notionalen Akte gibt?
Quaestio 41 · Von den Personen in Beziehung zu den notionalen Akten
Einwand 1: Es scheint, dass es in Gott keine Macht in Bezug auf die notionalen Akte gibt. Denn jede Art von Macht ist entweder aktiv oder passiv; keines von beiden kann hier angewendet werden, da es in Gott nichts gibt, was wir passive Potenz nennen, wie oben erklärt (Frage [25], Artikel [1]); noch kann aktive Macht einer Person in Bezug auf eine andere zukommen, da die göttlichen Personen nicht gemacht wurden, wie oben festgestellt (Artikel [3]). Daher gibt es in Gott keine Macht in Bezug auf die notionalen Akte.
Einwand 2: Ferner ist das Objekt der Macht das Mögliche. Aber die göttlichen Personen werden nicht als möglich, sondern als notwendig betrachtet. Daher kann es in Bezug auf die notionalen Akte, durch die die göttlichen Personen hervorgehen, keine Macht in Gott geben.
Einwand 3: Ferner geht der Sohn als das Wort hervor, welches das Konzept des Intellekts ist; und der Heilige Geist geht als Liebe hervor, welche zum Willen gehört. Aber in Gott existiert Macht in Bezug auf Wirkungen, und nicht in Bezug auf Intellekt und Willen, wie oben festgestellt (Frage [25], Artikel [1]). Daher existiert in Gott keine Macht in Bezug auf die notionalen Akte.
Dagegen spricht, dass Augustinus sagt (Contra Maxim. iii, 1): „Wenn Gott der Vater keinen Ihm gleichen Sohn zeugen konnte, wo ist die Allmacht Gottes des Vaters?“ Macht existiert daher in Gott bezüglich der notionalen Akte.
Ich antworte darauf, Wie die notionalen Akte in Gott existieren, so muss es auch eine Macht in Gott bezüglich dieser Akte geben; da Macht nur das Prinzip des Aktes bedeutet. Da wir also verstehen, dass der Vater Prinzip der Zeugung ist, und der Vater und der Sohn das Prinzip der Hauchung sind, müssen wir dem Vater die Macht des Zeugens zuschreiben und dem Vater und dem Sohn die Macht der Hauchung; denn die Macht der Zeugung bedeutet das, wodurch der Erzeuger erzeugt. Nun erzeugt jeder Erzeuger durch etwas. Daher müssen wir in jedem Erzeuger die Macht des Erzeugens annehmen, und im Hauchenden die Macht des Hauchens.
Antwort auf Einwand 1: Da eine Person gemäß den notionalen Akten nicht als gemacht hervorgeht, so hat die Macht in Gott in Bezug auf die notionalen Akte keinen Bezug auf eine Person als gemacht, sondern nur in Bezug auf die Person als hervorgehend.
Antwort auf Einwand 2: Möglich, als Gegensatz zu dem, was notwendig ist, ist eine Folge einer passiven Potenz, die in Gott nicht existiert. Daher gibt es in Gott keine Möglichkeit in diesem Sinne, sondern nur im Sinne von möglich, wie es in dem enthalten ist, was notwendig ist; und in diesem letzteren Sinne kann gesagt werden, dass, wie es für Gott möglich ist zu sein, so ist es auch möglich, dass der Sohn gezeugt werde.
Antwort auf Einwand 3: Macht bezeichnet ein Prinzip: und ein Prinzip impliziert Unterscheidung von dem, dessen Prinzip es ist. Nun müssen wir eine doppelte Unterscheidung in den Dingen beachten, die von Gott gesagt werden: eine ist eine reale Unterscheidung, die andere ist eine Unterscheidung nur der Vernunft nach. Durch eine reale Unterscheidung ist Gott durch sein Wesen unterschieden von jenen Dingen, deren Prinzip Er durch Schöpfung ist: gerade so wie eine Person unterschieden ist von der anderen, deren Prinzip sie durch einen notionalen Akt ist. Aber in Gott ist die Unterscheidung von Handlung und Agens nur eine der Vernunft nach, andernfalls wäre die Handlung ein Akzidens in Gott. Und deshalb können wir in Bezug auf jene Handlungen, hinsichtlich derer gewisse Dinge hervorgehen, die von Gott unterschieden sind, entweder personal oder essentiell, Gott Macht im eigentlichen Sinne von Prinzip zuschreiben. Und wie wir Gott die Macht des Schaffens zuschreiben, so können wir die Macht des Zeugens und des Hauchens zuschreiben. Aber „verstehen“ und „wollen“ sind keine solchen Handlungen, dass sie den Hervorgang von etwas bezeichnen, das von Gott unterschieden ist, entweder essentiell oder personal. Weshalb wir in Bezug auf diese Handlungen Gott keine Macht im eigentlichen Sinne zuschreiben können, sondern nur nach unserer Art des Verstehens und Sprechens: insofern wir mit verschiedenen Begriffen den Intellekt und den Akt des Verstehens in Gott bezeichnen, wohingegen in Gott der Akt des Verstehens sein Wesen selbst ist, welches kein Prinzip hat.