I, q. 41 a. 5
Ob die Macht des Zeugens eine Relation bezeichnet und nicht das Wesen?
Quaestio 41 · Von den Personen in Beziehung zu den notionalen Akten
Einwand 1: Es scheint, dass die Macht des Zeugens oder des Hauchens die Relation bezeichnet und nicht das Wesen. Denn Macht bezeichnet ein Prinzip, wie aus seiner Definition hervorgeht: denn aktive Macht ist das Prinzip des Handelns, wie wir in Metaph. v, Text 17 finden. Aber in Gott wird Prinzip in Bezug auf Person notional ausgesagt. Daher bezeichnet Macht in Gott nicht Wesen, sondern Relation.
Einwand 2: Ferner sind in Gott das Können [posse] und das ‚Handeln‘ nicht unterschieden. Aber in Gott bezeichnet Zeugen Relation. Daher gilt dasselbe für die Macht des Zeugens.
Einwand 3: Ferner sind Begriffe, die das Wesen in Gott bezeichnen, den drei Personen gemeinsam. Aber die Macht des Zeugens ist nicht den drei Personen gemeinsam, sondern dem Vater eigen. Daher bezeichnet sie nicht das Wesen.
Dagegen spricht: Wie Gott die Macht hat, den Sohn zu zeugen, so will Er Ihn auch zeugen. Aber der Wille zu zeugen bezeichnet das Wesen. Daher auch die Macht zu zeugen.
Ich antworte darauf, Einige haben gesagt, dass die Macht zu zeugen in Gott Relation bezeichnet. Aber dies ist nicht möglich. Denn in jedem Agens wird das eigentlich Macht genannt, wodurch das Agens handelt. Nun bringt alles, was durch seine Handlung etwas hervorbringt, etwas sich selbst Ähnliches hervor, hinsichtlich der Form, durch die es handelt; so wie der gezeugte Mensch seinem Erzeuger in seiner menschlichen Natur ähnlich ist, kraft derer der Vater die Macht hat, einen Menschen zu zeugen. In jedem Erzeuger ist daher das die Macht des Zeugens, worin der Gezeugte dem Erzeuger ähnlich ist.
Nun ist der Sohn Gottes dem Vater, der Ihn zeugt, in der göttlichen Natur ähnlich. Weshalb die göttliche Natur im Vater in Ihm die Macht des Zeugens ist. Und so sagt Hilarius (De Trin. v): „Die Geburt Gottes kann nichts anderes enthalten als jene Natur, aus der sie hervorging; denn Er kann nicht anders als Gott subsistieren, der aus keiner anderen Quelle als Gott subsistiert.“
Wir müssen daher schließen, dass die Macht des Zeugens prinzipiell das göttliche Wesen bezeichnet, wie der Magister sagt (Sent. i, D, vii), und nicht nur die Relation. Noch bezeichnet sie das Wesen als identifiziert mit der Relation, so dass sie beides gleichermaßen bezeichnete. Denn obwohl Vaterschaft als die Form des Vaters bezeichnet wird, ist sie dennoch eine personale Eigenschaft, da sie in Bezug auf die Person des Vaters das ist, was die individuelle Form für das individuelle Geschöpf ist. Nun konstituiert die individuelle Form in geschaffenen Dingen die zeugende Person, ist aber nicht das, wodurch der Erzeuger zeugt, andernfalls würde Sokrates Sokrates zeugen. So kann auch die Vaterschaft nicht als das verstanden werden, wodurch der Vater zeugt, sondern als das, was die Person des Vaters konstituiert, andernfalls würde der Vater den Vater zeugen. Aber das, wodurch der Vater zeugt, ist die göttliche Natur, in welcher der Sohn Ihm gleich ist. Und in diesem Sinne sagt Damascener (De Fide Orth. i, 18), dass die Zeugung das „Werk der Natur“ ist, nicht der zeugenden Natur, sondern der Natur, als das seiend, wodurch der Erzeuger erzeugt. Und deshalb bezeichnet die Macht des Zeugens die göttliche Natur direkt, die Relation aber indirekt.
Antwort auf Einwand 1: Macht bezeichnet nicht die Relation eines Prinzips selbst, denn so wäre sie in der Gattung der Relation; sondern sie bezeichnet das, was ein Prinzip ist; freilich nicht in dem Sinne, in dem wir das Agens ein Prinzip nennen, sondern in dem Sinne, dass es das ist, wodurch das Agens handelt. Nun ist das Agens unterschieden von dem, was es macht, und der Erzeuger von dem, was er erzeugt: aber das, wodurch der Erzeuger erzeugt, ist dem Gezeugten und dem Erzeuger gemeinsam, und umso vollkommener, je vollkommener die Zeugung ist. Da also die göttliche Zeugung höchst vollkommen ist, ist das, wodurch der Erzeuger erzeugt, dem Gezeugten und dem Erzeuger durch eine Gemeinschaft der Identität gemeinsam, und nicht nur der Spezies nach, wie in geschaffenen Dingen. Daher folgt aus der Tatsache, dass wir sagen, das göttliche Wesen „ist das Prinzip, durch welches der Erzeuger erzeugt“, nicht, dass das göttliche Wesen (vom Gezeugten) unterschieden ist: was folgen würde, wenn wir sagen würden, dass das göttliche Wesen zeugt.
Antwort auf Einwand 2: Wie in Gott die Macht des Zeugens dasselbe ist wie der Akt des Zeugens, so ist das göttliche Wesen in der Realität dasselbe wie der Akt des Zeugens oder die Vaterschaft; obwohl es eine Unterscheidung der Vernunft nach gibt.
Antwort auf Einwand 3: Wenn ich von der „Macht des Zeugens“ spreche, wird Macht direkt bezeichnet, Zeugung indirekt: gerade so, als ob ich sagen würde, das „Wesen des Vaters“. Weshalb in Bezug auf das Wesen, welches bezeichnet wird, die Macht des Zeugens den drei Personen gemeinsam ist: aber in Bezug auf die Notion, die konnotiert wird, ist sie der Person des Vaters eigen.