App. I, q. 2 a. 3
Ob die Seelen im Fegefeuer von den Dämonen bestraft werden?
Quaestio 2 · Von der Beschaffenheit der Seelen, welche die Tatsünde oder deren Strafe im Fegefeuer abbüßen.
1. Einwand: Es scheint, dass die Seelen im Fegefeuer von den Dämonen bestraft werden; denn gemäß dem Magister „werden sie jene als Peiniger in ihren Schmerzen haben, die ihre Versucher zur Sünde waren.“ Nun versuchen uns die Dämonen zur Sünde, nicht nur zur Todsünde, sondern auch zur lässlichen, wenn sie bei ersterer scheitern. Daher werden sie im Fegefeuer die Seelen auch wegen lässlicher Sünden foltern.
2. Einwand: Ferner sind die Gerechten fähig, sowohl in diesem Leben als auch danach von der Sünde gereinigt zu werden. Nun werden sie in diesem Leben durch Peinen gereinigt, die vom Teufel zugefügt werden, wie es bei Ijob der Fall war. Daher werden auch nach diesem Leben jene, die gereinigt werden müssen, von den Dämonen bestraft werden.
Dagegen spricht, dass es ungerecht wäre, wenn derjenige, der über jemanden triumphiert hat, ihm nach dem Sieg unterworfen würde. Nun haben jene, die im Fegefeuer sind, über die Dämonen triumphiert, da sie ohne Todsünde gestorben sind. Daher werden sie ihnen nicht dadurch unterworfen sein, dass sie von ihnen bestraft werden.
Ich antworte darauf, dass, wie nach dem Tag des Gerichts die göttliche Gerechtigkeit das Feuer entzünden wird, mit dem die Verdammten für immer bestraft werden, so auch jetzt die Auserwählten nach diesem Leben allein durch die göttliche Gerechtigkeit gereinigt werden, und weder durch den Dienst der Dämonen, die sie besiegt haben, noch durch den Dienst der Engel, die ihren Mitbürgern solche Foltern nicht zufügen würden. Es ist jedoch möglich, dass sie sie zum Ort der Bestrafung bringen: auch dass sogar die Dämonen, die sich an der Bestrafung des Menschen erfreuen, sie begleiten und dabei stehen, während sie gereinigt werden, sowohl damit sie an deren Peinen gesättigt werden, als auch damit sie, wenn diese ihre Körper verlassen, etwas von dem Ihren in ihnen finden mögen. Aber in diesem Leben, solange noch Zeit für den Kampf ist, werden die Menschen sowohl von den bösen Engeln als Feinden bestraft, wie am Beispiel Ijobs zu sehen ist, als auch von den guten Engeln, wie am Beispiel Jakobs zu sehen ist, dessen Hüftsehne bei der Berührung des Engels schrumpfte [*Gen 32,25]. Überdies sagt Dionysius ausdrücklich, dass die guten Engel manchmal Strafe zufügen.
Dies genügt für die Antworten auf die Einwände.