Seite wird geladen …
Die überlieferte Lateinische Messe weltweit finden · Alle Messen, die gemäß den 1962 geltenden liturgischen Büchern gefeiert werden, mit Zustimmung der Bischöfe der katholischen Kirche und des Heiligen Stuhls unter der Leitung von Papst Leo XIV.
AnsehenSeite wird geladen …
Artikel
Was ist Wahrheit? Thomas von Aquin ergründet das Verhältnis von Seiendem und Wahrem. Wahrheit ist die Übereinstimmung der Sache mit dem erkennenden Geist. Sie fügt dem Seienden nichts hinzu, sondern dessen Ordnung zum Verstand
.jpg&w=3840&q=75)
Lesezeit ca. 11 Min.
„Wie man bei Beweisführungen auf irgendwelche Prinzipien zurückführen muß, die dem Verstand durch sich selbst bekannt sind, so bei der Erforschung dessen, was ein jedes ist; sonst würde es hier wie dort ins Unendliche fortgehen, und es würde alles Wissen und Erfassen der Dinge zunichte. Das aber, was der Verstand zuerst gleichsam als das Bekannteste erfaßt und worin er alle Begriffe (conceptiones) auflöst, ist das Seiende (Avicenna, Metaphysik I, 9).
Darum müssen alle anderen Begriffe, die der Verstand sich bildet (conceptiones intellectus), durch Hinzufügung zum Seienden gewonnen werden. Aber zum Seienden kann nicht etwas wie eine äußere Natur hinzugefügt werden, auf die Art, wie die Differenz zum Genus oder ein Akzidens zum Subjekt hinzugefügt wird, denn jegliche Natur ist wesenhaft ein Seiendes; weshalb auch der Philosoph1 beweist (Metaphysik III, Komm. 1), daß das Seiende kein Genus sein kann, sondern insofern wird von Hinzufügung zum Seienden gesprochen, als etwas seinen Modus ausdrückt, der durch den Namen des Seienden selbst nicht zum Ausdruck kommt.
Das kann auf doppelte Weise geschehen. Einmal so, daß der ausgedrückte Modus ein spezieller Modus des Seienden ist, denn es gibt verschiedene Stufen des Seienden (gradus entitatis), denen entsprechend verschiedene Modi des Seins (modi essendi) angenommen werden, und gemäß diesen Modi werden verschiedene Gattungen von Dingen (genera rerum) angenommen; denn die Substanz fügt nicht zum Seienden irgendeine Differenz hinzu, die eine zum Seienden hinzugefügte Natur bezeichnen würde, sondern mit dem Namen Substanz wird ein spezieller Seinsmodus bezeichnet, nämlich ein für sich selbst Seiendes (per se ens), und so ist es auch bei den anderen Gattungen.
Auf die andere Weise so, daß der ausgedrückte Modus ganz allgemein jedem Seienden zugehört (sit consequens); und dieser Modus kann doppelt verstanden werden. Einmal, sofern er jedem Seienden in der Hinordnung auf ein anderes zugehört; auf die andere Weise, sofern ein jedes Seiende in der Ordnung des Seins auf ein anderes folgt (consequitur in ordine ad aliud). Im ersten Fall besagt das, daß er in dem Seienden etwas affirmativ oder negativ ausdrückt. Es läßt sich aber keine affirmative, absolute Aussage finden, die in jedem Seienden angenommen werden könnte, außer seinem Seinsgehalt (Wesen, essentia), gemäß dem ihm das Sein zugesprochen wird; und so wird der Name Ding gegeben, der sich darin vom Seienden unterscheidet (nach Avicenna, Anfang der Metaphysik), daß das Seiende von der Aktualität des Seins hergenommen wird (ab actu essendi), der Name Ding (res) aber die Washeit oder Wesenheit des Seienden (quidditatem sive essentiam entis) ausdrückt.
Die Negation aber, die jedem Seienden absolut zukommt, ist die Ungeteiltheit (indivisio); und diese drückt das Wort eines aus; denn nichts anderes ist eines als das ungeteilte Seiende.
Wenn man aber den Modus des Seienden auf die zweite Weise versteht, nämlich entsprechend der geordneten Beziehung des einen auf das andere, so ist dies auf doppelte Weise möglich. Einmal gemäß der Trennung des einen vom anderen; und das drückt der Name etwas (aliquid) aus, denn etwas besagt soviel wie ein anderes Was (aliud quid); wie also das Seiende eines genannt wird, sofern es ungeteilt in sich ist, so wird es etwas genannt, sofern es von anderem getrennt ist (divisum ab aliis).
Zum zweiten gemäß der Übereinstimmung (convenientia) eines Seienden mit einem anderen; und das ist nur möglich, wenn man etwas annimmt, das geeignet ist (natum), mit jedem andern übereinzustimmen. Das aber ist die Seele, die gewissermaßen alles ist (Über die Seele III, Text 37). In der Seele aber ist Erkenntnis- und Strebevermögen (vis cognitiva et appetitiva). Die Übereinstimmung des Seienden mit dem Streben drückt der Name Das Gute aus, wie es im Anfang der „Ethik“ heißt: „Das Gute ist das, wonach alles strebt“. Die Übereinstimmung des Seienden mit der Erkenntnis (intellectus) aber drückt der Name Das Wahre aus.
Jedes Erkennen (cognitio) aber vollzieht sich durch eine Verähnlichung des Erkennenden mit der erkannten Sache (perficitur per assimilationem cognoscentis ad rem cognitam), so daß die Verähnlichung die Ursache des Erkennens genannt worden ist; so wie das Sehen dadurch, daß es durch die Spezies der Farbe fähig gemacht wird (disponitur), die Farbe erfaßt.
Das erste Verhältnis (comparatio) des Seienden zum erkennenden Geist besteht also darin, daß das Seiende dem erkennenden Geist entspricht. Dies Entsprechen aber wird als Übereinstimmung der Sache und der Erkenntnis (adaequatio rei et intellectus) bezeichnet; und darin bestimmt sich formaliter die Idee des Wahren (in hoc formaliter ratio veri perficitur). Das also ist es, was das Wahre noch zum Seienden hinzufügt, nämlich die Gleichförmigkeit (conformitas) oder Übereinstimmung der Sache und des erkennenden Geistes; auf diese Gleichförmigkeit folgt, wie gesagt, das Erkennen der Sache. So geht also der Seinsbestand der Sache dem Bereich der Wahrheit voraus (entitas rei praecedit rationem veritatis), das Erkennen (cognitio) aber ist eine Auswirkung der Wahrheit (quidam veritatis effectus).
Entsprechend findet sich eine dreifache Definition der Wahrheit und des Wahren. Einmal nach dem, was der Wahrheit ordnungsgemäß vorausgeht und worin das Wahre begründet ist; und so definiert Augustinus (Soliloqu. Kap. V): „Das Wahre ist das, was ist“; und Avicenna (Metaphysik XI, 2): „Die Wahrheit eines jeden Dinges ist die Eigentümlichkeit seines Seins (proprietas sui esse), das für das Ding festgesetzt (stabilitum) ist“; und ein anderer: „Das Wahre ist die Ungeteiltheit des Seins (indivisio esse) und dessen, was ist“.
Auf die zweite Weise wird entsprechend dem definiert, was die Idee des Wahren formaliter abschließt (rationem veri perficit); und so sagt Isaac, daß die „Wahrheit die Übereinstimmung der Sache und der Erkenntnis“ ist, und Anselmus (Über die Wahrheit, Kap. XII): „Die Wahrheit ist die Richtigkeit, die nur mit dem Geiste faßbar ist“ (sola mente perceptibilis). Von dieser Richtigkeit nämlich spricht man im Sinn einer gewissen Übereinstimmung (adaequatio), wie der Philosoph (Metaphysik IV, Komm. 27) sagt, daß wir in der Definition des Wahren sagen, es sei das, was ist, oder es sei das nicht, was nicht ist.
Und auf die dritte Weise wird das Wahre entsprechend der nachfolgenden Auswirkung definiert; und so definiert Hilarius, daß „das Wahre das sich offenbarende und erklärende Sein sei“ (manifestationem et declarationem esse); und Augustinus (Über die wahre Religion, Kap. XXXVI): „Die Wahrheit ist es, wodurch das, was ist, gezeigt wird“, und (ib. Kap. XXXI): „die Wahrheit ist es, nach der wir über das Irdische (de inferioribus) urteilen“.
Daß etwas ohne ein anderes erkannt werden kann, das kann in doppeltem Sinn verstanden werden. Einmal so, daß das eine erkannt wird, ohne daß das andere erkannt wird; und so verhalten sich Dinge, die ihrem Bedeutungsgehalt nach verschieden sind (quae ratione differunt), daß — in diesem Sinne — eins ohne das andere erkannt werden kann. Im zweiten Sinn kann das Erkanntwerden des einen ohne das andere so verstanden werden, daß es erkannt wird, ohne daß dieses existiert; und in diesem Sinne kann das Seiende nicht ohne das Wahre erkannt werden, weil das Seiende nicht erkannt werden kann, ohne daß es dem erkennenden Geist entspricht oder mit ihm übereinstimmt. Es ist jedoch nicht nötig, daß jeder, der das Gebiet des Seienden erkennt (intelligit rationem entis), auch das Gebiet des Wahren erkennt, so wie nicht jeder, der das Seiende erkennt, auch den tätigen Verstand erkennt (intelligit intellectum agentem), und doch vermag der Mensch ohne den tätigen Verstand nichts zu erkennen. Wahrheit und Möglichkeit des Erkanntwerdens kommen jedem Seienden zu.
„Das Wahre ist eine Disposition des Seienden, die nicht gleichsam noch eine Natur hinzufügt oder einen speziellen Modus des Seienden ausdrückt, sondern etwas, das sich ganz allgemein in jedem Seienden findet, das aber nicht durch den Namen des Seienden ausgedrückt ist“.
Disposition ist dabei nicht nach Art einer Qualität zu verstehen, sondern als eine Ordnung; „da nämlich das, was Ursache des Seins von anderem ist, im höchsten Grade seiend ist und das, was Ursache der Wahrheit von anderem ist, im höchsten Grade wahr ist, so ist, wie der Philosoph schließt, der ordnungsmäßige Platz (ordo) einer Sache im Sein und in der Wahrheit derselbe; in dem Sinne natürlich, daß dort, wo sich das im höchsten Grade Seiende findet, auch das im höchsten Grade Wahre zu finden ist. Und das ist nicht darum so, weil das Seiende und das Wahre ihrer Idee nach dasselbe sind (ratione idem), sondern weil etwas entsprechend dem, was es vom Seinsbestand in sich hat (ex hoc quod aliquid habet de entitate), dazu geschaffen ist, mit dem erkennenden Geist übereinzustimmen; und so folgt der Idee nach das Wahre dem Seienden (ratio veri sequitur rationem entis)“.
Das Seiende und das Wahre unterscheiden sich auch, sofern „etwas im Bereich des Wahren (in ratione veri) sein kann, ohne im Bereich des Seienden zu sein, nicht aber so, daß etwas im Bereich des Seienden sein könnte, ohne im Bereich des Wahren zu sein; sie unterscheiden sich weder dem Wesen nach (per essentiam) noch durch entgegengesetzte Differenzen voneinander“. An Material fügt also das Wahre nichts zum Seienden hinzu. Und auch formal — oder dem Seinsbereich nach — kann das Seiende so weit gefaßt werden, daß es das Wahre und das Nichtseiende mit umfaßt, „sofern das Nichtseiende vom erkennenden Geist erfaßt wird; darum . . . sagt der Philosoph, die Negation oder Privation des Seienden werde in einem Sinne seiend genannt; darum sagt auch Avicenna im Anfang seiner Metaphysik, es könne nur vom Seienden eine Aussage (enuntiatio) gemacht werden, weil das, worüber ein Satz (propositio) gebildet werde, notwendig unter der Erkenntnis befaßt sein müsse (apprehensum sub intellectu); daraus wird es deutlich, daß alles Wahre in gewissem Sinne ein Seiendes sein muß“.
Es ist also hier ein zweifacher Seinsbegriff unterschieden. Das Seiende wird einmal — entgegen dem bisher festgehaltenen Gebrauch — als das genommen, was Gegenstand der Erkenntnis ist. Das kann aber auch das Nichtseiende (in dem bisherigen Sinn des Seienden) sein und das Wahre als solches, d. h. in dem, was es vom Seienden (im bisherigen Sinne) unterscheidet. Das Seiende im bisherigen Sinne ist das, was einen eigenen Seinsbestand oder ein eigenes Wesen (essentia) hat; das hat aber weder das Nichtseiende noch das Wahre. Das Nichtseiende ist ja das, was keinen Seinsbestand hat, und das Wahre hat zwar einen Seinsbestand, aber nicht als Wahres, sondern als Seiendes. Zum Seienden in diesem Sinne gehört das Erkanntwerdenkönnen, aber es ist ihm sekundär. Für das Seiende im anderen Sinn fallen Sein und Erkanntwerdenkönnen zusammen. Wie die Erkenntnis des Nichtseienden zu verstehen ist, davon ist noch an späterer Stelle die Rede 8.
Kostenlos · für iPhone und iPad · öffnet den App Store
Lesezeit ca. 5 Min.
Es scheint, dass die Heiligen im Himmel nicht für uns beten.
Lesezeit ca. 5 Min.
Warum die Fürbitte für eine verdammte Seele vor Gott niemals verloren geht, obwohl der Zustand der Verdammnis ewig und unwiderruflich ist.
Lesezeit ca. 5 Min.
Wenn als Grundsatz hingestellt wird, ohne die Taufe gebühre niemandem das Heil, ganz besonders wegen des Ausspruches des Herrn: „Wenn jemand nicht aus dem Wasser wiedergeboren sein wird, so hat er das Leben nicht“ [^1] — dann erheben sich die zweifelsüchtigen, oder richtiger die verwegenen…
Lesezeit ca. 18 Min.
Skrupel rauben den Frieden der Seele. Die Lehre der Heiligen ist klar: Wer einem gelehrten, frommen Beichtvater gehorcht, geht den sichersten Weg. Warum Skrupulanten ihre Angst verachten sollen – und der Herr den Gehorsamen nie verlässt.
Lesezeit ca. 6 Min.
Wer bittet, der empfängt; wer also nicht bittet, sagt die heilige Theresia, der erhält nichts. Und vor ihr sprach der heilige Jakobus: Iʜʀ ʜᴀʙᴛ ɴɪᴄʜᴛꜱ, ᴡᴇɪʟ ɪʜʀ ᴜᴍ ɴɪᴄʜᴛꜱ ʙɪᴛᴛᴇᴛ. (Jak 4,2)
Lesezeit ca. 15 Min.
„Ich fühle mich völlig von Gott verlassen“ ein Bischof im Gespräch mit einer Büßerin über geistliche Dürre, Skrupel und die Frage: Sucht man Gottes Willen oder nur den süßen Trost? Eine zeitlose Lektion über Demut und Vertrauen.