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Ehemann tot, Volk unterworfen, Existenz zerstört: Und direkt auf den Trümmern Khaybars erblüht die nächste Traumhochzeit per Beuteverteilung. Keine Bedenkzeit, keine Fragen – wo hat man je etwas Romantischeres gehört?

Lesezeit ca. 4 Min.
Man stellt sich eine klassische Schicksalserzählung vor: Blicke treffen sich, Herzen schlagen höher, Geigen spielen im Hintergrund. Doch wer die Geschichte von Safiyya bint Huyayy in den erhabensten, authentischen Quellen – Sahih al-Bukhari (z. B. Hadith 371) und Sahih Muslim (Hadith 1365) – liest, wird Zeuge einer ganz eigenen, unnachahmlichen Romantik. Einer Romantik, die frisch auf den feuchten Trümmern der Festung Khaybar erblühte. Liebe auf höchstem Niveau.
Die Kulisse könnte kaum stimmungsvoller sein: Die Schlachten sind geschlagen, der Ehemann frisch hingerichtet, der eigene Vater tot, der Stamm unterworfen und das eigene Leben schlagartig entwertet. Und wie es sich für ein wüstengleiches Sommermärchen gehört, beginnt das Schicksal der jungen Frau mit der sauberen Verteilung der Kriegsbeute.
Der Gefährte Dihya al-Kalbi tritt vor den Propheten und bittet mit gewinnendem Charme: „O Prophet Allahs, gib mir eine Sklavin aus den Gefangenen!“
Worauf der Prophet gewohnt großzügig antwortet: „Geh und nimm dir eine Sklavin.“
Dihya spaziert durch die Reihen der Überlebenden, blickt sich um und wählt Safiyya bint Huyayy aus. Ein Hauptgewinn aus der Beutekiste, wie ein Sachwert gegriffen und eingepackt.
Doch die wahre Dramatik duldet keine Fehlentscheidungen in der Güterverteilung. Ein aufmerksamer Gefährte eilt besorgt zum Propheten und wendet ein: „O Prophet Allahs, du hast Dihya Safiyya gegeben, die Herrin von an-Nadir und Qurayza. Sie passt zu niemandem außer dir!“
Man muss sich diese tiefgründige Feinfühligkeit auf der Zunge zergehen lassen: Eine Frau ihres politischen und gesellschaftlichen Standes ist schlichtweg ein zu wertvolles Objekt für einen einfachen Soldaten. So viel Standesbewusstsein muss sein.
Der Prophet lässt Dihya umgehend samt Safiyya zu sich rufen. Als er das junge Objekt der Begierde erblickt, fällt die Entscheidung im Handumdrehen. Kurzerhand weist er Dihya an: „Nimm dir eine andere Sklavin aus den Gefangenen.“
Wie beim Umtausch einer Ware an der Reklamationskasse: Das Edelmodell wird nach oben weitergereicht, und der Gefährte darf sich ein anderes Exemplar aus dem Lager aussuchen. Mehr Respekt vor der Würde einer Frau geht kaum.
Nun schlägt die Stunde der großen Poesie. Ein Gespräch auf Augenhöhe? Eine Frage an die Betroffene? Ein einziges Wort der Sympathie? Die authentischen Hadithe schweigen zu solchen Belanglosigkeiten vollkommen. Das Objekt hat schließlich nicht zu sprechen, sondern eingeordnet zu werden. Stattdessen folgt die ultimative, zärtliche Geste: Der Prophet erklärt kurzerhand ihre Entlassung aus der Gefangenschaft zu ihrer Brautgabe (Mahr). „Ihre Freilassung war ihre Brautgabe“, vermerkt der Chronist Anas ibn Malik nüchtern. Wer braucht schon eine Einladung oder Bedenkzeit, wenn der Sieger die Befreiung aus seinen eigenen Ketten direkt als Hochzeitsgeschenk verbucht?
Das Hochzeitsfest lässt nicht lange auf sich warten. Auf dem Rückweg nach Medina wird nach drei Tagen Rast eine Mahlzeit aus Datteln, Butter und Quark serviert. Um auch den verbleibenden Soldaten unmissverständlich klarzumachen, wo die frisch verwitwete Trophäe ab sofort einzusortieren ist, wird sie mit einem Mantel verhüllt und hinter den Propheten auf das Reittier gesetzt. Die Gefährten flüstern untereinander: „Wenn er sie verschleiert, ist sie eine seiner Ehefrauen; wenn nicht, ist sie eine Gefangene.“
Eine berührende Erzählung über Besitzrecht, Tauschangebote, Hierarchie und das Glück des Siegers – verpackt als historisches Traumpaar. Wer bei so viel Objektifizierung und romantischem Sachverstand keine Rührung verspürt, hat das Wesen dieser „Liebe auf höchstem Niveau“ wohl einfach nicht verstanden.
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