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(1) Die Frage, um was wir beten sollen und um was nicht, wird bei den einzelnen Bitten des »Vaterunser« genau beantwortet. Hier mag die allgemeine Mahnung an die Gläubigen genügen, nur um sittlich Gutes und Erlaubtes zu bitten, denn sonst würden sie die abweisende Antwort erhalten: »Ihr wisset nicht, um was ihr bittet« (Mt. 20, 22).
Was man erlaubterweise wünschen darf, um das darf man auch bitten. Das beweist die inhaltsschwere Verheißung des Herrn: »Was ihr immer wünschet, darum möget ihr bitten, und es wird euch zuteil werden« (Joh. 15, 7).
Damit verspricht er uns, das alles zu gewähren.
(2) Als Regel für unsere Wünsche muß dies gelten: Zuallererst muß sich unser innigstes Verlangen auf Gott, unser höchstes Gut, richten. Sodann sollen wir das wünschen, was uns am meisten mit Gott verbindet; hingegen alles aus unserem Wünschen und Begehren entfernen, was uns von ihm trennen oder diese Trennung herbeiführen könnte.
Hieraus läßt sich schließen, wie wir mit Rückbeziehung auf dieses höchste und vollkommenste Gut alle übrigen sogenannten Güter wünschen und von Gott unserem Vater erbitten sollen. (3) Die körperlichen und äußeren Güter, wie Gesundheit, Stärke, Schönheit, Reichtum, Ehre, Ruhm - kurz: die Bequemlichkeiten des Lebens - geben nämlich oft Anlaß zur Sünde und können daher nicht ohne weiteres heilsam und Gottgefällig erbeten werden, sondern nur mit der Einschränkung, insofern sie uns notwendig sind. So bleibt die rechte Rückbeziehung auf Gott hin gewahrt. Wir dürfen also wie Jakob bitten: »Wenn mir der Herr Brot zu essen gibt und Kleider zum Anziehen,... so soll der Herr mein Gott sein« (Gen.28, 20 f.). Und wie Salomon: »Gib mir nur, was ich brauche zu meinem Unterhalt« (Spr. 30, 8). (4) Wenn uns aber Gottes Güte mit allem zum Leben Nötigen versorgt, müssen wir der Mahnung des Apostels eingedenk sein: »Die, welche kaufen, sollen sein, als besäßen sie nichts; und die, welche die Güter dieser Welt benützen, als hätten sie nichts davon; vergeht doch die Gestalt dieser Welt« (1 Kor. 7, 30 f.). Und des Psalm-wortes: »Wenn Reichtum zuströmt, so hängt das Herz nicht daran« (Ps. 61, 11). Wir sind ja nach der Lehre unseres Glaubens nur Nutznießer dieser Güter, und zwar so, daß wir auch anderen davon mitteilen müssen. Und wir dürfen nie vergessen, daß uns Gesundheit und Überfluß an äußeren Gütern nur verliehen sind, um Gott leichter dienen und dem Nächsten besser damit helfen zu können. (5) Auch um die das Leben verschönernden Güter des Geistes, wie Kunst und Wis-senschaft, dürfen wir bitten, jedoch nur unter der Bedingung, daß sie zur Ehre Gottes und zu unserem Heile gereichen.
Ohne weitere Einschränkung und unbedingt dürfen wir, wie gesagt, nur die Ehre Gottes und alles, was uns Gott, dem höchsten Gut, näher bringen kann, wünschen, suchen und erbitten, wie Glauben, Gottesfurcht und Liebe.
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Arten und Stufen des Gebetes
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Der Reformator in seinem eigenen Licht betrachtet — aus seinen eigenen Schriften, Briefen und Tischreden