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Einwand 1: Es scheint, dass es nicht angemessen war, dass Johannes taufte. Denn jeder sakramentale Ritus gehört zu einem Gesetz. Johannes aber führte kein neues Gesetz ein. Also war es nicht angemessen, dass er den neuen Ritus der Taufe einführte.
Einwand 2: Ferner wurde Johannes „von Gott gesandt ... zum Zeugnis“ (Joh 1,6.7) als Prophet; gemäß Lk 1,76: „Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen.“ Aber die Propheten, die vor Christus lebten, führten keinen neuen Ritus ein, sondern überredeten die Menschen, die Riten des Gesetzes zu befolgen, wie es in Malachias 3,22 (Vulg. 4,4) klar heißt: „Gedenkt des Gesetzes meines Knechtes Mose.“ Also hätte auch Johannes keinen neuen Ritus der Taufe einführen sollen.
Einwand 3: Ferner, wenn von etwas zu viel vorhanden ist, soll nichts hinzugefügt werden. Die Juden aber beobachteten ein Übermaß an Waschungen; denn es steht geschrieben (Mk 7,3.4), dass „die Pharisäer und alle Juden nicht essen, ohne sich oft die Hände zu waschen ... und wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, wenn sie sich nicht gewaschen haben; und viele andere Dinge gibt es, die ihnen zur Beobachtung überliefert sind, Waschungen von Bechern und Krügen und ehernen Gefäßen und Betten.“ Also war es unangemessen, dass Johannes taufte.
Dagegen spricht die Autorität der Schrift (Mt 3,5.6), die nach der Feststellung der Heiligkeit des Johannes hinzufügt, dass viele zu ihm hinausgingen „und im Jordan getauft wurden“.
Ich antworte darauf, dass es für Johannes angemessen war zu taufen, und zwar aus vier Gründen: Erstens war es notwendig, dass Christus von Johannes getauft wurde, damit er die Taufe heilige; wie Augustinus bemerkt (Super Joan., Tract. xiii).
Zweitens, damit Christus offenbar werde. Daher sagt Johannes selbst (Joh 1,31): „Damit er“, d.h. Christus, „in Israel offenbar werde, darum bin ich gekommen und taufe mit Wasser.“ Denn er verkündete Christus den Scharen, die sich um ihn versammelten; was so viel leichter geschah, als wenn er jedem Einzelnen nachgegangen wäre, wie Chrysostomus bemerkt (Hom. x in Matth.).
Drittens, damit er durch seine Taufe die Menschen an die Taufe Christi gewöhne; weshalb Gregor in einer Homilie (Hom. vii in Evang.) sagt, dass Johannes deshalb taufte, „damit er, in Übereinstimmung mit seinem Amt als Vorläufer, so wie er dem Herrn in der Geburt vorausgegangen war, ihm auch durch das Taufen vorausgehe, der da taufen würde.“
Viertens, damit er durch das Überreden der Menschen zur Buße diese darauf vorbereite, die Taufe Christi würdig zu empfangen. Weshalb Beda sagt, dass „die Taufe des Johannes vor der Taufe Christi so nützlich war, wie die Unterweisung im Glauben den Katechumenen nützt, die noch nicht getauft sind. Denn so wie er Buße predigte und die Taufe Christi vorhersagte und die Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit zog, die der Welt erschienen ist, so tadeln die Diener der Kirche, nachdem sie die Menschen unterwiesen haben, sie wegen ihrer Sünden und versprechen ihnen schließlich Vergebung in der Taufe Christi.“
Vom Autor festgelegte Folgetexte in Lesereihenfolge — zum Weiterlesen und zur inhaltlichen Einordnung.
Zu Einwand 1: Die Taufe des Johannes war kein Sakrament im eigentlichen Sinne [per se], sondern eine Art Sakramentale, vorbereitend auf die Taufe Christi. Folglich gehörte sie in gewisser Weise zum Gesetz Christi, aber nicht zum Gesetz des Mose.
Zu Einwand 2: Johannes war nicht nur ein Prophet, sondern „mehr als ein Prophet“, wie in Mt 11,9 gesagt wird: denn er war das Ende des Gesetzes und der Anfang des Evangeliums. Deshalb lag es in seinem Aufgabenbereich, die Menschen sowohl durch Wort als auch durch Tat eher zum Gesetz Christi als zur Befolgung des Alten Gesetzes zu führen.
Zu Einwand 3: Jene Waschungen der Pharisäer waren nichtig, da sie lediglich auf fleischliche Reinheit hingeordnet waren. Die Taufe des Johannes aber war auf geistige Reinheit hingeordnet, da sie die Menschen dazu führte, Buße zu tun, wie oben gesagt wurde.
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