Zuvörderst bezeugen nun die Begräbnisse des hl. Petrus und des hl. Paulus, dass der hl. Petrus nicht bloß einmal nach Rom gekommen sei, sondern auch in Rom, zugleich mit Paulus, für die Ehre Christi das Leben gelassen habe. Denn wer hat die Körper des Petrus und Paulus nach Rom gebracht, wenn sie zu Rom nicht gestorben sind? Woher und wann und unter welcher Zeugenschaft brachte man sie dahin? Antwortet man allenfalls, die Leiber der Apostel seien nicht in Rom, so frage ich: wo sind sie dann? Wenigstens geht keine Sage, dass sie anderswo seien. Und es ist nicht wahrscheinlich, dass man die Leiber der höchsten Apostel vernachlässigt, da wir die Leiber so vieler anderer Heiligen mit der größten Sorgfalt aufbewahrt sehen.
Diesen Beweis schlug Eusebius so hoch an, dass er es für überflüssig hielt, nach anderen zu forschen. Er sagt nämlich (Hist. ib. 2. cap. 25.): „Nero, der sich als einen offenen Feind der Gottheit und Religion gezeigt, forderte nun zuerst den Tod der Apostel selbst, welche die Führer und Zeichenträger im Volke Gottes waren. Er verurteilte den Paulus in Rom selbst zum Tod durchs Schwert, den Petrus aber zum Kreuz. Ich halte es für überflüssig noch nach einem Zeugnis hierfür zu suchen, da dies Ereignis durch bis auf den heutigen Tag erhaltene Insignien und durch ihre überaus glänzenden Grabmäler bezeugt wird.“
Sodann wird eben diese Sache auch durch die übereinstimmende Meinung des ganzen Erdkreises bezeugt, die sich vorzugsweise aus den Wallfahrten zu den Schwellen der Apostel entnehmen lässt. Nicolaus I. schreibt nämlich in seinem Briefe an Michael, so viele tausend Menschen strömten von der ganzen Welt aus Frömmigkeit täglich zu den Gräbern der Apostel, dass die Stadt Rom allein hinlänglich zeige, wie die Kirche Christi eine katholische oder allgemeine sei, weil immer viele aus allen Gattungen von Menschen bei den Gräbern des Petrus und Paulus erblickt würden.
Doch die Gegner leugnen nicht einmal, dass bis zur Zeit des Johann Wyclif, d. h. beinahe bis zum Jahre 1400, alle Christen überzeugt gewesen, der hl. Petrus sei in Rom gewesen und gestorben. Es ist aber auf keine Weise glaublich, dass es so lange Zeit keinen Menschen gegeben, der jenen Irrtum, wenn es ein Irrtum wäre, entdeckt hätte, besonders, da dasjenige, was die ganze Welt so lange glaubte, nicht ein Ereignis ist, welches sich in einem Winkel und einem Augenblicke und ohne Zeugen zugetragen haben kann, so dass die Möglichkeit vorhanden wäre, dasselbe leicht zu erdichten und schwer zu widerlegen. Wir sagen nämlich, der hl. Petrus habe in der Stadt Rom viele Jahre den Pontifikat geführt, sei endlich, nachdem er den Magier Simon öffentlich besiegt, auf Befehl des mächtigsten und durch den Ruf der Grausamkeit bekanntesten Kaisers ans Kreuz geschlagen worden und habe mit zur Erde gekehrtem Haupte sein Leben geendet. Wie ist es glaublich, dass diese nach unserer Angabe so berühmte Sache falsch wäre und dass 1400 Jahre niemand sie widerlegt hätte?
Zuletzt wird eben diese Sache durch die Zeugnisse der alten griechischen und lateinischen Väter bekräftigt. Ignatius, der zur Zeit der Apostel lebte, bittet in dem Schreiben an die Römer, von dem der hl. Hieronymus (Lib. de viris illust. Ignat.) einen großen Teil anführt, die Römer, sie sollten sein Leiden nicht verhindern und sagt hierbei: „Nicht wie Petrus und Paulus gebiete ich euch“, etc. Mit diesen Worten scheint er auf das Leiden Petri und Pauli, welches kurz vorher sich in Rom zugetragen, anzuspielen. Die römischen Christen hatten nämlich getrachtet, den Leidenstod jener zu verhindern. Denn durch ihre Tränen zwangen sie den Petrus, aus der Stadt zu entweichen, als Nero ihn hinrichten lassen wollte. Ignatius sagt also: obgleich ich euch nicht vorschreiben kann, wie Petrus und Paulus, so bitte ich euch doch, mich nicht zu hindern, wie ihr jene zu hindern getrachtet.
Dionysius von Corinth, welcher hundert Jahre nach dem Hingange der Apostel in Rom blühte, wie Eusebius (Lib. 2. hist. cap. 25.) berichtet, sagt unter anderem: „Beide lehrten in dieser Stadt zugleich und sind auch auf gleiche Weise zu einer und derselben Zeit mit dem Märtyrertode gekrönt worden.“ Cajus, welcher ungefähr 50 Jahre nach Dionysius lebte, sagt gleichfalls bei Eusebius (Ibidem): „Ich habe Siegeszeichen der Apostel, welche ich weisen werde. Denn schreitet man auf der Königsstraße, welche zum Vatikan führt, oder auf der ostiensischen Straße fort, so wird man sie finden“, etc.
Egesippus, der auch den Zeiten der Apostel nahe steht, erzählt (Lib. 3. de excidio Hierosolymae cap. 2.) die ganze Geschichte weitläufig und fügt zu dem, was die Früheren gesagt, noch die Bemerkung, Petrus sei mit abwärts gekehrtem Haupte gekreuzigt worden, wie der Apostel es verlangt hätte. Eusebius (Chronic. an. 71. a Christo nato) sagt: „Nero verfolgte noch zu allen seinen Schandtaten hin zuerst die Christen. In dieser Verfolgung starben Petrus und Paulus aufs Rühmlichste.“
Theodoretus (Epist. ad Leonem Papam) sagt von Rom: „Es hat die Grabmale von Petrus und Paulus, den gemeinsamen Vätern und Lehrern der Wahrheit. Diese Denkmale dienen zur Verklärung der Seelen der Gläubigen.“ Origenes (Lib. 3. in Genesin) sagt nach einer Nachricht bei Eusebius (Lib. 3. hist. cap. 2.): „Petrus weilte bis an sein Lebensende in der Stadt Rom und wurde daselbst gekreuzigt mit zur Erde gekehrtem Haupte. Diese umgekehrte Lage hatte er sich erbeten, damit er nicht wie der Herr gekreuzigt schiene.“ Athanasius (Apologia pro fuga sua) sagte: „Als Petrus und Paulus gehört hatten, sie müssten zu Rom den Märtyrertod erleiden, so gaben sie die Reise nicht auf, sondern gingen mit Freuden ab.“
Chrysostomus (Homil. 32. in epist. ad Romanos) sagt: „So erglänzt der Himmel nicht, wenn die Sonne ihre Strahlen aussendet, wie die Stadt Rom in alle Welt durch jene Leuchten. Von hier soll Paulus, von hier Petrus der Erde entrissen werden. Betrachtet mit Schauder, welches Schauspiel Rom sehen wird, den Paulus wie er plötzlich sich wieder aus jener Hülle mit Petrus erhebt und empor zum Herrn kommt.“
Aus den Lateinern sagt Tertullianus (De praescript.): „Bist du in der Nähe von Italien, so hast du Rom, welches auch für uns Quelle der Autorität ist, die selige Kirche, für welche die Apostel mit ihrem Blute die ganze Lehre ausgegossen, wo Petrus dieselbe Marter wie der Herr duldet, wo Paulus dieselbe Krone der Vollendung erhält wie Johannes.“ Lactantius (Lib. 4. divinarum instit. cap. 21.) sagt: „Christus stieg herab und offenbarte seinen Schülern alles Künftige, was Petrus und Paulus zu Rom verkündigten [...] Als Nero dieselben getötet hatte, tilgte Vespasianus den Namen und das Volk der Juden aus und vollbrachte das, was jene vorausgesagt hatten.“
Ambrosius (Orat. contra Auxentium lib. 5. epist.) sagt: „Bei Nacht begann Petrus die Stadt zu verlassen. Da sah er Christum unter dem Tore entgegenkommen und in die Stadt hereintreten. Herr, sprach Petrus, wohin gehst du? Christus antwortete: Ich komme nach Rom, um wiederum gekreuzigt zu werden. Petrus erkannte, dass die göttliche Antwort seinen Kreuzestod beträfe [...] Alsogleich ward er auch ergriffen und verherrlichte durch seinen Kreuzestod den Herrn Jesus.“
Hieronymus (De viris illust. Petrus) sagt: „Simon Petrus reiste, um den Magier Simon zu besiegen, nach Rom und saß daselbst 25 Jahre lang auf dem priesterlichen Stuhle, bis zum letzten Lebensjahre, d. i., bis zum 14. Jahre des Nero, von dem er auch ans Kreuz geschlagen worden und so mit dem Märtyrertode, den er mit zur Erde gekehrtem Haupte litt, gekrönt wurde.“ Augustinus (Lib. 1. cap. de consensu Evang.): „Die Verdienste Petri und Pauli feiert Rom wegen des einen Tages, an dem sie gelitten, festlicher und höher.“ Maximus (Serm. 5. de natali Apostolorum) sagt: „Petrus und Paulus erlitten den Märtyrertod in der Stadt Rom, welche den Prinzipat und die Herrschaft über die Völker hat, auf dass nämlich da der Hauptplatz der Heiligkeit wäre, wo der Hauptplatz des Aberglaubens gewesen.“
Sulpitius (Lib. 2. sacr. histor.): „Die göttliche Religion war erstarkt, als Petrus daselbst das Episkopat übte und Paulus später nach Rom gezogen wurde [...] Paulus und Petrus wurden zum Tode verurteilt. Der eine von ihnen wurde enthauptet, Petrus aber ans Kreuz geschlagen.“ Paulus Orosius (Lib. 7. hist.) sagt: „Denn zuerst hat Nero in Rom die Christen gemartert und getötet. Er trachtete, ihren Namen zu vertilgen und ließ die hl. Apostel Christi Petrus und Paulus töten, den Ersten am Kreuz, den Letzteren durchs Schwert.“ Eutropius (Lib. 7. vit. Neronis) sagt: „Endlich fügte er zu seinen Schandtaten noch die, dass er die hl. Apostel Gottes Petrus und Paulus töten ließ.“ Paulinus (Natali 3.): „Und Rom selbst durch die heiligen Male der himmlischen Fürsten, durch Petrus und Paulus angesehen.“ Isidorus (Vita Petri) sagt: „Im 37. Jahre nach dem Leiden des Herrn ließ ihn der Kaiser Nero in der Stadt Rom ans Kreuz schlagen, und zwar nach dem Wunsche des Petrus mit zur Erde gekehrtem Haupte.“
Leo (Serm. 1. de natali Apostolorum) sagt: „Die heutige Festlichkeit fordert, außer jener Ehrerbietung, womit sie der ganze Erdkreis begehrt, noch besonders Frohlocken und Verehrung von Seite unserer Stadt, damit dort, wo der Tod der Hauptapostel verherrlicht worden, auch die Freude am Tage ihres Märyrertodes am größten sei.“ Gregorius von Tours (Lib. 1. cap. 25.) sagt: „Nero ließ den Petrus am Kreuz, den Paulus durchs Schwert töten.“ Der Papst Gregorius (Lib. epist. 37.) sagt von der römischen Kirche: „Petrus erhob den Stuhl, auf welchem er auch zu sitzen und das irdische Leben zu beschließen geruhte.“
Prudentius (Hymn. de S. Laurentio) sagt: „Weiche von hier Jupiter, verlasse das freie Rom und fliehe nun vor dem Volke Christi. Dich verbannt von hier Paulus, dich treibt das Blut Petri hinaus: dir schadet selbst die Tat Neros, welche du angestiftet.“
Arator (In fine Actorum Apostolorum) spricht also: „Und es war eine der Krone würdige Sache für Petrus und für Paulus, die Drohungen des Kaisers zu überwinden und in der Burg des Tyrannen die Rechte des Himmels zu zeigen und das höchste Tribunal im Kampfe zu besiegen, damit nicht der kleine Feind etwas gewänne, worauf er sich stützen könnte.“
Elpis, die Gemahlin des Boetius (Hymn. de Apostolis): „O seliges Rom, welches mit dem Purpur des kostbaren Blutes so großer Fürsten bekleidet worden, du übertriffst alle Schönheit der Welt, nicht durch deine Vorzüge, sondern durch ihre Verdienste.“
Ich übergehe unzählige andere, z. B. den Beda, Ado, Freculphus, Bernhard und die Übrigen. Denn diese können hinreichen, da sie alle in den ersten fünf Jahrhunderten blühten und da die Gegner bisher nicht einen Einzigen haben aufweisen können, welcher entgegengesetzter Ansicht gewesen wäre. Dazu kommt schließlich, dass die heidnischen Schriftsteller, obgleich sie des Petrus und Paulus nicht namentlich erwähnen, da diese ihnen verachtungswert schienen, doch mit den angeführten Vätern darin übereinkommen, dass Nero zuerst in Rom die Christen zu töten befohlen habe, wie aus Cornelius Tacitus (Lib. 15. annal.) und aus Suetonius (Nero) erhellt.
Gegen diese Zeugnisse bringt Velenus keine Einwendung als die Bemerkung, die Angabe einiger Väter, Christus sei dem Petrus vor dem Tore Roms erschienen und habe gesagt „Ich komme nach Rom, um wiederum gekreuzigt zu werden“ sei eine erschreckliche Lüge und Lästerung gegen Petrus selbst und den Heiligen Geist. Denn Christus werde niemals vom Himmel niedersteigen außer am Gerichtstage. Dies bezeuge der Heilige Geist durch den Mund des Petrus in den Worten (Apg 3, 21): „Den der Himmel aufnehmen muss bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge.“
Aber in der Tat macht sich vielmehr Velenus der Lüge und Lästerung schuldig, da er Christum fesseln will, dass sich der Herr nicht bewegen könnte bis zum Gerichtstage. Ich will die anderen Erscheinungen Christi, welche man in bewährten Schriftstellern liest, übergehen. In der Apg 9, 3 erschien Christus jedoch ohne Zweifel dem Paulus in dem der Erde am nächsten liegenden Luftkreise. Denn dass Paulus damals wirklich mit dem körperlichen Auge Christum gegenwärtig und nahe gesehen, erhellt teils aus dem Lichte, welches jenen umfloss, und aus der Blindheit, welche nach dem Anblick des verherrlichten Christus über Paulus kam, wie es daselbst heißt, teils vorzugsweise aus den Worten der Schrift. Denn in der Apg 9, 17 sagt Ananias zu Paulus: „Der Herr Jesus, der dir auf dem Wege, worauf du kamest, erschienen ist, hat mich zu dir gesandt.“ Und ebendaselbst 27: „Barnabas aber nahm ihn, führte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie er auf dem Wege den Herrn gesehen.“ Und Paulus selbst (1 Kor 9, 1) sagt: „Bin ich nicht Apostel? Hab ich nicht Jesum Christum, unseren Herrn, gesehen?“ Und im 1 Kor 15, 8: „Zuletzt aber, nach allen, ist er auch mir als einer unzeitigen Geburt erschienen.“ Hier zählt er die Zeugen der Auferstehung auf, welche den Herrn mit dem körperlichen Auge gesehen hatten, und sich selbst darunter.
Auf jene Stelle aus der Apg 3, 21 bemerke ich also, Petrus habe andeuten wollen, Christus werde nicht öffentlich und im Angesichte aller kommen als am Gerichtstage. Aber daraus folgt nicht, dass Christus auch nicht einzelnen Menschen und wem er wolle erscheinen könne. Man könnte auch sagen, und vielleicht nach einem besseren Ausdrucke, Christus habe, ohne vom Himmel herabzusteigen, dem hl. Petrus erscheinen können. Denn für Gott ist es nicht schwer, einen Körper an mehrere Orte zu setzen.
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