III, q. 25 a. 1
Ob die Menschheit Christi und seine Gottheit mit derselben Anbetung anzubeten sind?
Quaestio 25 · Von der Anbetung Christi
Einwand 1: Es scheint, dass die Menschheit Christi und seine Gottheit nicht mit derselben Anbetung anzubeten sind. Denn die Gottheit Christi ist anzubeten, da sie dem Vater und dem Sohn gemeinsam ist; weshalb geschrieben steht (Joh 5,23): „Damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren.“ Die Menschheit Christi aber ist Ihm und dem Vater nicht gemeinsam. Deshalb sind die Menschheit Christi und seine Gottheit nicht mit derselben Anbetung anzubeten.
Einwand 2: Ferner ist die Ehre eigentlich „der Lohn der Tugend“, wie der Philosoph sagt (Ethic. iv, 3). Die Tugend aber verdient ihren Lohn durch Handeln. Da nun in Christus das Handeln der göttlichen Natur von dem der menschlichen Natur verschieden ist, wie oben dargelegt wurde (Quaestio [19], Artikel [1]), scheint es, dass die Menschheit Christi mit einer anderen Anbetung anzubeten ist als jener, die seiner Gottheit erwiesen wird.
Einwand 3: Ferner, wenn die Seele Christi nicht mit dem Wort vereint wäre, wäre sie aufgrund der Vorzüglichkeit ihrer Weisheit und Gnade der Verehrung würdig gewesen. Aber durch die Vereinigung mit dem Wort hat sie nichts von ihrer Würdigkeit verloren. Deshalb sollte seine menschliche Natur eine gewisse ihr eigene Verehrung empfangen, neben der Verehrung, die seiner Gottheit erwiesen wird.
Dagegen spricht, was in den Kapiteln des fünften Konzils gelesen wird [*Zweites Konzil von Konstantinopel, coll. viii, can. 9]: „Wenn jemand sagt, dass Christus in zwei Naturen angebetet wird, so dass er zwei verschiedene Anbetungen einführt, und nicht Gott das Wort, das Fleisch geworden ist, mit ein und derselben Anbetung anbetet zusammen mit seinem Fleisch, wie es die Kirche von Anfang an überliefert hat: der sei im Bann.“
Ich antworte darauf, dass wir bei einer Person, der Ehre erwiesen wird, zweierlei betrachten können: die Person selbst und den Grund ihrer Ehrung. Nun wird Ehre eigentlich einem subsistierenden Ding in seiner Gesamtheit erwiesen: denn wir sprechen nicht davon, die Hand eines Menschen zu ehren, sondern den Menschen selbst. Und wenn es jemals geschieht, dass wir davon sprechen, die Hand oder den Fuß eines Menschen zu ehren, so geschieht dies nicht deshalb, weil diese Glieder um ihrer selbst willen geehrt würden, sondern weil das Ganze in ihnen geehrt wird. Auf diese Weise kann ein Mensch auch in etwas Äußerem geehrt werden, zum Beispiel in seinem Gewand, seinem Bildnis oder seinem Boten.
Der Grund der Ehre ist dasjenige, aufgrund dessen die geehrte Person eine gewisse Vorzüglichkeit besitzt; denn Ehre ist die Ehrfurcht, die jemandem aufgrund seiner Vorzüglichkeit erwiesen wird, wie in der SS, Quaestio [103], Artikel [1] dargelegt wurde. Wenn also in einem Menschen mehrere Gründe für Ehre vorhanden sind, zum Beispiel Rang, Wissen und Tugend, so wird die ihm erwiesene Ehre in Bezug auf die geehrte Person eine einzige sein, aber mehrfach in Bezug auf die Gründe der Ehre: denn es ist der Mensch, der geehrt wird, sowohl aufgrund seines Wissens als auch aufgrund seiner Tugend.
Da nun in Christus nur eine Person der göttlichen und menschlichen Natur und eine Hypostase und ein Suppositum ist, wird Ihm eine einzige Anbetung und eine einzige Ehre von Seiten der angebeteten Person erwiesen; aber von Seiten des Grundes, weswegen Er geehrt wird, können wir sagen, dass es mehrere Anbetungen gibt, zum Beispiel, dass Er eine Ehre aufgrund seines unerschaffenen Wissens empfängt und eine andere aufgrund seines erschaffenen Wissens.
Wenn aber gesagt würde, dass es mehrere Personen oder Hypostasen in Christus gäbe, so würde daraus folgen, dass es, absolut gesprochen, mehrere Anbetungen gäbe. Und dies ist es, was in den Konzilien verurteilt wird. Denn es steht in den Kapiteln des Cyrill geschrieben [*Konzil von Ephesus, Teil I, Kap. 26]: „Wenn jemand zu sagen wagt, dass der angenommene Mensch neben dem göttlichen Wort angebetet werden soll, als ob diese verschiedene Personen wären, und nicht vielmehr den Emmanuel mit einer einzigen Anbetung ehrt, insofern das Wort Fleisch geworden ist: der sei im Bann.“
Antwort auf Einwand 1: In der Dreifaltigkeit gibt es drei, die geehrt werden, aber nur einen Grund der Ehre. Im Geheimnis der Menschwerdung ist es umgekehrt: und deshalb wird der Dreifaltigkeit nur eine Ehre erwiesen und Christus nur eine, aber auf unterschiedliche Weise.
Antwort auf Einwand 2: Das Handeln ist nicht das Objekt, sondern der Beweggrund der Ehre. Und deshalb beweist das Vorhandensein zweier Handlungsweisen in Christus nicht zwei Anbetungen, sondern zwei Gründe der Anbetung.
Antwort auf Einwand 3: Wenn die Seele Christi nicht mit dem Wort Gottes vereint wäre, wäre sie das Vornehmste in jenem Menschen. Deshalb gebührte ihr die Ehre prinzipiell, da der Mensch das ist, was in ihm das Vornehmste ist [*Vgl. Ethic. ix, 8]. Da aber die Seele Christi mit einer Person von größerer Würde vereint ist, gebührt die Ehre prinzipiell jener Person, mit der die Seele Christi vereint ist. Auch wird die Würde der Seele Christi hierdurch nicht vermindert, sondern vielmehr gesteigert, wie oben dargelegt wurde (Quaestio [2], Artikel [2], ad 2).