Suppl., q. 81 a. 1
Ob alle im gleichen Alter auferstehen werden?
Quaestio 81 · Von der Beschaffenheit der Auferstehenden
Einwand 1: Es scheint, dass nicht alle im gleichen, nämlich im jugendlichen Alter auferstehen werden. Denn Gott wird denen, die auferstehen, nichts nehmen, was zur Vollkommenheit des Menschen gehört, besonders nicht den Seligen. Nun gehört das Alter zur Vollkommenheit des Menschen, da das Greisenalter ein Alter ist, das Ehrfurcht verlangt. Deshalb werden die Greise nicht in jugendlichem Alter auferstehen.
Einwand 2: Ferner wird das Alter nach der Länge der vergangenen Zeit berechnet. Nun ist es unmöglich, dass vergangene Zeit nicht vergangen ist. Deshalb ist es unmöglich, dass jene, die ein höheres Alter hatten, in ein jugendliches Alter zurückversetzt werden.
Einwand 3: Ferner wird in jedem Einzelnen vor allem das auferstehen, was am meisten zur Wahrheit der menschlichen Natur gehörte. Nun scheint etwas umso mehr zur Wahrheit der menschlichen Natur gehört zu haben, je früher es im Menschen war; denn am Ende wird der menschliche Körper durch das Schwächerwerden der Kraft der Spezies gleichsam zu wässrigem Wein, wie der Philosoph sagt (De Gener. i). Wenn also alle im gleichen Alter auferstehen sollen, ist es angemessener, dass sie im kindlichen Alter auferstehen.
Dagegen spricht, dass geschrieben steht (Eph 4,13): „Bis wir alle gelangen ... zum vollkommenen Mann, zum Maß des Alters der Fülle Christi.“
Christus aber ist im jugendlichen Alter auferstanden, welches etwa um das dreißigste Lebensjahr beginnt, wie Augustinus sagt (De Civ. Dei xxii). Also werden auch die anderen im jugendlichen Alter auferstehen.
Ferner wird der Mensch im vollkommensten Zustand der Natur auferstehen. Die menschliche Natur aber befindet sich im jugendlichen Alter im vollkommensten Zustand. Also werden alle in diesem Alter auferstehen.
Ich antworte darauf, dass der Mensch ohne irgendeinen Mangel der menschlichen Natur auferstehen wird; denn wie Gott die menschliche Natur ohne Mangel begründet hat, so wird Er sie auch ohne Mangel wiederherstellen. Die menschliche Natur hat nun einen zweifachen Mangel. Erstens, weil sie ihre letzte Vollkommenheit noch nicht erreicht hat. Zweitens, weil sie von ihrer letzten Vollkommenheit bereits zurückgewichen ist. Der erste Mangel findet sich bei den Kindern, der zweite bei den Greisen: und folglich wird die menschliche Natur in jedem von diesen durch die Auferstehung in den Zustand ihrer letzten Vollkommenheit gebracht werden, welcher im jugendlichen Alter liegt, bei dem die Bewegung des Wachstums endet und von dem die Bewegung der Abnahme beginnt.
Antwort auf Einwand 1: Das Greisenalter verlangt Ehrfurcht nicht wegen des Zustands des Körpers, der mangelhaft ist, sondern wegen der Weisheit der Seele, die aufgrund der vorgerückten Jahre angenommen wird. Daher wird bei den Auserwählten die dem Greisenalter gebührende Ehrfurcht wegen der Fülle der göttlichen Weisheit, die in ihnen sein wird, bleiben, aber der Mangel des Greisenalters wird nicht in ihnen sein.
Antwort auf Einwand 2: Wir sprechen vom Alter nicht im Hinblick auf die Anzahl der Jahre, sondern im Hinblick auf den Zustand, den der menschliche Körper durch die Jahre erlangt. Daher sagt man von Adam, er sei im jugendlichen Alter geformt worden, wegen der besonderen Beschaffenheit des Körpers, die er am ersten Tag seiner Formung hatte. Somit trifft das Argument nicht den Punkt.
Antwort auf Einwand 3: Die Kraft der Spezies wird beim Kind als vollkommener bezeichnet als beim jungen Mann, was die Fähigkeit betrifft, Nahrung auf eine bestimmte Weise umzuwandeln, so wie sie auch im Samen vollkommener ist als im reifen Mann. In der Jugend jedoch ist sie vollkommener hinsichtlich des Ziels der Vollendung. Daher wird das, was prinzipiell zur Wahrheit der menschlichen Natur gehörte, zu jener Vollkommenheit gebracht werden, die es im jugendlichen Alter hat, und nicht zu jener Vollkommenheit, die es im kindlichen Alter hat, in welchem die Säfte noch nicht ihre letzte Disposition erreicht haben.