Suppl., q. 81 a. 3
Ob alle im männlichen Geschlecht auferstehen werden?
Quaestio 81 · Von der Beschaffenheit der Auferstehenden
Einwand 1: Es scheint, dass alle im männlichen Geschlecht auferstehen werden. Denn es steht geschrieben (Eph 4,13), dass wir alle gelangen werden „zum vollkommenen Mann“ usw. Deshalb wird es kein anderes als das männliche Geschlecht geben.
Einwand 2: Ferner wird in der kommenden Welt aller Vorrang aufhören, wie eine Glosse zu 1 Kor 15,24 bemerkt. Nun ist die Frau dem Mann in der natürlichen Ordnung untertan. Deshalb werden die Frauen nicht im weiblichen, sondern im männlichen Geschlecht auferstehen.
Einwand 3: Ferner wird das, was zufällig und gegen die Absicht der Natur hervorgebracht wird, nicht auferstehen, da jeder Fehler bei der Auferstehung beseitigt wird. Nun wird das weibliche Geschlecht gegen die Absicht der Natur hervorgebracht, durch einen Fehler in der bildenden Kraft des Samens, der unfähig ist, die Materie des Fötus zur männlichen Form zu bringen: weshalb der Philosoph sagt (De Anima xvi, d.h. De Generat. Animal. ii), dass „das Weibliche ein missratenes Männchen ist“. Deshalb wird das weibliche Geschlecht nicht auferstehen.
Dagegen spricht, was Augustinus sagt (De Civ. Dei xxii): „Jene sind scheinbar weiser, die nicht zweifeln, dass beide Geschlechter auferstehen werden.“
Ferner wird Gott bei der Auferstehung den Menschen so wiederherstellen, wie Er ihn bei der Schöpfung gemacht hat. Nun machte Er die Frau aus der Rippe des Mannes (Gen 2,22). Deshalb wird Er auch das weibliche Geschlecht bei der Auferstehung wiederherstellen.
Ich antworte darauf, dass, so wie unter Berücksichtigung der Natur des Individuums verschiedenen Menschen eine unterschiedliche Quantität zukommt, so kommt auch unter Berücksichtigung der Natur des Individuums verschiedenen Menschen ein unterschiedliches Geschlecht zu. Überdies ziemt diese Verschiedenheit der Vollkommenheit der Spezies, deren verschiedene Stufen gerade durch diesen Unterschied von Geschlecht und Quantität ausgefüllt werden. Deshalb werden die Menschen, so wie sie in verschiedener Statur auferstehen, auch in verschiedenem Geschlecht auferstehen. Und obwohl es einen Unterschied des Geschlechts geben wird, wird es keine Scham geben, einander zu sehen, da es keine Begierde geben wird, die sie zu schändlichen Taten einlädt, welche die Ursache der Scham sind.
Antwort auf Einwand 1: Wenn gesagt wird: Wir werden alle gelangen „zu Christus, zum vollkommenen Mann“, so bezieht sich dies nicht auf das männliche Geschlecht, sondern auf die Stärke der Seele, die in allen sein wird, sowohl in Männern als auch in Frauen.
Antwort auf Einwand 2: Die Frau ist dem Mann untertan wegen der Gebrechlichkeit der Natur, sowohl was die Kraft der Seele als auch was die Stärke des Körpers betrifft. Nach der Auferstehung jedoch wird der Unterschied in diesen Punkten nicht aufgrund des Geschlechtsunterschieds bestehen, sondern aufgrund der Verschiedenheit der Verdienste. Daher folgt die Schlussfolgerung nicht.
Antwort auf Einwand 3: Obwohl die Zeugung einer Frau gegen die Absicht einer partikularen Natur ist, liegt sie in der Absicht der universalen Natur, welche beide Geschlechter für die Vollkommenheit der menschlichen Spezies erfordert. Auch wird aus dem Geschlecht kein Mangel resultieren, wie oben gesagt wurde (ad 2).