Suppl., q. 80 a. 3
Ob die Säfte im Körper auferstehen werden?
Quaestio 80 · Von der Unversehrtheit der Leiber bei der Auferstehung
Einwand 1: Es scheint, dass die Säfte (humores) im Körper nicht auferstehen werden. Denn es steht geschrieben (1 Kor 15,50): „Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben.“ Nun ist Blut der vornehmste Saft. Deshalb wird es in den Seligen nicht auferstehen, die das Reich Gottes besitzen werden, und noch viel weniger in den anderen.
Einwand 2: Ferner sind die Säfte dazu bestimmt, den Verbrauch auszugleichen. Nun wird es nach der Auferstehung keinen Verbrauch geben. Deshalb wird der Körper nicht mit Säften auferstehen.
Einwand 3: Ferner ist das, was im menschlichen Körper im Werden begriffen ist, noch nicht durch die vernünftige Seele vervollkommnet. Nun sind die Säfte noch im Werden begriffen, weil sie potenziell Fleisch und Knochen sind. Deshalb sind sie noch nicht durch die vernünftige Seele vervollkommnet. Nun ist der menschliche Körper nicht auf die Auferstehung hingeordnet, außer insofern er durch die vernünftige Seele vervollkommnet ist. Deshalb werden die Säfte nicht auferstehen.
Dagegen spricht: Was immer in die Konstitution des menschlichen Körpers eingeht, wird mit ihm auferstehen. Nun gilt dies für die Säfte, wie aus der Aussage von Augustinus (De Spir. et Anima xv) hervorgeht, dass „der Körper aus funktionalen Gliedern besteht; die funktionalen Glieder aus gleichartigen Teilen; und die gleichartigen Teile aus Säften.“ Deshalb werden die Säfte im Körper auferstehen.
Ferner wird unsere Auferstehung der Auferstehung Christi gleichgestaltet sein. Nun ist bei der Auferstehung Christi sein Blut auferstanden, sonst würde der Wein im Sakrament des Altars jetzt nicht in sein Blut gewandelt werden. Deshalb wird das Blut auch in uns auferstehen, und in gleicher Weise die anderen Säfte.
Ich antworte darauf: Was immer zur Integrität der menschlichen Natur in denen gehört, die an der Auferstehung teilnehmen, wird auferstehen, wie oben gesagt wurde (Artikel [1], 2). Daher muss jede Feuchtigkeit des Körpers, die zur Integrität der menschlichen Natur gehört, im Menschen auferstehen. Nun gibt es eine dreifache Feuchtigkeit im Menschen. Es gibt eine, die auftritt, indem sie von der Vollkommenheit des Individuums wegführt – entweder weil sie auf dem Weg zur Verderbnis ist und von der Natur ausgeschieden wird, zum Beispiel Urin, Schweiß, Eiter und so weiter – oder weil sie von der Natur zur Erhaltung der Spezies in einem Individuum bestimmt ist, entweder durch den Akt der Zeugungskraft, wie der Samen, oder durch den Akt der Ernährungskraft, wie die Milch. Keine dieser Feuchtigkeiten wird auferstehen, weil sie nicht zur Vollkommenheit der auferstehenden Person gehören.
Die zweite Art von Feuchtigkeit ist eine, die noch nicht ihre letzte Vollkommenheit erreicht hat, welche die Natur im Individuum erzielt, doch ist sie von der Natur darauf hingeordnet: und diese ist zweifacher Art. Denn es gibt eine Art, die eine bestimmte Form hat und unter den Teilen des Körpers enthalten ist, zum Beispiel das Blut und die anderen Säfte, welche die Natur zu den Gliedern geleitet hat, die daraus erzeugt oder genährt werden: und doch haben sie gewisse bestimmte Formen wie die anderen Teile des Körpers, und folglich werden sie mit den anderen Teilen des Körpers auferstehen. Eine andere Art von Feuchtigkeit ist im Übergang von Form zu Form, nämlich von der Form des Saftes zur Form des Gliedes. Feuchtigkeiten dieser Art werden nicht auferstehen, weil nach der Auferstehung jeder Teil des Körpers in seiner Form festgesetzt sein wird, so dass einer nicht in einen anderen übergehen wird. Weshalb diese Feuchtigkeit, die sich aktuell im Übergang von einer Form zur anderen befindet, nicht auferstehen wird. Nun kann diese Feuchtigkeit in einem zweifachen Zustand betrachtet werden – entweder als am Anfang ihrer Umwandlung stehend, und so wird sie „Ros“ (Tau) genannt, nämlich die Feuchtigkeit, die in den Hohlräumen der kleineren Adern gefunden wird – oder als im Verlauf der Umwandlung und bereits beginnend, eine Veränderung zu erfahren, und so wird sie „Cambium“ genannt: aber in keinem der beiden Zustände wird sie auferstehen. Die dritte Art von Feuchtigkeit ist jene, die bereits ihre letzte Vollkommenheit erreicht hat, die die Natur im Körper des Individuums beabsichtigt, und die bereits eine Umwandlung erfahren hat und den Gliedern einverleibt wurde. Dies wird „Gluten“ (Leim) genannt, und da es zu den Gliedern gehört, wird es auferstehen, so wie die Glieder auferstehen werden.
Antwort auf Einwand 1: In diesen Worten des Apostels bezeichnen Fleisch und Blut nicht die Substanz von Fleisch und Blut, sondern Werke von Fleisch und Blut, die entweder Sündentaten oder die Tätigkeiten des tierischen Lebens sind. Oder wir können mit Augustinus in seinem Brief an Consentius (Ep. cxlvi) sagen, dass „Fleisch und Blut hier die Verweslichkeit bezeichnen, die jetzt in Fleisch und Blut vorherrscht“; weshalb die Worte des Apostels fortfahren: „Noch wird das Verwesliche das Unverwesliche erben.“
Antwort auf Einwand 2: So wie die Glieder, die der Zeugung dienen, nach der Auferstehung für die Integrität der menschlichen Natur da sein werden und nicht für die Tätigkeit, die jetzt durch sie vollbracht wird, so werden die Säfte im Körper sein, nicht um den Verbrauch auszugleichen, sondern um die Integrität der menschlichen Natur wiederherzustellen und ihre natürliche Kraft zu zeigen.
Antwort auf Einwand 3: So wie die Elemente in Bezug auf gemischte Körper im Werden begriffen sind, weil sie deren Materie sind, jedoch nicht so, dass sie immer im Übergang sind, wenn sie im gemischten Körper sind, so verhalten sich auch die Säfte zu den Gliedern. Und aus diesem Grund gehören die Säfte, so wie die Elemente in den Teilen des Universums bestimmte Formen haben, aufgrund derer sie wie gemischte Körper zur Vollkommenheit des Universums gehören, auch zur Vollkommenheit des menschlichen Körpers, so wie die anderen Teile es tun, obwohl sie nicht dessen gänzliche Vollkommenheit erreichen wie die anderen Teile, und obwohl die Elemente keine vollkommenen Formen haben wie gemischte Körper. Aber wie alle Teile des Universums ihre Vollkommenheit von Gott empfangen, nicht gleichermaßen, sondern jeder gemäß seiner Weise, so werden auch die Säfte in gewisser Weise von der vernünftigen Seele vervollkommnet, doch nicht im gleichen Maße wie die vollkommeneren Teile.