Suppl., q. 32 a. 4
Ob dieses Sakrament Kindern gegeben werden soll?
Quaestio 32 · Wem dieses Sakrament gespendet werden soll und an welchem Körperteil.
Einwand 1: Es scheint, dass dieses Sakrament Kindern gegeben werden sollte. Denn Kinder leiden manchmal an denselben Gebrechen wie Erwachsene. Nun erfordert dieselbe Krankheit dasselbe Heilmittel. Daher sollte dieses Sakrament Kindern ebenso wie Erwachsenen gegeben werden.
Einwand 2: Ferner wird dieses Sakrament gegeben, um die Überreste der Sünde zu entfernen, sei es der Erbsünde oder der tatsächlichen Sünde, wie oben dargelegt (Frage [30], Artikel [1]). Nun sind die Überreste der Erbsünde in Kindern. Daher sollte dieses Sakrament ihnen gegeben werden.
Dagegen spricht: Dieses Sakrament sollte niemandem gegeben werden, außer jenen, auf die die Form zutrifft. Aber die Form dieses Sakraments trifft nicht auf Kinder zu, da sie nicht durch Sehen und Hören gesündigt haben, wie es in der Form ausgedrückt wird. Daher sollte dieses Sakrament ihnen nicht gegeben werden.
Ich antworte darauf: Dieses Sakrament erfordert, wie die Eucharistie, tatsächliche Andacht im Empfänger. Daher, so wie die Eucharistie Kindern nicht gegeben werden soll, so soll auch dieses Sakrament ihnen nicht gegeben werden.
Antwort auf Einwand 1: Die Gebrechen der Kinder werden nicht durch tatsächliche Sünde verursacht, wie bei Erwachsenen, und dieses Sakrament wird hauptsächlich als Heilmittel für Gebrechen gegeben, die aus Sünden resultieren, da sie gleichsam die Überreste der Sünde sind.
Antwort auf Einwand 2: Dieses Sakrament wird nicht als Heilmittel für die Überreste der Erbsünde gegeben, außer insofern sie sozusagen durch tatsächliche Sünden an Stärke gewinnen. Daher geht aus der Form selbst hervor, dass es hauptsächlich als Heilmittel für tatsächliche Sünden gegeben wird, die in Kindern nicht vorhanden sind.