I-II, q. 9 a. 3
Ob der Wille sich selbst bewegt?
Quaestio 9 · Von dem, was den Willen bewegt
Einwand 1: Es scheint, dass der Wille sich nicht selbst bewegt. Denn jeder Beweger ist als solcher im Akt: was hingegen bewegt wird, ist in Potenz; da „Bewegung der Akt dessen ist, was in Potenz ist, als solchem“ [*Aristoteles, Phys. iii, 1]. Nun ist dasselbe nicht in Potenz und im Akt in Bezug auf dasselbe. Daher bewegt nichts sich selbst. Also kann auch der Wille sich nicht selbst bewegen.
Einwand 2: Ferner wird das Bewegliche bewegt, wenn der Beweger anwesend ist. Aber der Wille ist sich selbst immer gegenwärtig. Wenn er sich also selbst bewegte, würde er sich immer bewegen, was offensichtlich falsch ist.
Einwand 3: Ferner wird der Wille vom Intellekt bewegt, wie oben gesagt (Artikel [1]). Wenn also der Wille sich selbst bewegte, würde folgen, dass dasselbe zugleich unmittelbar von zwei Bewegern bewegt würde; was unvernünftig erscheint. Daher bewegt der Wille sich nicht selbst.
Dagegen spricht: Der Wille ist Herr über seinen eigenen Akt, und ihm kommt es zu, zu wollen und nicht zu wollen. Dies wäre aber nicht so, wenn er nicht die Kraft hätte, sich selbst zum Wollen zu bewegen. Daher bewegt er sich selbst.
Ich antworte darauf, dass es, wie oben gesagt (Artikel [1]), dem Willen zukommt, die anderen Kräfte zu bewegen aufgrund des Ziels, welches das Objekt des Willens ist. Nun ist, wie oben gesagt (Frage [8], Artikel [2]), das Ziel in den begehrenswerten Dingen das, was das Prinzip in den intelligiblen Dingen ist. Es ist aber offensichtlich, dass der Intellekt durch seine Kenntnis des Prinzips sich selbst von der Potenz in den Akt überführt, hinsichtlich seiner Kenntnis der Schlussfolgerungen; und so bewegt er sich selbst. Und in gleicher Weise bewegt der Wille durch sein Wollen des Ziels sich selbst dazu, die Mittel zu wollen.
Antwort auf Einwand 1: Der Wille bewegt sich nicht in Bezug auf dasselbe selbst und wird bewegt: weshalb er auch nicht in Bezug auf dasselbe im Akt und in Potenz ist. Sondern insofern er das Ziel aktuell will, führt er sich selbst von der Potenz in den Akt über, hinsichtlich der Mittel, um sie, kurz gesagt, aktuell zu wollen.
Antwort auf Einwand 2: Die Kraft des Willens ist sich selbst immer aktuell gegenwärtig; aber der Akt des Willens, durch den er ein Ziel will, ist nicht immer im Willen. Aber durch diesen Akt bewegt er sich selbst. Dementsprechend folgt nicht, dass er sich immer bewegt.
Antwort auf Einwand 3: Der Wille wird vom Intellekt anders bewegt als von sich selbst. Vom Intellekt wird er auf Seiten des Objekts bewegt: wohingegen er von sich selbst bewegt wird hinsichtlich der Ausübung seines Aktes im Hinblick auf das Ziel.