I-II, q. 50 a. 1
Ob ein Habitus im Körper ist?
Quaestio 50 · Vom Subjekt der Gewohnheiten
Einwand 1: Es scheint, dass kein Habitus im Körper ist. Denn wie der Kommentator sagt (De Anima iii), ist „ein Habitus das, wodurch wir handeln, wenn wir wollen.“ Die körperlichen Handlungen aber unterliegen nicht dem Willen, da sie natürlich sind. Also kann es keinen Habitus im Körper geben.
Einwand 2: Ferner sind alle körperlichen Dispositionen leicht veränderlich. Der Habitus aber ist eine Qualität, die schwer veränderlich ist. Also kann keine körperliche Disposition ein Habitus sein.
Einwand 3: Ferner unterliegen alle körperlichen Dispositionen der Veränderung. Veränderung aber gibt es nur in der dritten Art der Qualität, welche gegen den Habitus abgeteilt wird. Also gibt es keinen Habitus im Körper.
Dagegen spricht, dass der Philosoph im Buch der Prädikamente (Cat. 8) sagt, Gesundheit des Körpers und unheilbare Krankheit würden Habitus genannt.
Ich antworte darauf, dass, wie wir oben gesagt haben (Frage [49], Artikel [2] ff.), der Habitus eine Disposition eines Subjekts ist, welches sich in einem Zustand der Potenz entweder zur Form oder zur Tätigkeit befindet. Insofern also der Habitus eine Disposition zur Tätigkeit impliziert, ist kein Habitus prinzipiell im Körper als seinem Subjekt. Denn jede Tätigkeit des Körpers geht entweder von einer natürlichen Qualität des Körpers aus oder von der Seele, die den Körper bewegt. Folglich wird der Körper hinsichtlich jener Tätigkeiten, die aus seiner Natur hervorgehen, nicht durch einen Habitus disponiert: denn die natürlichen Kräfte sind auf eine einzige Weise der Tätigkeit festgelegt; und wir haben bereits gesagt (Frage [49], Artikel [4]), dass eine habituelle Disposition dann erforderlich ist, wenn das Subjekt in Potenz zu vielem ist. Was die Tätigkeiten betrifft, die von der Seele durch den Körper ausgehen, so gehören sie prinzipiell der Seele an und sekundär dem Körper. Nun stehen die Habitus im Verhältnis zu ihren Tätigkeiten: weshalb „durch gleiche Akte gleiche Habitus gebildet werden“ (Ethic. ii, 1,2). Und deshalb sind die Dispositionen zu solchen Tätigkeiten prinzipiell in der Seele. Sie können aber sekundär im Körper sein: nämlich insofern der Körper disponiert und befähigt wird, bereitwillig bei den Tätigkeiten der Seele zu dienen.
Wenn wir jedoch von der Disposition des Subjekts zur Form sprechen, so kann eine habituelle Disposition im Körper sein, welcher sich zur Seele verhält wie das Subjekt zu seiner Form. Und auf diese Weise werden Gesundheit und Schönheit und dergleichen habituelle Dispositionen genannt. Doch haben sie die Natur des Habitus nicht vollkommen: weil ihre Ursachen ihrer Natur nach leicht veränderlich sind.
Andererseits leugnete Alexander, wie Simplicius in seinem Kommentar zu den Prädikamenten berichtet, absolut, dass Habitus oder Dispositionen der ersten Art im Körper seien, und vertrat die Meinung, dass die erste Art der Qualität allein der Seele zukomme. Und er meinte, dass Aristoteles Gesundheit und Krankheit im Buch der Prädikamente nicht deshalb erwähnt, als gehörten sie zur ersten Art der Qualität, sondern beispielshalber: sodass er meinen würde, dass so wie Gesundheit und Krankheit leicht oder schwer veränderlich sein können, so auch alle Qualitäten der ersten Art, die Habitus und Dispositionen genannt werden. Aber dies steht offensichtlich im Widerspruch zur Absicht des Aristoteles: sowohl weil er in gleicher Weise von Gesundheit und Krankheit als Beispielen spricht wie von Tugend und Wissenschaft; als auch weil er in Phys. vii, Text 17, ausdrücklich Schönheit und Gesundheit unter den Habitus erwähnt.
Antwort auf Einwand 1: Dieser Einwand verläuft im Sinne des Habitus als einer Disposition zur Tätigkeit und jener Handlungen des Körpers, die von der Natur stammen: aber nicht im Sinne jener Handlungen, die von der Seele ausgehen und deren Prinzip der Wille ist.
Antwort auf Einwand 2: Körperliche Dispositionen sind nicht schlechthin schwer veränderlich aufgrund der Veränderlichkeit ihrer körperlichen Ursachen. Aber sie können schwer veränderlich sein im Vergleich zu einem solchen Subjekt, weil sie nämlich, solange ein solches Subjekt besteht, nicht entfernt werden können; oder weil sie schwer veränderlich sind im Vergleich zu anderen Dispositionen. Die Qualitäten der Seele aber sind schlechthin schwer veränderlich aufgrund der Unveränderlichkeit des Subjekts. Und deshalb sagt er nicht, dass die Gesundheit, die schwer veränderlich ist, schlechthin ein Habitus sei: sondern dass sie „wie ein Habitus“ sei, wie wir im Griechischen lesen [*{hōs hexis} (Cat. 8)]. Andererseits werden die Qualitäten der Seele schlechthin Habitus genannt.
Antwort auf Einwand 3: Körperliche Dispositionen, die in der ersten Art der Qualität sind, unterscheiden sich, wie einige behaupteten, von den Qualitäten der dritten Art darin, dass die Qualitäten der dritten Art in einem gewissen „Werden“ und einer Bewegung bestehen, weshalb sie Leidenschaften oder leidende Qualitäten genannt werden. Wenn sie aber zur Vollendung (zur spezifischen Vollendung, sozusagen) gelangt sind, dann sind sie in die erste Art der Qualität übergegangen. Aber Simplicius missbilligt dies in seinem Kommentar; denn auf diese Weise wäre das Erhitzen in der dritten Art und die Hitze in der ersten Art der Qualität; wohingegen Aristoteles die Hitze in die dritte setzt.
Deshalb sagt Porphyrius, wie Simplicius berichtet (Kommentar), dass Leidenschaft oder leidende Qualität, Disposition und Habitus sich in den Körpern durch die Art der Intensität und des Nachlassens unterscheiden. Denn wenn ein Ding Hitze nur darin empfängt, dass es erhitzt wird, und nicht so, dass es fähig ist, Hitze zu geben, dann haben wir Leidenschaft, wenn es vorübergehend ist; oder leidende Qualität, wenn es dauerhaft ist. Wenn es aber zu dem Punkt gebracht wurde, dass es fähig ist, etwas anderes zu erhitzen, dann ist es eine Disposition; und wenn es so weit geht, dass es fest verankert ist und schwer veränderlich wird, dann wird es ein Habitus sein: sodass Disposition eine gewisse Intensität der Leidenschaft oder leidenden Qualität wäre, und Habitus eine Intensität der Disposition. Aber Simplicius missbilligt dies, denn solche Intensität und solches Nachlassen implizieren keine Verschiedenheit aufseiten der Form selbst, sondern aufseiten der verschiedenen Teilhabe daran durch das Subjekt; sodass es keine Verschiedenheit unter den Arten der Qualität gäbe. Und deshalb müssen wir anders sagen, dass, wie oben erklärt wurde (Frage [49], Artikel [2], ad 1), die Anpassung der leidenden Qualitäten selbst, gemäß ihrer Eignung für die Natur, den Begriff der Disposition impliziert: und so, wenn eine Veränderung in eben diesen leidenden Qualitäten stattfindet, welche Hitze und Kälte, Feuchtigkeit und Trockenheit sind, resultiert daraus eine Veränderung hinsichtlich Krankheit und Gesundheit. Aber Veränderung geschieht nicht in Bezug auf Habitus und Dispositionen als solche, primär und aus sich selbst heraus.