I-II, q. 13 a. 3
Ob sich die Wahl nur auf die Mittel bezieht oder manchmal auch auf das Ziel?
Quaestio 13 · Von der Wahl, die ein Akt des Willens in Bezug auf die Mittel ist.
Einwand 1: Es scheint, dass die Wahl nicht nur von den Mitteln ist. Denn der Philosoph sagt (Ethic. vi, 12), dass „die Tugend uns richtig wählen lässt; aber es ist nicht Aufgabe der Tugend, sondern einer anderen Kraft, jene Dinge richtig zu lenken, die um ihretwillen getan werden müssen.“ Aber das, um dessentwillen etwas getan wird, ist das Ziel. Also bezieht sich die Wahl auf das Ziel.
Einwand 2: Ferner impliziert Wahl die Bevorzugung einer Sache vor einer anderen. Aber so wie es eine Bevorzugung von Mitteln geben kann, so kann es auch eine Bevorzugung von Zielen geben. Also kann sich die Wahl auf Ziele beziehen, genau wie sie sich auf Mittel beziehen kann.
Dagegen spricht, dass der Philosoph sagt (Ethic. iii, 2): „Das Wollen bezieht sich auf das Ziel, die Wahl aber auf die Mittel.“
Ich antworte darauf, Wie bereits dargelegt (Artikel [1], ad 2), resultiert die Wahl aus der Entscheidung oder dem Urteil, welches gleichsam die Schlussfolgerung eines praktischen Syllogismus ist. Daher ist das, was die Schlussfolgerung eines praktischen Syllogismus ist, die Materie der Wahl. Nun steht in praktischen Dingen das Ziel an der Stelle eines Prinzips, nicht einer Schlussfolgerung, wie der Philosoph sagt (Phys. ii, 9). Daher ist das Ziel als solches keine Materie der Wahl.
Aber so wie im spekulativen Wissen nichts hindert, dass das Prinzip eines Beweises oder einer Wissenschaft die Schlussfolgerung eines anderen Beweises oder einer anderen Wissenschaft ist (während das erste unbeweisbare Prinzip nicht die Schlussfolgerung irgendeines Beweises oder einer Wissenschaft sein kann); so kann auch das, was in einer Operation das Ziel ist, auf etwas als ein Ziel hingeordnet sein. Und auf diese Weise ist es Materie der Wahl. So ist im Werk eines Arztes die Gesundheit das Ziel: daher ist sie für einen Arzt keine Materie der Wahl, sondern eine Materie des Prinzips. Nun ist die Gesundheit des Körpers auf das Gut der Seele hingeordnet, folglich kann bei einem, der für das Heil der Seele Sorge trägt, Gesundheit oder Krankheit eine Materie der Wahl sein; denn der Apostel sagt (2 Kor 12,10): „Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ Aber das letzte Ziel ist in keiner Weise Materie der Wahl.
Antwort auf Einwand 1: Die eigentlichen Ziele der Tugenden sind auf die Glückseligkeit als ihr letztes Ziel hingeordnet. Und so kommt es, dass sie Materie der Wahl sein können.
Antwort auf Einwand 2: Wie oben dargelegt (Frage [1], Artikel [5]), gibt es nur ein letztes Ziel. Dementsprechend können überall dort, wo es mehrere Ziele gibt, diese Gegenstand der Wahl sein, insofern sie auf ein weiteres Ziel hingeordnet sind.