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Bedeutet es, dass etwas mit meinem Glauben nicht stimmt, wenn ich innerlich kalt bin und keine Regungen des Heiligen Geistes erlebe?

Lesezeit ca. 5 Min.
Viele Christen kennen diese Erfahrung: Man betet, aber der Himmel scheint verschlossen. Man liest die Heilige Schrift, aber sie berührt nicht mehr wie früher. Die Wärme, die man einst in der Andacht empfunden hat, ist verschwunden. Innerliche Kälte, Trockenheit, das Ausbleiben jeder spürbaren Gottesgegenwart. Und sofort drängt sich die Frage auf: Habe ich etwas falsch gemacht? Stimmt etwas nicht mit meinem Glauben?
Die Antwort der Heiligen Schrift und der christlichen Tradition ist eindeutig: Nein – geistliche Trockenheit bedeutet nicht, dass der Glaube krank ist. Sie kann sogar ein Zeichen seiner Reifung sein.
Der hl. Thomas von Aquin definiert den Glauben präzise:
„Credere est actus intellectus assentientis veritati divinae ex imperio voluntatis a Deo motae per gratiam." „Glauben ist ein Akt des Verstandes, der der göttlichen Wahrheit zustimmt, angetrieben vom Willen, den Gott durch Gnade bewegt." (Summa Theologiae II–II, q. 2, a. 9)
Der Glaube sitzt also im Verstand und im Willen, nicht in den Gefühlen. Er ist ein freies, übernatürliches Ja zur Wahrheit Gottes. Dieses Ja bleibt bestehen, auch wenn ich innerlich nichts spüre. Der hl. Paulus bringt es auf den Punkt: „Wir leben im Glauben, nicht im Schauen" (2 Kor 5,7). Und der Auferstandene sagt zu Thomas: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben" (Joh 20,29). Das Schauen und das Fühlen gehören zur Vollendung, nicht zum Weg.
Ebenso verhält es sich mit der Gottesliebe. Thomas lehrt, dass die Tugend der caritas – der übernatürlichen Gottesliebe – wesenhaft im Willen wohnt, nicht im sinnlichen oder emotionalen Erleben:
Die Tugend der Liebe (caritas) wohnt wesenhaft im Willen, denn durch sie wird der Mensch auf Gott als sein letztes Ziel hingeordnet. (vgl. Summa Theologiae II–II, q. 23, a. 2; q. 24, a. 1)
Das bedeutet: Ich liebe Gott dann wirklich, wenn ich mit meinem Willen an Ihm festhalte, Ihm zu gefallen suche und Seine Gebote halte – nicht nur dann, wenn mein Herz innerlich bewegt ist. Jesus selbst hat das Maß der Liebe nicht ins Gefühl, sondern in den Gehorsam gelegt: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt" (Joh 14,15).
Eine der wichtigsten Einsichten der Theologie ist die Unterscheidung zwischen Gottes ontologischer Gegenwart und unserem Erleben dieser Gegenwart. Thomas erklärt:
Gott ist in allen Dingen durch Sein, Macht und Gegenwart – als innerste Ursache, die allem Sein, Leben und Wirkung verleiht. (Summa Theologiae I, q. 8, a. 3)
Gott hält mich im Sein, in jedem Augenblick, auch wenn ich nichts davon spüre. Meine Gefühllosigkeit ändert nichts an Seiner Wirklichkeit. Das ist kein Trost aus der Philosophie – das ist die Grundlage des Glaubens.
Hier ist eine der tiefsten Einsichten der mystischen Tradition: Das Ausbleiben der geistlichen Empfindung kann ein Werk Gottes sein, kein Zeichen seiner Abwesenheit.
Der hl. Johannes vom Kreuz beschreibt ausführlich, wie Gott Anfängern im Glauben oft sinnliche Tröstungen, Freude im Gebet und fühlbare Nähe schenkt, um sie anzuziehen und zu stärken. Doch dann entzieht Er diese Empfindungen, damit die Seele von der Suche nach geistlichem Genuss zur Suche nach Gott selbst gelange. Dieser Übergang ist schmerzhaft, aber notwendig:
In der dunklen Nacht der Sinne reinigt Gott die Seele von der Anhänglichkeit an geistliche Empfindungen, damit sie lernt, Ihn um Seiner selbst willen zu lieben, nicht wegen der Süße, die sie dabei empfindet. (Johannes vom Kreuz, Die dunkle Nacht, Buch I, Kap. 8–9)
Wer also betet und nichts fühlt, aber dennoch treu bleibt, der liebt nicht mehr das Gefühl Gottes – er liebt Gott.
Der Glaube wird nicht im Trost bewiesen, sondern in der Treue ohne Trost. Christus selbst am Kreuz hat am tiefsten in diese Verlassenheit hineingerufen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Mt 27,46) – und dennoch vertraute Er Sich dem Vater an. Das Kreuz tragen bedeutet, diesem Weg der Verlassenheit zu folgen: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach" (Lk 9,23).
Der Glaube des reifen Christen steht auf dem Fels des Wortes Gottes, nicht auf dem Gefühl (vgl. Mt 7,24). Der Hebräerbrief fasst es zusammen: „Glaube aber ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht" (Hebr 11,1).
Wenn du Gott nicht mehr fühlst, frage nicht zuerst: „Was habe ich falsch gemacht?" – sondern: „Suche ich Gott noch, oder nur das Gefühl von Ihm?"
Die geistliche Trockenheit ist nicht das Ende des Glaubens. Sie ist oft der Beginn eines reiferen, geläuterteren Glaubens – eines Glaubens, der nicht mehr auf Empfindungen angewiesen ist, sondern auf der Wahrheit Gottes und dem festen Willen, Ihm zu gehören.
Bete weiter. Empfange die Sakramente. Halte die Gebote. Halte aus. Das ist Glaube.
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