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Ob es notwendig ist, einem Priester zu beichten?

Veröffentlicht19. März 2026

Einwand 1: Es scheint, dass es nicht notwendig ist, einem Priester zu beichten. Denn wir sind nur kraft der göttlichen Einsetzung zur Beichte verpflichtet. Nun wird uns ihre göttliche Einsetzung bekannt gemacht durch Jakobus 5,16: „Bekennt einander eure Sünden“, wo kein Priester erwähnt wird. Also ist es nicht notwendig, einem Priester zu beichten.

Einwand 2: Ferner ist die Buße ein notwendiges Sakrament, ebenso wie die Taufe. Aber jeder Mensch ist Diener der Taufe aufgrund ihrer Notwendigkeit. Also ist jeder Mensch Diener der Buße. Nun soll das Bekenntnis gegenüber dem Diener der Buße abgelegt werden. Also genügt es, jedem beliebigen zu beichten.

Einwand 3: Ferner ist die Beichte notwendig, damit dem Büßer das Maß der Genugtuung auferlegt werde. Nun könnte manchmal ein anderer als ein Priester verständiger sein als viele Priester, wenn es darum geht, dem Büßer das Maß der Genugtuung aufzuerlegen. Also ist es nicht notwendig, einem Priester zu beichten.

Einwand 4: Ferner wurde die Beichte in der Kirche eingesetzt, damit die Vorsteher ihre Schafe von Angesicht kennen. Aber manchmal ist ein Vorsteher oder Prälat kein Priester. Also sollte die Beichte nicht immer bei einem Priester abgelegt werden.

Dagegen spricht: Die Lossprechung des Büßers, um derentwillen er sein Bekenntnis ablegt, wird von niemandem außer von Priestern erteilt, denen die Schlüssel anvertraut sind. Also sollte die Beichte bei einem Priester abgelegt werden.

Ferner wird die Beichte in der Auferweckung des toten Lazarus vorausgeschattet. Nun befahl unser Herr niemandem außer den Jüngern, Lazarus zu lösen (Joh 11,44). Also sollte die Beichte bei einem Priester abgelegt werden.

Ich antworte darauf: Die Gnade, die in den Sakramenten gegeben wird, steigt vom Haupt zu den Gliedern herab. Daher ist allein derjenige, der einen Dienst am wahren Leib Christi ausübt, ein Diener der Sakramente, in denen Gnade gegeben wird; und dies kommt allein dem Priester zu, der die Eucharistie konsekrieren kann. Da also im Sakrament der Buße Gnade gegeben wird, ist niemand außer dem Priester der Diener des Sakraments: und folglich sollte die sakramentale Beichte, die gegenüber einem Diener der Kirche abgelegt werden muss, bei niemandem außer einem Priester abgelegt werden.

Antwort auf Einwand 1: Jakobus spricht unter der Voraussetzung der göttlichen Einsetzungen: und da die Beichte bereits von Gott vorgeschrieben war, dass sie einem Priester zu leisten sei, indem Er sie in der Person der Apostel ermächtigte, Sünden zu vergeben, wie in Joh 20,23 berichtet wird, müssen wir die Worte des Jakobus als eine Ermahnung verstehen, Priestern zu beichten.

Antwort auf Einwand 2: Die Taufe ist ein Sakrament von größerer Notwendigkeit als die Buße, was Beichte und Absolution betrifft, weil die Taufe manchmal nicht ohne Verlust des ewigen Heils unterlassen werden kann, wie im Falle von Kindern, die noch nicht zum Gebrauch der Vernunft gelangt sind: wohingegen dies nicht von Beichte und Absolution gesagt werden kann, die nur Erwachsene betreffen, bei denen die Reue, zusammen mit dem Vorsatz zu beichten und dem Verlangen nach Absolution, genügt, um sie vom ewigen Tod zu befreien. Folglich besteht keine Gleichheit zwischen Taufe und Beichte.

Antwort auf Einwand 3: Bei der Genugtuung müssen wir nicht nur das Maß der Strafe betrachten, sondern auch ihre Kraft, insofern sie Teil eines Sakraments ist. In dieser Weise erfordert sie einen Spender der Sakramente, obwohl das Maß der Strafe von einem anderen als einem Priester festgesetzt werden könnte.

Antwort auf Einwand 4: Es kann aus zwei Gründen notwendig sein, die Schafe von Angesicht zu kennen. Erstens, um sie als Glieder der Herde Christi zu registrieren, und die Schafe so von Angesicht zu kennen, gehört zur pastoralen Aufgabe und Sorge, die manchmal die Pflicht derer ist, die keine Priester sind. Zweitens, damit sie mit geeigneten Heilmitteln für ihre Gesundheit versorgt werden; und die Schafe so von Angesicht zu kennen, gehört dem Mann, d.h. dem Priester, dessen Aufgabe es ist, der Gesundheit förderliche Heilmittel bereitzustellen, wie das Sakrament der Eucharistie und andere derartige Dinge. Auf diese Kenntnis der Schafe ist die Beichte hingeordnet.

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