III, q. 81 a. 3
Ob Christus seinen leidensunfähigen Leib empfing und den Jüngern gab?
Quaestio 81 · Vom Gebrauch dieses Sakramentes durch Christus bei seiner Einsetzung.
Einwand 1: Es scheint, dass Christus seinen leidensunfähigen Leib sowohl empfing als auch den Jüngern gab. Denn zu Mt 17,2 („Er wurde vor ihnen verklärt“) sagt die Glosse: „Er gab den Jüngern beim Abendmahl jenen Leib, den Er von Natur aus hatte, aber weder sterblich noch leidensfähig.“ Und wiederum zu Lev 2,5 („wenn deine Opfergabe aus der Pfanne kommt“) sagt die Glosse: „Das Kreuz, mächtiger als alle Dinge, machte das Fleisch Christi geeignet, gegessen zu werden, was vor dem Leiden nicht so geeignet schien.“ Aber Christus gab seinen Leib als zum Essen geeignet. Also gab Er ihn so, wie er nach dem Leiden war, das heißt leidensunfähig und unsterblich.
Einwand 2: Ferner leidet jeder leidensfähige Körper durch Berührung und dadurch, dass er gegessen wird. Folglich, wenn der Leib Christi leidensfähig war, hätte er sowohl durch die Berührung als auch durch das Gegessenwerden von den Jüngern gelitten.
Einwand 3: Ferner sind die sakramentalen Worte, die jetzt vom Priester in der Person Christi gesprochen werden, nicht mächtiger, als wenn sie von Christus selbst geäußert werden. Aber jetzt wird kraft der sakramentalen Worte der leidensunfähige und unsterbliche Leib Christi auf dem Altar konsekriert. Also war dies damals umso mehr der Fall.
Dagegen spricht, was Innozenz III. sagt (De Sacr. Alt. Myst. iv): „Er gab den Jüngern seinen Leib so, wie er war.“ Damals aber hatte Er einen leidensfähigen und sterblichen Leib. Also gab Er den Jüngern einen leidensfähigen und sterblichen Leib.
Ich antworte darauf, dass Hugo von St. Viktor (Innozenz III., De Sacr. Alt. Myst. iv) behauptete, Christus habe vor dem Leiden zu verschiedenen Zeiten die vier Eigenschaften eines verherrlichten Leibes angenommen – nämlich Feinheit bei seiner Geburt, als Er aus dem verschlossenen Schoß der Jungfrau hervorging; Gewandtheit, als Er trockenen Fußes auf dem Meer wandelte; Klarheit bei der Verklärung; und Leidensunfähigkeit beim Letzten Abendmahl, als Er seinen Leib den Jüngern zum Essen gab. Und demnach gab Er seinen Leib in einem leidensunfähigen und unsterblichen Zustand seinen Jüngern.
Aber wie auch immer es sich mit den anderen Eigenschaften verhält, über die wir bereits dargelegt haben, was zu halten ist (Quaestio 28, Artikel 2, ad 3; Quaestio 45, Artikel 2), so ist doch die obige Meinung bezüglich der Leidensunfähigkeit unzulässig. Denn es ist offenkundig, dass derselbe Leib Christi, der damals von den Jüngern in seiner eigenen Gestalt gesehen wurde, von ihnen unter den sakramentalen Gestalten empfangen wurde. Aber wie er in seiner eigenen Gestalt gesehen wurde, war er nicht leidensunfähig; vielmehr war er bereit für das Leiden. Also war der Leib Christi auch nicht leidensunfähig, als er unter den sakramentalen Gestalten gegeben wurde.
Doch war im Sakrament auf leidensunfähige Weise das gegenwärtig, was an sich leidensfähig war; so wie das dort unsichtbar war, was an sich sichtbar war. Denn wie das Sehen erfordert, dass der gesehene Körper in Kontakt mit dem angrenzenden Medium des Sehens steht, so erfordert das Leiden den Kontakt des leidenden Körpers mit den einwirkenden Kräften. Aber der Leib Christi, wie er unter dem Sakrament ist, wird, wie oben gesagt (Artikel 1, ad 2; Quaestio 76, Artikel 5), nicht durch die Vermittlung seiner eigenen Dimensionen, wodurch Körper einander berühren, mit seiner Umgebung verglichen, sondern durch die Dimensionen von Brot und Wein; folglich sind es jene Gestalten, auf die eingewirkt wird und die gesehen werden, nicht aber der eigene Leib Christi.
Antwort auf Einwand 1: Man sagt, Christus habe beim Abendmahl nicht seinen sterblichen und leidensfähigen Leib gegeben, weil Er ihn nicht auf sterbliche und leidensfähige Weise gab. Aber das Kreuz machte sein Fleisch zum Essen geeignet, insofern dieses Sakrament das Leiden Christi darstellt.
Antwort auf Einwand 2: Dieses Argument wäre stichhaltig, wenn der Leib Christi, so wie er leidensfähig war, auch auf leidensfähige Weise in diesem Sakrament gegenwärtig wäre.
Antwort auf Einwand 3: Wie oben dargelegt (Quaestio 76, Artikel 4), sind die Akzidenzien des Leibes Christi in diesem Sakrament durch reale Konkomitanz, aber nicht durch die Kraft des Sakraments, wodurch die Substanz des Leibes Christi dort hinkommt. Und deshalb erstreckt sich die Kraft der sakramentalen Worte darauf, dass der Leib, d.h. Christi Leib, unter diesem Sakrament ist, welche Akzidenzien auch immer real in ihm existieren.