III, q. 81 a. 1
Ob Christus seinen eigenen Leib und sein Blut empfangen hat?
Quaestio 81 · Vom Gebrauch dieses Sakramentes durch Christus bei seiner Einsetzung.
Einwand 1: Es scheint, dass Christus seinen eigenen Leib und sein Blut nicht empfangen hat, denn man sollte nichts über das Tun oder Reden Christi behaupten, was nicht durch die Autorität der Heiligen Schrift überliefert ist. In den Evangelien wird aber nicht berichtet, dass Er seinen eigenen Leib aß oder sein eigenes Blut trank. Daher darf man dies nicht als Tatsache behaupten.
Einwand 2: Ferner kann nichts in sich selbst sein, außer vielleicht aufgrund seiner Teile, wie zum Beispiel ein Teil im anderen ist, wie in Phys. IV dargelegt wird. Was aber gegessen und getrunken wird, ist im Essenden und Trinkenden. Da also der ganze Christus unter jeder Gestalt des Sakraments ist, scheint es unmöglich, dass Er dieses Sakrament empfangen hat.
Einwand 3: Ferner ist der Empfang dieses Sakraments zweifach, nämlich geistig und sakramental. Der geistige aber war für Christus unpassend, da Er keinen Nutzen aus dem Sakrament zog; und folglich auch der sakramentale, da dieser ohne den geistigen unvollkommen ist, wie oben bemerkt wurde (Quaestio 80, Artikel 1). Folglich hat Christus dieses Sakrament in keiner Weise genossen.
Dagegen spricht, was Hieronymus sagt (Ad Hedib., Ep. xxx): „Der Herr Jesus Christus, selbst Gast und Gastmahl, ist sowohl der, der isst, als auch das, was gegessen wird.“
Ich antworte darauf, dass einige gesagt haben, Christus habe während des Abendmahls seinen Leib und sein Blut seinen Jüngern gegeben, aber selbst nicht davon genommen. Dies scheint jedoch unwahrscheinlich. Denn Christus selbst erfüllte als Erster, was Er von anderen zu beobachten verlangte: Daher wollte Er zuerst getauft werden, als Er anderen die Taufe auferlegte, wie wir in Apg 1,1 lesen: „Jesus begann zu tun und zu lehren.“ Daher nahm Er zuallererst seinen eigenen Leib und sein Blut und gab es danach den Jüngern zum Empfang. Und daher sagt die Glosse zu Rut 3,7 („Als er gegessen und getrunken hatte“): Christus aß und trank beim Abendmahl, als Er den Jüngern das Sakrament seines Leibes und Blutes gab. Daher: „Weil die Kinder Anteil [*Vulg.: ‚teilhaftig sind‘ (Hebr 2,14)] an seinem Fleisch und Blut hatten, hat auch Er daran Anteil erhalten.“
Antwort auf Einwand 1: Wir lesen in den Evangelien, wie Christus „das Brot nahm ... und den Kelch“; aber es ist nicht so zu verstehen, dass Er sie bloß in seine Hände nahm, wie einige sagen, sondern dass Er sie in derselben Weise nahm, wie Er sie anderen zum Nehmen gab. Wenn Er also zu den Jüngern sagte: „Nehmet und esset“, und wiederum: „Nehmet und trinket“, so ist dies so zu verstehen, dass Er selbst, indem Er es nahm, sowohl aß als auch trank. Daher haben einige diesen Reim verfasst:
„Der König sitzt beim Mahl,
grüßt die Zwölf als Gäste all,
hält sich selbst in seinen Händen,
die Speise isst sich selbst nunmehr.“
Antwort auf Einwand 2: Wie oben gesagt wurde (Quaestio 76, Artikel 5), steht Christus, wie Er unter diesem Sakrament enthalten ist, in Beziehung zum Ort nicht gemäß seinen eigenen Dimensionen, sondern gemäß den Dimensionen der sakramentalen Gestalten; so dass Christus selbst an jedem Ort ist, wo diese Gestalten sind. Und weil die Gestalten sowohl in den Händen als auch im Mund Christi sein konnten, konnte der ganze Christus sowohl in seinen Händen als auch in seinem Mund sein. Dies könnte nun nicht geschehen, wenn seine Beziehung zum Ort gemäß seinen eigenen Dimensionen wäre.
Antwort auf Einwand 3: Wie oben dargelegt wurde (Quaestio 79, Artikel 1, ad 2), ist die Wirkung dieses Sakraments nicht bloß eine Vermehrung der habituellen Gnade, sondern darüber hinaus eine gewisse aktuelle Ergötzung geistlicher Süßigkeit. Obwohl aber die Gnade in Christus durch den Empfang dieses Sakraments nicht vermehrt wurde, hatte Er doch eine gewisse geistliche Ergötzung aus der neuen Einsetzung dieses Sakraments. Daher sagte Er selbst (Lk 22,15): „Mit Sehnsucht habe ich verlangt, dieses Pascha mit euch zu essen“, welche Worte Eusebius auf das neue Geheimnis des Neuen Testaments bezieht, das Er den Jüngern gab. Und deshalb aß Er es sowohl geistig als auch sakramental, insofern Er seinen eigenen Leib unter dem Sakrament empfing, welches Sakrament seines eigenen Leibes Er sowohl verstand als auch bereitete; jedoch anders als andere, die es sowohl sakramental als auch geistig empfangen, denn diese empfangen eine Vermehrung der Gnade, und sie bedürfen der sakramentalen Zeichen, um dessen Wahrheit wahrzunehmen.