III, q. 81 a. 2
Ob Christus dem Judas seinen Leib gab?
Quaestio 81 · Vom Gebrauch dieses Sakramentes durch Christus bei seiner Einsetzung.
Einwand 1: Es scheint, dass Christus dem Judas seinen Leib nicht gab. Denn wie wir lesen (Mt 26,29), sagte unser Herr, nachdem Er den Jüngern seinen Leib und sein Blut gegeben hatte, zu ihnen: „Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis zu jenem Tag, da ich es neu mit euch trinken werde im Reich meines Vaters.“ Daraus geht hervor, dass jene, denen Er seinen Leib und sein Blut gegeben hatte, es wieder mit Ihm trinken sollten. Judas aber trank es danach nicht mit Ihm. Also empfing er den Leib und das Blut Christi nicht mit den anderen Jüngern.
Einwand 2: Ferner erfüllte Er selbst, was der Herr gebot, wie in Apg 1,1 gesagt wird: „Jesus begann zu tun und zu lehren.“ Er gab aber das Gebot (Mt 7,6): „Gebt das Heilige nicht den Hunden.“ Da Er also wusste, dass Judas ein Sünder war, gab Er ihm anscheinend seinen Leib und sein Blut nicht.
Einwand 3: Ferner wird ausdrücklich berichtet (Joh 13,26), dass Christus dem Judas eingetauchtes Brot gab. Wenn Er ihm folglich seinen Leib gab, scheint es, dass Er ihn ihm im Bissen gab, besonders da wir lesen (Joh 13,27), dass „nach dem Bissen der Satan in ihn fuhr“. Und zu dieser Stelle sagt Augustinus (Tract. lxii in Joan.): „Daraus lernen wir, wie wir uns hüten sollen, eine gute Sache auf böse Weise zu empfangen ... Denn wenn der ‚gezüchtigt‘ wird, der ‚nicht unterscheidet‘, d.h. den Leib des Herrn von anderen Speisen unterscheidet, wie muss der ‚verdammt‘ werden, der, sich als Freund verstellend, als Feind zu seinem Tisch kommt?“ Aber (Judas) empfing den Leib unseres Herrn nicht mit dem eingetauchten Bissen; so sagt Augustinus im Kommentar zu Joh 13,26 („Als er das Brot eingetaucht hatte, gab er es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot“): „Judas empfing damals nicht den Leib Christi, wie einige denken, die nachlässig lesen.“ Daher scheint es, dass Judas den Leib Christi nicht empfing.
Dagegen spricht, was Chrysostomus sagt (Hom. lxxxii in Matth.): „Judas bekehrte sich nicht, während er an den heiligen Mysterien teilnahm: daher wird sein Verbrechen auf beiden Seiten umso abscheulicher, sowohl weil er, von solchem Vorsatz erfüllt, sich den Mysterien näherte, als auch weil er durch die Annäherung nicht besser wurde, weder aus Furcht, noch durch die empfangene Wohltat, noch durch die ihm erwiesene Ehre.“
Ich antworte darauf, dass Hilarius im Kommentar zu Mt 26,17 die Meinung vertrat, Christus habe dem Judas seinen Leib und sein Blut nicht gegeben. Und dies wäre durchaus angemessen gewesen, wenn man die Bosheit des Judas betrachtet. Da aber Christus uns als Vorbild der Gerechtigkeit dienen sollte, entsprach es nicht seiner Lehrautorität, Judas, einen verborgenen Sünder, ohne Ankläger und offensichtlichen Beweis von der Kommunion mit den anderen abzutrennen, damit die Vorsteher der Kirche kein Beispiel hätten, Gleiches zu tun, und damit Judas selbst nicht, dadurch erbittert, Gelegenheit zur Sünde nähme. Daher bleibt zu sagen, dass Judas den Leib und das Blut unseres Herrn mit den anderen Jüngern empfing, wie Dionysius (Eccl. Hier. iii) und Augustinus (Tract. lxii in Joan.) sagen.
Antwort auf Einwand 1: Dies ist das Argument des Hilarius, um zu zeigen, dass Judas den Leib Christi nicht empfing. Aber es ist nicht zwingend; denn Christus spricht zu den Jüngern, von deren Gemeinschaft sich Judas trennte: und nicht Christus war es, der ihn ausschloss. Daher trinkt Christus seinerseits den Wein sogar mit Judas im Reich Gottes; aber Judas selbst wies dieses Gastmahl zurück.
Antwort auf Einwand 2: Die Bosheit des Judas war Christus als Gott bekannt; aber sie war Ihm unbekannt nach der Art, wie Menschen sie kennen. Folglich wies Christus Judas nicht von der Kommunion zurück, um so ein Beispiel zu geben, dass solche geheimen Sünder nicht von anderen Priestern zurückgewiesen werden sollen.
Antwort auf Einwand 3: Ohne jeden Zweifel empfing Judas den Leib Christi nicht im eingetauchten Brot; er empfing bloßes Brot. Doch wie Augustinus bemerkt (Tract. lxii in Joan.): „Vielleicht wird die Verstellung des Judas durch das Eintauchen des Brotes bezeichnet; so wie manche Dinge eingetaucht werden, um gefärbt zu werden. Wenn jedoch das Eintauchen hier etwas Gutes bezeichnet“ (zum Beispiel die Süßigkeit der göttlichen Güte, da Brot durch Eintauchen schmackhafter gemacht wird), „dann folgte die Verdammnis nicht unverdient auf seinen Undank für eben dieses Gute.“ Und aufgrund dieses Undanks „wurde das Gute für ihn zum Bösen, wie es denen geschieht, die den Leib Christi unwürdig empfangen.“
Und wie Augustinus sagt (Tract. lxii in Joan.): „Es muss verstanden werden, dass unser Herr das Sakrament seines Leibes und Blutes bereits an alle seine Jünger ausgeteilt hatte, unter denen auch Judas war, wie Lukas berichtet: und danach kamen wir zu dieser Stelle, wo unser Herr gemäß dem Bericht des Johannes durch das Eintauchen und Reichen des Bissens seinen Verräter ganz offen erklärt.“