III, q. 71 a. 2
Ob der Exorzismus der Taufe vorausgehen soll?
Quaestio 71 · Von den Vorbereitungen auf die Taufe
Einwand 1: Es scheint, dass der Exorzismus der Taufe nicht vorausgehen sollte. Denn der Exorzismus ist gegen die Energumenen oder Besessenen angeordnet. Aber nicht alle sind derart. Daher sollte der Exorzismus der Taufe nicht vorausgehen.
Einwand 2: Ferner hat der Teufel, solange der Mensch ein Subjekt der Sünde ist, Macht über ihn, gemäß Joh 8,34: „Wer die Sünde tut, ist der Knecht der Sünde.“ Aber die Sünde wird durch die Taufe weggenommen. Daher sollten die Menschen vor der Taufe nicht exorziert werden.
Einwand 3: Ferner wurde das Weihwasser eingeführt, um die Macht der Dämonen abzuwehren. Daher war der Exorzismus als weiteres Heilmittel nicht nötig.
Dagegen spricht, dass Papst Cölestin sagt (Epist. ad Episcop. Galliae): „Ob Kinder oder junge Leute zum Sakrament der Wiedergeburt hinzutreten, sie sollen nicht zur Quelle des Lebens kommen, bevor der unreine Geist durch die Exorzismen und das Anhauchen der Kleriker aus ihnen vertrieben wurde.“
Ich antworte darauf: Wer ein Werk weise verrichten will, beseitigt zuerst die Hindernisse für sein Werk; daher steht geschrieben (Jer 4,3): „Pflügt euch neues Land und sät nicht unter die Dornen.“ Nun ist der Teufel der Feind des menschlichen Heils, welches der Mensch durch die Taufe erlangt; und er hat eine gewisse Macht über den Menschen allein schon durch die Tatsache, dass dieser der Erbsünde oder auch der persönlichen Sünde unterworfen ist. Folglich ist es angemessen, dass vor der Taufe die Dämonen durch Exorzismen ausgetrieben werden, damit sie das Heil des Menschen nicht behindern. Diese Austreibung wird durch das Anhauchen (des Priesters auf den Täufling) bezeichnet; während die Segnung mit der Handauflegung dem Ausgetriebenen den Weg zur Rückkehr versperrt. Dann bezeichnen das Salz, das in den Mund gegeben wird, und die Salbung von Nase und Ohren mit Speichel den Empfang der Lehre, was die Ohren betrifft; die Zustimmung dazu, was die Nase betrifft; und das Bekenntnis derselben, was den Mund betrifft. Und die Salbung mit Öl bezeichnet die Fähigkeit des Menschen, gegen die Dämonen zu kämpfen.
Antwort auf Einwand 1: Die Energumenen werden so genannt, weil sie unter dem äußeren Wirken des Teufels „innerlich leiden“ (laborantes). Und obwohl nicht alle, die zur Taufe hinzutreten, körperlich von ihm geplagt werden, so sind doch alle, die nicht getauft sind, der Macht der Dämonen unterworfen, zumindest aufgrund der Schuld der Erbsünde.
Antwort auf Einwand 2: Die Macht des Teufels, insofern er den Menschen daran hindert, die Herrlichkeit zu erlangen, wird durch die taufende Waschung aus dem Menschen vertrieben; insofern er aber den Menschen daran hindert, das Sakrament zu empfangen, wird seine Macht durch die Exorzismen ausgetrieben.
Antwort auf Einwand 3: Weihwasser wird gegen die Angriffe der Dämonen von außen verwendet. Aber Exorzismen richten sich gegen jene Angriffe der Dämonen, die von innen kommen; daher werden jene, die exorziert werden, Energumenen genannt, als ob sie „innerlich litten“.
Oder wir können sagen, dass so wie die Buße als weiteres Heilmittel gegen die Sünde gegeben wird, weil die Taufe nicht wiederholt wird, so das Weihwasser als weiteres Heilmittel gegen die Angriffe der Dämonen gegeben wird, weil die Taufexorzismen kein zweites Mal gespendet werden.