III, q. 71 a. 4
Ob es dem Priester zukommt, den Täufling zu katechisieren und zu exorzieren?
Quaestio 71 · Von den Vorbereitungen auf die Taufe
Einwand 1: Es scheint, dass es dem Priester nicht zukommt, den Täufling zu katechisieren und zu exorzieren. Denn es gehört zum Amt der Diener, an den Unreinen zu wirken, wie Dionysius sagt (Eccl. Hier. v). Aber Katechumenen, die durch den Katechismus unterwiesen werden, und „Energumenen“, die durch den Exorzismus gereinigt werden, werden zu den Unreinen gezählt, wie Dionysius an derselben Stelle sagt. Daher gehören das Katechisieren und das Exorzieren nicht zum Amt der Priester, sondern eher zu dem der Diener.
Einwand 2: Ferner werden die Katechumenen im Glauben durch die Heilige Schrift unterwiesen, die in der Kirche von Dienern gelesen wird: denn so wie das Alte Testament von den Lektoren vorgetragen wird, so wird das Neue Testament von den Diakonen und Subdiakonen gelesen. Und so kommt es den Dienern zu, zu katechisieren. In gleicher Weise kommt es anscheinend den Dienern zu, zu exorzieren. Denn Isidor sagt (Epist. ad Ludifred.): „Der Exorzist soll die Exorzismen auswendig wissen und den Energumenen und Katechumenen während des Exorzismus die Hände auflegen.“ Daher gehört es nicht zum priesterlichen Amt, zu katechisieren und zu exorzieren.
Einwand 3: Ferner ist „katechisieren“ dasselbe wie „lehren“, und dies ist dasselbe wie „vervollkommnen“. Dies aber gehört zum Amt eines Bischofs, wie Dionysius sagt (Eccl. Hier. v). Daher gehört es nicht zum priesterlichen Amt.
Dagegen spricht, dass Papst Nikolaus I. sagt: „Das Katechisieren derer, die getauft werden sollen, kann von den Priestern übernommen werden, die jeder Kirche zugeordnet sind.“ Und Gregor sagt (Hom. xxix super Ezech.): „Wenn Priester den Gläubigen die Hände auflegen zur Gnade des Exorzismus, was tun sie anderes, als die Teufel auszutreiben?“
Ich antworte darauf: Der Diener verhält sich zum Priester wie ein sekundäres und instrumentales Agens zum Hauptagens: wie es schon im Wort „Diener“ (minister) impliziert ist. Nun tut das sekundäre Agens beim Wirken nichts ohne das Hauptagens. Und je mächtiger das Wirken ist, desto mächtigere Werkzeuge benötigt das Hauptagens. Aber das Wirken des Priesters bei der Spendung des Sakraments selbst ist mächtiger als bei jenen Dingen, die vorbereitend für das Sakrament sind. Und so wirken die höchsten Diener, die Diakone genannt werden, mit dem Priester bei der Spendung der Sakramente selbst zusammen: denn Isidor sagt (Epist. ad Ludifred.), dass „es den Diakonen zukommt, den Priestern in allen Dingen zu assistieren, die in den Sakramenten Christi geschehen, nämlich bei der Taufe, beim Chrisam, bei Patene und Kelch“; während die niederen Diener dem Priester in jenen Dingen assistieren, die vorbereitend für die Sakramente sind: die Lektoren zum Beispiel beim Katechisieren; die Exorzisten beim Exorzieren.
Antwort auf Einwand 1: Das Wirken des Dieners in Bezug auf die Unreinen ist dienend und gleichsam instrumental, das des Priesters aber prinzipal.
Antwort auf Einwand 2: Den Lektoren und Exorzisten kommt die Pflicht des Katechisierens und Exorzierens zu, nicht zwar prinzipal, sondern als Diener des Priesters in diesen Dingen.
Antwort auf Einwand 3: Die Unterweisung ist vielfältig. Eine führt zur Annahme des Glaubens; und diese wird von Dionysius den Bischöfen zugeschrieben (Eccl. Hier. ii) und kann von jedem Prediger oder sogar von jedem Gläubigen übernommen werden. Eine andere ist jene, durch die ein Mensch die Anfangsgründe des Glaubens gelehrt wird und wie er sich beim Empfang der Sakramente zu verhalten hat: dies kommt sekundär den Dienern zu, primär den Priestern. Eine dritte ist die Unterweisung in der Art des christlichen Lebens: und dies kommt den Paten zu. Eine vierte ist die Unterweisung in den tiefen Geheimnissen des Glaubens und über die Vollkommenheit des christlichen Lebens: dies kommt den Bischöfen „ex officio“, kraft ihres Amtes, zu.