III, q. 53 a. 4
Ob Christus die Ursache seiner eigenen Auferstehung war?
Quaestio 53 · Von der Auferstehung Christi
Einwand 1: Es scheint, dass Christus nicht die Ursache seiner eigenen Auferstehung war. Denn wer von einem anderen auferweckt wird, ist nicht die Ursache seiner eigenen Auferstehung. Christus aber wurde von einem anderen auferweckt, gemäß Apg 2,24: „Den Gott auferweckt hat, indem er die Wehen der Unterwelt löste“: und Röm 8,11: „Der Jesus Christus von den Toten auferweckt hat, wird auch eure sterblichen Leiber lebendig machen.“ Also ist Christus nicht die Ursache seiner eigenen Auferstehung.
Einwand 2: Ferner wird von niemandem gesagt, dass er das verdient oder von einem anderen erbittet, dessen Ursache er selbst ist. Aber Christus verdiente durch sein Leiden die Auferstehung, wie Augustinus sagt (Tract. civ in Joan.): „Die Niedrigkeit des Leidens ist die verdienstliche Ursache der Herrlichkeit der Auferstehung.“ Zudem bat er den Vater, dass er wieder auferweckt werde, gemäß Ps 40,11: „Du aber, Herr, erbarme dich meiner und richte mich wieder auf.“ Also war er nicht die Ursache seiner Auferstehung.
Einwand 3: Ferner, wie Damascenus beweist (De Fide Orth. iv), ist es nicht die Seele, die aufersteht, sondern der Leib, der vom Tod getroffen ist. Aber der Leib konnte die Seele nicht mit sich vereinen, da die Seele edler ist. Also konnte das, was in Christus auferstand, nicht die Ursache seiner Auferstehung sein.
Dagegen spricht, was unser Herr sagt (Joh 10,18): „Niemand nimmt meine Seele von mir, sondern ich lege sie ab und nehme sie wieder auf.“ Auferstehen aber ist nichts anderes, als die Seele wieder aufzunehmen. Folglich scheint es, dass Christus aus eigener Kraft auferstand.
Ich antworte darauf, dass, wie oben gesagt (Frage [50], Artikel [2],3), infolge des Todes die Gottheit Christi weder von seiner Seele noch von seinem Fleisch getrennt wurde. Folglich können sowohl die Seele als auch das Fleisch des toten Christus in zweifacher Hinsicht betrachtet werden: erstens in Bezug auf seine Gottheit; zweitens in Bezug auf seine geschaffene Natur. Daher nahm der Leib gemäß der Kraft der mit ihm vereinten Gottheit die Seele wieder auf, die er abgelegt hatte, und die Seele nahm den Leib wieder auf, den sie verlassen hatte: und so stand Christus aus eigener Kraft auf. Und genau das ist es, was geschrieben steht (2 Kor 13,4): „Denn obwohl er gekreuzigt wurde durch“ unsere „Schwachheit, lebt er doch aus der Kraft Gottes.“ Wenn wir aber Leib und Seele des toten Christus gemäß der Kraft der geschaffenen Natur betrachten, konnten sie so nicht wiedervereint werden, sondern es war notwendig, dass Christus von Gott auferweckt wurde.
Antwort auf Einwand 1: Die göttliche Kraft ist dasselbe wie das Wirken des Vaters und des Sohnes; dementsprechend folgen diese zwei Dinge wechselseitig aufeinander, dass Christus durch die göttliche Kraft des Vaters und durch seine eigene Kraft auferweckt wurde.
Antwort auf Einwand 2: Christus erbat und verdiente seine Auferstehung durch Gebet als Mensch und nicht als Gott.
Antwort auf Einwand 3: Gemäß seiner geschaffenen Natur ist der Leib Christi nicht mächtiger als seine Seele; doch gemäß seiner göttlichen Kraft ist er mächtiger. Wiederum ist die Seele aufgrund der mit ihr vereinten Gottheit mächtiger als der Leib in Bezug auf dessen geschaffene Natur. Folglich nahmen Leib und Seele einander durch die göttliche Kraft wechselseitig wieder auf, aber nicht durch die Kraft ihrer geschaffenen Natur.