III, q. 53 a. 1
Ob es notwendig war, dass Christus auferstand?
Quaestio 53 · Von der Auferstehung Christi
Einwand 1: Es scheint, dass es nicht notwendig war, dass Christus auferstand. Denn Damascenus sagt (De Fide Orth. iv): „Die Auferstehung ist das Wiederaufstehen eines beseelten Lebewesens, das aufgelöst und gefallen war.“ Christus aber ist weder durch Sünde gefallen, noch wurde sein Leib aufgelöst, wie aus dem oben Gesagten hervorgeht (Frage [51], Artikel [3]). Daher kommt es Ihm eigentlich nicht zu, aufzuerstehen.
Einwand 2: Ferner: Wer aufersteht, wird in einen höheren Stand erhoben, da Auferstehen ein Emporgehobenwerden ist. Aber nach dem Tod blieb der Leib Christi mit der Gottheit vereint, daher konnte er in keinen höheren Zustand erhoben werden. Also gebührte es ihm nicht, aufzuerstehen.
Einwand 3: Ferner: Alles, was der Menschheit Christi widerfuhr, war auf unser Heil hingeordnet. Aber das Leiden Christi genügte für unser Heil, da wir durch es von Schuld und Strafe befreit wurden, wie aus dem oben Gesagten klar ist (Frage [49], Artikel [1],3). Folglich war es nicht notwendig, dass Christus von den Toten auferstand.
Dagegen spricht, was geschrieben steht (Lk 24,46): „So musste Christus leiden und von den Toten auferstehen.“
Ich antworte darauf, dass es für Christus geziemend war aufzuerstehen, und zwar aus fünf Gründen. Erstens zur Empfehlung der göttlichen Gerechtigkeit, der es zukommt, jene zu erhöhen, die sich um Gottes willen erniedrigen, gemäß Lk 1,52: „Er hat die Mächtigen vom Thron gestürzt und die Niedrigen erhöht.“ Weil sich also Christus aus Liebe und Gehorsam gegen Gott bis zum Tod am Kreuz erniedrigt hat, geziemte es sich, dass er von Gott zu einer glorreichen Auferstehung erhoben werde; daher wird in Seiner Person gesagt (Ps 138,2): „Du hast erkannt“, d.h. gebilligt, „mein Sitzen“, d.h. meine Erniedrigung und mein Leiden, „und mein Aufstehen“, d.h. meine Verherrlichung in der Auferstehung; wie die Glosse auslegt.
Zweitens zur Unterweisung unseres Glaubens, da unser Glaube an die Gottheit Christi durch seine Auferstehung bestätigt wird, denn gemäß 2 Kor 13,4: „Obwohl er gekreuzigt wurde in Schwachheit, lebt er doch aus der Kraft Gottes.“ Und deshalb steht geschrieben (1 Kor 15,14): „Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt leer, leer auch euer [Vulg.: ‚unser‘] Glaube“; und (Ps 29,10): „Welchen Nutzen bringt mein Blut“, d.h. das Vergießen meines Blutes, „wenn ich hinabsteige“, gleichsam durch verschiedene Stufen von Übeln, „in die Verwesung?“ Als ob Er antwortete: „Keinen. ‚Denn wenn ich nicht sogleich auferstehe, sondern mein Leib verwest, werde ich niemandem predigen, niemanden gewinnen‘“, wie die Glosse auslegt.
Drittens zur Erhebung unserer Hoffnung, da wir, indem wir Christus, der unser Haupt ist, auferstehen sehen, hoffen, dass auch wir ebenso auferstehen werden. Daher steht geschrieben (1 Kor 15,12): „Wenn aber verkündigt wird, dass Christus von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch, es gebe keine Auferstehung der Toten?“ Und (Ijob 19,25.27): „Ich weiß“, d.h. mit der Gewissheit des Glaubens, „dass mein Erlöser“, d.h. Christus, „lebt“, da er von den Toten auferstanden ist; „und“ deshalb „werde ich am jüngsten Tag aus der Erde auferstehen... diese meine Hoffnung ist in meinem Schoß hinterlegt.“
Viertens, um das Leben der Gläubigen zu ordnen: gemäß Röm 6,4: „Wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir in Neuheit des Lebens wandeln“; und weiter unten: „Christus, von den Toten auferweckt, stirbt nicht mehr; so haltet auch ihr euch für tot der Sünde gegenüber, aber für lebend für Gott.“
Fünftens, um das Werk unseres Heils zu vollenden: denn wie er deshalb im Sterben Übles erduldete, um uns vom Übel zu befreien, so wurde er in der Auferstehung verherrlicht, um uns zu den Gütern zu fördern; gemäß Röm 4,25: „Er wurde hingegeben wegen unserer Sünden und auferweckt wegen unserer Rechtfertigung.“
Antwort auf Einwand 1: Obwohl Christus nicht durch Sünde gefallen ist, so fiel er doch durch den Tod, denn wie die Sünde ein Fall von der Gerechtigkeit ist, so ist der Tod ein Fall vom Leben: daher können die Worte aus Micha 7,8 so verstanden werden, als seien sie von Christus gesprochen: „Freue dich nicht, meine Feindin, über mich, dass ich gefallen bin: ich werde wieder aufstehen.“ Ebenso, obwohl der Leib Christi nicht durch die Rückkehr zu Staub aufgelöst wurde, so war doch die Trennung von Seele und Leib eine Art Auflösung.
Antwort auf Einwand 2: Die Gottheit war mit dem Fleisch Christi nach dem Tod durch eine personale Einigung vereint, nicht aber durch eine natürliche Einigung; so wie die Seele mit dem Leib als dessen Form vereint ist, um die menschliche Natur zu konstituieren. Folglich wurde der Leib durch die Vereinigung von Leib und Seele in einen höheren Zustand der Natur erhoben, nicht aber in einen höheren personalen Stand.
Antwort auf Einwand 3: Das Leiden Christi bewirkte unser Heil eigentlich durch die Beseitigung der Übel; die Auferstehung aber als Anfang und Vorbild aller Güter.