III, q. 24 a. 4
Ob die Vorherbestimmung Christi die Ursache der unsrigen ist?
Quaestio 24 · Von der Vorherbestimmung Christi
Einwand 1: Es scheint, dass die Vorherbestimmung Christi nicht die Ursache der unsrigen ist. Denn das, was ewig ist, hat keine Ursache. Aber unsere Vorherbestimmung ist ewig. Also ist die Vorherbestimmung Christi nicht die Ursache der unsrigen.
Einwand 2: Ferner hat das, was vom einfachen Willen Gottes abhängt, keine andere Ursache als Gottes Willen. Nun hängt unsere Vorherbestimmung vom einfachen Willen Gottes ab, denn es steht geschrieben (Eph 1,11): „Die wir vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens.“ Also ist die Vorherbestimmung Christi nicht die Ursache der unsrigen.
Einwand 3: Ferner, wenn die Ursache weggenommen wird, wird auch die Wirkung weggenommen. Aber wenn wir die Vorherbestimmung Christi wegnehmen, wird die unsrige nicht weggenommen; da selbst wenn der Sohn Gottes nicht Mensch geworden wäre, unser Heil dennoch auf eine andere Weise hätte erreicht werden können, wie Augustinus sagt (De Trin. xiii, 10). Also ist die Vorherbestimmung Christi nicht die Ursache der unsrigen.
Dagegen spricht, dass geschrieben steht (Eph 1,5): „(Der) uns vorherbestimmt hat zur Kindschaftsadoption durch Jesus Christus.“
Ich antworte darauf, dass, wenn wir die Vorherbestimmung aufseiten des Aktes des Vorherbestimmens selbst betrachten, die Vorherbestimmung Christi nicht die Ursache der unsrigen ist; weil Gott durch einen und denselben Akt sowohl Christus als auch uns vorherbestimmt hat. Aber wenn wir die Vorherbestimmung aufseiten ihres Ziels betrachten, so ist die Vorherbestimmung Christi die Ursache der unsrigen: denn Gott hat, indem er von Ewigkeit her vorherbestimmte, unser Heil so beschlossen, dass es durch Jesus Christus erreicht werden sollte. Denn die ewige Vorherbestimmung umfasst nicht nur das, was in der Zeit vollbracht werden soll, sondern auch die Art und Ordnung, in der es in der Zeit vollbracht werden soll.
Antworten auf Einwand 1 und 2: Diese Argumente betrachten die Vorherbestimmung aufseiten des Aktes des Vorherbestimmens.
Antwort auf Einwand 3: Wenn Christus nicht Mensch geworden wäre, hätte Gott das Heil der Menschen durch andere Mittel beschlossen. Da er aber die Menschwerdung Christi beschloss, beschloss er zugleich, dass er die Ursache unseres Heils sein sollte.