III, q. 24 a. 2
Ob dieser Satz falsch ist: „Christus als Mensch war vorherbestimmt, der Sohn Gottes zu sein“?
Quaestio 24 · Von der Vorherbestimmung Christi
Einwand 1: Es scheint, dass dieser Satz falsch ist: „Christus als Mensch war vorherbestimmt, der Sohn Gottes zu sein.“ Denn zu irgendeiner Zeit ist ein Mensch das, wozu er vorherbestimmt war: da Gottes Vorherbestimmung nicht fehlschlägt. Wenn also Christus als Mensch vorherbestimmt war, der Sohn Gottes zu sein, scheint daraus zu folgen, dass er als Mensch der Sohn Gottes ist. Aber letzteres ist falsch. Also ist ersteres falsch.
Einwand 2: Ferner, was Christus als Mensch zukommt, kommt jedem Menschen zu; da er zur selben Spezies gehört wie andere Menschen. Wenn also Christus als Mensch vorherbestimmt war, der Sohn Gottes zu sein, wird folgen, dass dies jedem anderen Menschen zukommt. Aber letzteres ist falsch. Also ist ersteres falsch.
Einwand 3: Ferner ist das von Ewigkeit her vorherbestimmt, was zu irgendeiner Zeit geschehen soll. Aber dieser Satz: „Der Sohn Gottes wurde Mensch“, ist wahrer als dieser: „Der Mensch wurde zum Sohn Gottes gemacht.“ Deshalb ist dieser Satz: „Christus, als der Sohn Gottes, war vorherbestimmt, Mensch zu sein“, wahrer als dieser: „Christus als Mensch war vorherbestimmt, der Sohn Gottes zu sein.“
Dagegen spricht, dass Augustinus (De Praedest. Sanct. xv) sagt: „Insofern Gott der Sohn Mensch geworden ist, sagen wir, dass der Herr der Herrlichkeit vorherbestimmt war.“
Ich antworte darauf, dass bei der Vorherbestimmung zweierlei betrachtet werden kann. Erstens aufseiten der ewigen Vorherbestimmung selbst: und in dieser Hinsicht impliziert sie ein gewisses Vorausgehen in Bezug auf das, was unter die Vorherbestimmung fällt. Zweitens kann die Vorherbestimmung hinsichtlich ihrer zeitlichen Wirkung betrachtet werden, welche eine Gnadengabe Gottes ist. Daher müssen wir unter beiden Gesichtspunkten sagen, dass die Vorherbestimmung Christus allein aufgrund seiner menschlichen Natur zugeschrieben wird: denn die menschliche Natur war nicht immer mit dem Wort vereinigt; und durch Gnade, die ihr verliehen wurde, wurde sie in der Person mit dem Sohn Gottes vereinigt. Folglich kann die Vorherbestimmung Christus allein aufgrund der menschlichen Natur zugeschrieben werden. Weshalb Augustinus sagt (De Praedest. Sanct. xv): „Diese unsere menschliche Natur war vorherbestimmt, zu einer so großen, so hohen, so erhabenen Stellung erhoben zu werden, dass es unmöglich wäre, sie höher zu erheben.“ Nun sagt man, dass das jemandem als Mensch zukommt, was ihm aufgrund der menschlichen Natur zukommt. Folglich müssen wir sagen, dass „Christus als Mensch vorherbestimmt war als Sohn Gottes“.
Antwort auf Einwand 1: Wenn wir sagen: „Christus als Mensch war vorherbestimmt als Sohn Gottes“, kann diese Einschränkung „als Mensch“ auf zwei Arten auf die durch das Partizip bezeichnete Handlung bezogen werden. Erstens hinsichtlich dessen, was materiell unter die Vorherbestimmung fällt, und so ist es falsch. Denn der Sinn wäre, dass es vorherbestimmt war, dass Christus als Mensch der Sohn Gottes sein sollte. Und in diesem Sinne fasst es der Einwand auf.
Zweitens kann es auf die Natur der Handlung selbst bezogen werden: das heißt, insofern Vorherbestimmung Vorausgehen und gnadenhafte Wirkung impliziert. Und so kommt die Vorherbestimmung Christus aufgrund seiner menschlichen Natur zu, wie oben dargelegt. Und in diesem Sinne wird er als Mensch vorherbestimmt genannt.
Antwort auf Einwand 2: Etwas kann einem Menschen aufgrund der menschlichen Natur auf zwei Arten zukommen. Erstens so, dass die menschliche Natur die Ursache davon ist: so kommt die Lachfähigkeit dem Sokrates aufgrund der menschlichen Natur zu, da sie durch deren Prinzipien verursacht wird. Auf diese Weise kommt die Vorherbestimmung weder Christus noch irgendeinem anderen Menschen aufgrund der menschlichen Natur zu. Dies ist der Sinn des Einwands. Zweitens kann eine Sache jemandem aufgrund der menschlichen Natur zukommen, weil die menschliche Natur dafür empfänglich ist. Und in diesem Sinne sagen wir, dass Christus aufgrund der menschlichen Natur vorherbestimmt war; weil sich die Vorherbestimmung auf die Erhöhung der menschlichen Natur in ihm bezieht, wie oben dargelegt.
Antwort auf Einwand 3: Wie Augustinus sagt (Praedest. Sanct. xv): „Das Wort Gottes nahm den Menschen auf eine so einzigartige und unaussprechliche Weise an sich, dass er zugleich wahrhaft und korrekt der Menschensohn genannt werden kann, weil er Menschen an sich nahm; und der Sohn Gottes, weil es der Eingeborene Gottes war, der die menschliche Natur annahm.“ Folglich, da diese Annahme aufgrund ihrer Unentgeltlichkeit unter die Vorherbestimmung fällt, können wir sowohl sagen, dass der Sohn Gottes vorherbestimmt war, Mensch zu sein, als auch, dass der Menschensohn vorherbestimmt war, der Sohn Gottes zu sein. Aber weil die Gnade nicht dem Sohn Gottes verliehen wurde, damit er Mensch sei, sondern vielmehr der menschlichen Natur, damit sie mit dem Sohn Gottes vereinigt werde, ist es eigentlicher zu sagen, dass „Christus als Mensch vorherbestimmt war, der Sohn Gottes zu sein“, als dass „Christus als Sohn Gottes vorherbestimmt war, Mensch zu sein“.