III, q. 23 a. 3
Ob es der vernunftbegabten Natur eigentümlich ist, adoptiert zu werden?
Quaestio 23 · Von der Adoption, ob sie Christus zukommt
Einwand 1: Es scheint, dass es der vernunftbegabten Natur nicht eigentümlich ist, adoptiert zu werden. Denn Gott wird nicht Vater des vernunftbegabten Geschöpfes genannt, außer durch Adoption. Aber Gott wird Vater sogar des unvernünftigen Geschöpfes genannt, gemäß Ijob 38,28: „Wer ist der Vater des Regens? Oder wer hat die Tautropfen gezeugt?“ Daher ist es dem vernunftbegabten Geschöpf nicht eigentümlich, adoptiert zu werden.
Einwand 2: Ferner werden aufgrund der Adoption einige Söhne Gottes genannt. Aber Söhne Gottes zu sein, scheint von der Schrift eigentlich den Engeln zugeschrieben zu werden; gemäß Ijob 1,6: „An einem gewissen Tag, als die Gottessöhne kamen, um vor den Herrn zu treten.“ Daher ist es dem vernunftbegabten Geschöpf nicht eigentümlich, adoptiert zu werden.
Einwand 3: Ferner gehört das, was einer Natur eigentümlich ist, allen an, die diese Natur haben: so wie die Lachfähigkeit allen Menschen zukommt. Aber adoptiert zu werden, kommt nicht jeder vernunftbegabten Natur zu. Daher ist es der menschlichen Natur nicht eigentümlich.
Dagegen spricht, dass adoptierte Söhne „Erben Gottes“ sind, wie in Röm 8,17 gesagt wird. Ein solches Erbe aber kommt niemandem zu als der vernunftbegabten Natur. Daher ist es der vernunftbegabten Natur eigentümlich, adoptiert zu werden.
Ich antworte darauf, dass, wie oben gesagt (Artikel [2], zu 3), die Sohnschaft der Adoption eine gewisse Ähnlichkeit der natürlichen Sohnschaft ist. Nun geht der Sohn Gottes natürlich aus dem Vater hervor als das intellektuelle Wort, in Einheit der Natur mit dem Vater. Diesem Wort also kann etwas auf dreifache Weise angeglichen werden. Erstens von Seiten der Form, aber nicht von Seiten ihrer Erkennbarkeit: so ist die Form eines bereits gebauten Hauses dem geistigen Wort des Baumeisters in seiner spezifischen Form ähnlich, aber nicht in der Erkennbarkeit, weil die materielle Form eines Hauses nicht erkennbar [intelligibel] ist, wie sie es im Geist des Baumeisters war. Auf diese Weise ist jedes Geschöpf dem ewigen Wort ähnlich; da es durch das Wort gemacht wurde. Zweitens wird das Geschöpf dem Wort angeglichen, nicht nur hinsichtlich seiner Form, sondern auch hinsichtlich seiner Erkennbarkeit: so wird das Wissen, das im Geist des Schülers gezeugt wird, dem Wort im Geist des Lehrers angeglichen. Auf diese Weise wird das vernunftbegabte Geschöpf, sogar in seiner Natur, dem Wort Gottes angeglichen. Drittens wird ein Geschöpf dem ewigen Wort angeglichen hinsichtlich der Einheit des Wortes mit dem Vater, welche aufgrund von Gnade und Liebe besteht: weshalb unser Herr betet (Joh 17,21.22): „Dass sie in uns eins seien... wie auch wir eins sind.“ Und diese Ähnlichkeit vollendet die Adoption: denn jenen, die Ihm so ähnlich sind, gebührt das ewige Erbe. Es ist daher klar, dass adoptiert zu werden dem vernunftbegabten Geschöpf allein zukommt: zwar nicht allen, sondern nur jenen, die die Liebe haben; welche „ausgegossen ist in unsere Herzen durch den Heiligen Geist“ (Röm 5,5); weshalb (Röm 8,15) der Heilige Geist „der Geist der Adoption als Söhne“ genannt wird.
Antwort auf Einwand 1: Gott wird der Vater des unvernünftigen Geschöpfes genannt, nicht im eigentlichen Sinne aufgrund der Adoption, sondern aufgrund der Schöpfung; gemäß der zuerst erwähnten Teilhabe an der Ähnlichkeit.
Antwort auf Einwand 2: Engel werden Söhne Gottes durch adoptive Sohnschaft genannt, nicht dass es ihnen zuerst [von Natur aus] zukäme; sondern weil sie die ersten waren, die die Adoption als Söhne empfingen.
Antwort auf Einwand 3: Adoption ist eine Eigenschaft, die nicht aus der Natur, sondern aus der Gnade resultiert, deren die vernunftbegabte Natur fähig ist. Daher muss sie nicht jeder vernunftbegabten Natur zukommen: aber jedes vernunftbegabte Geschöpf muss notwendigerweise der Adoption fähig sein.