III, q. 19 a. 2
Ob es in Christus mehrere menschliche Tätigkeiten gibt?
Quaestio 19 · Von der Einheit der Tätigkeit Christi
Einwand 1: Es scheint, dass es in Christus mehrere menschliche Tätigkeiten gibt. Denn Christus kommuniziert als Mensch mit den Pflanzen durch seine Nährseele, mit den unvernünftigen Tieren durch seine sinnliche Seele und mit den Engeln durch seine vernünftige Seele, so wie andere Menschen auch. Nun sind die Tätigkeiten einer Pflanze als Pflanze und eines Tieres als Tier verschieden. Deshalb hat Christus als Mensch mehrere Tätigkeiten.
Einwand 2: Ferner werden Vermögen und Habitus durch ihre Akte unterschieden. Nun gab es in der Seele Christi verschiedene Vermögen und Habitus; daher auch verschiedene Tätigkeiten.
Einwand 3: Ferner sollten Werkzeuge ihren Tätigkeiten angemessen sein. Nun hat der menschliche Körper verschiedene Glieder von unterschiedlicher Form und folglich angepasst an verschiedene Tätigkeiten. Deshalb gibt es in Christus verschiedene Tätigkeiten in der menschlichen Natur.
Dagegen spricht, Wie Damascenus sagt (De Fide Orth. iii, 15), „folgt die Tätigkeit der Natur“. Aber in Christus gibt es nur eine menschliche Natur. Deshalb gibt es in Christus nur eine menschliche Tätigkeit.
Ich antworte darauf, Da der Mensch durch seine Vernunft das ist, was er ist, wird jene Tätigkeit schlechthin menschlich genannt, die von der Vernunft durch den Willen ausgeht, welcher das vernünftige Begehren ist. Wenn es nun irgendeine Tätigkeit im Menschen gibt, die nicht von der Vernunft und dem Willen ausgeht, so ist sie nicht schlechthin eine menschliche Tätigkeit, sondern gehört dem Menschen aufgrund eines Teils der menschlichen Natur an – manchmal aufgrund der Natur der elementaren Körper, wie nach unten getragen zu werden – manchmal aufgrund der Kraft der vegetativen Seele, wie ernährt zu werden und zu wachsen – manchmal aufgrund des sinnlichen Teils, wie zu sehen und zu hören, sich vorzustellen und zu erinnern, zu begehren und zornig zu sein. Nun gibt es zwischen diesen Tätigkeiten einen Unterschied. Denn die Tätigkeiten der sinnlichen Seele sind bis zu einem gewissen Grad der Vernunft gehorsam, und folglich sind sie etwas Vernünftiges und Menschliches, insofern sie der Vernunft gehorchen, wie aus dem Philosophen (Ethic. i, 13) klar hervorgeht. Aber die Tätigkeiten, die aus der vegetativen Seele oder aus der Natur der elementaren Körper entspringen, sind der Vernunft nicht unterworfen; folglich sind sie in keiner Weise vernünftig; noch schlechthin menschlich, sondern nur hinsichtlich eines Teils der menschlichen Natur. Nun wurde gesagt (Artikel [1]), dass, wenn ein untergeordnetes Agens durch seine eigene Form handelt, die Tätigkeiten des niederen und des höheren Agens verschieden sind; wenn aber das niedere Agens nur handelt, wie es vom höheren Agens bewegt wird, dann ist die Tätigkeit des höheren und des niederen Agens eins.
Und daher ist in jedem bloßen Menschen die Tätigkeit des elementaren Körpers und der vegetativen Seele verschieden von der Tätigkeit des Willens, welche eigentlich menschlich ist; so auch die Tätigkeiten der sinnlichen Seele, insofern sie nicht von der Vernunft bewegt wird; aber insofern sie von der Vernunft bewegt wird, sind die Tätigkeiten des sinnlichen und des vernünftigen Teils dieselben. Nun gibt es nur eine Tätigkeit des vernünftigen Teils, wenn wir das Prinzip der Tätigkeit betrachten, welches die Vernunft und der Wille ist; aber die Tätigkeiten sind viele, wenn wir ihre Beziehung zu verschiedenen Objekten betrachten. Und es gab einige, die dies eher eine Verschiedenheit der gewirkten Dinge als der Tätigkeiten nannten, indem sie die Einheit der Tätigkeit allein vom wirkenden Prinzip her beurteilten. Und in dieser Hinsicht betrachten wir jetzt die Einheit und Vielheit der Tätigkeiten in Christus.
Daher gibt es in jedem bloßen Menschen nur eine Tätigkeit, die eigentlich menschlich genannt wird; aber außer dieser gibt es in einem bloßen Menschen gewisse andere Tätigkeiten, die nicht streng menschlich sind, wie oben gesagt wurde. Aber im Menschen Jesus Christus gab es keine Regung des sinnlichen Teils, die nicht von der Vernunft geordnet war. Sogar die natürlichen und körperlichen Tätigkeiten gehörten in gewisser Hinsicht zu seinem Willen, insofern es sein Wille war, „dass sein Fleisch tun und leiden sollte, was ihm zukam“, wie oben gesagt wurde (Frage [18], Artikel [5]). Viel mehr also ist in Christus eine Tätigkeit, als in irgendeinem anderen Menschen.
Antwort auf Einwand 1: Die Tätigkeiten der sinnlichen und ernährenden Teile sind nicht streng menschlich, wie oben gesagt wurde; doch in Christus waren diese Tätigkeiten menschlicher als in anderen.
Antwort auf Einwand 2: Vermögen und Habitus werden durch den Vergleich mit ihren Objekten unterschieden. Daher entspricht auf diese Weise die Verschiedenheit der Tätigkeiten den verschiedenen Vermögen und Habitus, wie auch den verschiedenen Objekten. Nun wollen wir diese Verschiedenheit der Tätigkeiten nicht von der Menschheit Christi ausschließen, noch jene, die aus einer Verschiedenheit der Zeit entspringt, sondern nur jene, die das erste aktive Prinzip betrifft, wie oben gesagt wurde.
(St. Thomas gibt keine Antwort auf Einwand [3]; einige Kodizes fügen hinzu: Hieraus kann die Antwort auf den dritten Einwand entnommen werden.)