Suppl., q. 88 a. 4
Ob das Gericht im Tal Josaphat stattfinden wird?
Quaestio 88 · Vom allgemeinen Gericht, hinsichtlich der Zeit und des Ortes, an dem es stattfinden wird.
Einwand 1: Es scheint, dass das Gericht nicht im Tal Josaphat oder in der umliegenden Örtlichkeit stattfinden wird. Denn zumindest wird es notwendig sein, dass die zu Richtenden auf dem Boden stehen und jene allein in die Höhe gehoben werden, deren Aufgabe es sein wird zu richten. Aber das ganze Gelobte Land wäre nicht in der Lage, die Menge derer zu fassen, die gerichtet werden sollen. Daher ist es unmöglich, dass das Gericht in der Nähe jenes Tales stattfindet.
Einwand 2: Ferner ist Christus in seiner menschlichen Gestalt das Gericht gegeben, damit Er gerecht richte, da Er im Gerichtshof des Pilatus ungerecht gerichtet wurde und das Urteil eines ungerechten Gerichts auf Golgotha ertrug. Daher wären diese Orte passender für das Gericht bestimmt.
Einwand 3: Ferner entstehen Wolken aus der Ausdünstung von Dämpfen. Aber dann wird es keine Verdunstung oder Ausdünstung geben. Daher wird es unmöglich sein, dass die Gerechten „entrückt werden ... in den Wolken, Christus entgegen in die Luft“: und folglich wird es notwendig sein, dass sowohl Gute als auch Böse auf der Erde sind, so dass ein viel größerer Platz als dieses Tal erforderlich sein wird.
Dagegen spricht: Es steht geschrieben (Joel 3,2): „Ich werde alle Völker versammeln und sie hinabführen in das Tal Josaphat, und ich werde dort mit ihnen rechten.“
Ferner steht geschrieben (Apg 1,11): „(Dieser Jesus) ... wird so kommen, wie ihr Ihn habt in den Himmel gehen sehen.“ Nun stieg Er vom Ölberg in den Himmel auf, der das Tal Josaphat überblickt. Daher wird Er kommen, um in der Nähe jenes Ortes zu richten.
Ich antworte darauf: Wir können nicht mit großer Gewissheit wissen, auf welche Weise dieses Gericht stattfinden wird, noch wie sich die Menschen am Ort des Gerichts versammeln werden; aber es kann aus der Schrift entnommen werden, dass Er aller Wahrscheinlichkeit nach in der Nähe des Ölbergs herabsteigen wird, so wie Er von dort aufstieg, um zu zeigen, dass Er, der herabsteigt, derselbe ist wie Er, der aufstieg.
Antwort auf Einwand 1: Eine große Menge kann auf einem kleinen Raum eingeschlossen werden. Und alles, was erforderlich ist, ist, dass in der Nähe jener Örtlichkeit ein Raum sei, wie groß auch immer, um die Menge derer zu fassen, die gerichtet werden sollen, vorausgesetzt, dass Christus von dort gesehen werden kann, da Er, in die Luft erhoben und in übermäßiger Herrlichkeit strahlend, aus großer Entfernung sichtbar sein wird.
Antwort auf Einwand 2: Obwohl Christus dadurch, dass Er ungerecht verurteilt wurde, seine richterliche Macht verdiente, wird Er nicht unter der Erscheinung der Schwachheit richten, worin Er ungerecht gerichtet wurde, sondern unter der Erscheinung der Herrlichkeit, worin Er zum Vater aufstieg. Daher ist der Ort seiner Himmelfahrt passender für das Gericht als der Ort, wo Er verurteilt wurde.
Antwort auf Einwand 3: Nach der Meinung einiger wird der Name Wolken hier bestimmten Verdichtungen des Lichts gegeben, das von den Leibern der Heiligen strahlt, und nicht Ausdünstungen von Erde und Wasser. Oder wir können sagen, dass jene Wolken durch göttliche Macht hervorgebracht werden, um die Parallele zwischen seinem Kommen zum Gericht und seiner Himmelfahrt zu zeigen; so dass Er, der in einer Wolke aufstieg, in einer Wolke zum Gericht kommen möge.
Wiederum zeigt die Wolke wegen ihres erfrischenden Einflusses die Barmherzigkeit des Richters an.