Suppl., q. 84 a. 1
Ob die verklärten Leiber behend sein werden?
Quaestio 84 · Von der Behendigkeit der Leiber der Seligen
Einwand 1: Es scheint, dass die verklärten Leiber nicht behend sein werden. Denn was aus sich selbst heraus behend ist, bedarf nicht des Getragenwerdens, um sich zu bewegen. Die verklärten Leiber aber werden nach der Auferstehung von den Engeln (gemäß einer Glosse) in den Wolken aufgenommen werden, „Christus entgegen in die Lüfte“ (1 Thess 4,16). Also werden die verklärten Leiber nicht behend sein.
Einwand 2: Ferner kann kein Körper, der sich mit Mühsal und Schmerz bewegt, als behend bezeichnet werden. Die verklärten Leiber aber werden sich so bewegen, da das Prinzip ihrer Bewegung, nämlich die Seele, sie gegen ihre Natur bewegt; andernfalls würden sie sich immer in dieselbe Richtung bewegen. Also sind sie nicht behend.
Einwand 3: Ferner übertrifft unter allen tierischen Verrichtungen die Empfindung die Bewegung an Adel und Vorrang. Doch wird den verklärten Leibern keine Eigenschaft zugeschrieben, die sie in der Empfindung vervollkommnet. Also sollte ihnen auch keine Behendigkeit zugeschrieben werden, die sie in der Bewegung vervollkommnet.
Einwand 4: Ferner gibt die Natur verschiedenen Tieren Werkzeuge von unterschiedlicher Beschaffenheit gemäß ihren unterschiedlichen Kräften: daher gibt sie langsamen Tieren nicht Werkzeuge derselben Beschaffenheit wie schnellen Tieren. Nun sind Gottes Werke viel geordneter als die der Natur. Da also die Glieder des verklärten Leibes dieselbe Beschaffenheit, Gestalt und Quantität haben werden, wie sie sie jetzt haben, scheint es, dass er keine andere Behendigkeit haben wird, als er jetzt hat.
Dagegen spricht, dass geschrieben steht (1 Kor 15,43): „Es wird gesät in Schwachheit, es wird auferstehen in Kraft“, das heißt, gemäß einer Glosse, „beweglich und lebendig“. Beweglichkeit aber kann nichts anderes bedeuten als Behendigkeit in der Bewegung. Also werden die verklärten Leiber behend sein.
Ferner scheint Langsamkeit der Bewegung besonders unvereinbar mit der Natur eines Geistes zu sein. Die verklärten Leiber aber werden höchst geistig sein gemäß 1 Kor 15,44. Also werden sie behend sein.
Ich antworte darauf, dass der verklärte Leib gänzlich der verklärten Seele unterworfen sein wird, so dass nicht nur nichts in ihm sein wird, was dem Willen des Geistes widerstrebt (denn so war es schon im Falle von Adams Leib), sondern dass auch von der verklärten Seele eine gewisse Vollkommenheit in den Leib überströmen wird, wodurch er für diese Unterwerfung geeignet gemacht wird: und diese Vollkommenheit wird „die Gabe der Behendigkeit“ genannt. Nun ist die Seele mit dem Leib nicht nur als seine Form vereint, sondern auch als sein Beweger; und in beiderlei Hinsicht muss der verklärte Leib der verklärten Seele auf vollkommenste Weise unterworfen sein. Daher ist der Leib, wie er durch die Gabe der Feinheit der Seele als seiner Form gänzlich unterworfen ist, woher er sein spezifisches Sein ableitet, so durch die Gabe der Behendigkeit der Seele als seinem Beweger unterworfen, so dass er bereit und geschickt ist, dem Geist in allen Bewegungen und Handlungen der Seele zu gehorchen.
Einige jedoch schreiben die Ursache dieser Behendigkeit der fünften, d.h. der himmlischen Wesenheit zu, die dann in den verklärten Leibern vorherrschend sein soll. Aber dazu haben wir häufig bemerkt, dass dies nicht wahrscheinlich erscheint (Quaestio [82], Artikel [1]; Quaestio [83], Artikel [1]). Daher ist es besser, sie der Seele zuzuschreiben, von der die Herrlichkeit auf den Leib überströmt.
Antwort auf Einwand 1: Von den verklärten Leibern wird gesagt, dass sie von den Engeln und auch auf den Wolken getragen werden, nicht als ob sie ihrer bedürften, sondern um die Ehrerbietung zu bezeichnen, die sowohl die Engel als auch alle Geschöpfe ihnen erweisen werden.
Antwort auf Einwand 2: Je mehr die Kraft der bewegenden Seele über den Leib herrscht, desto geringer ist die Mühsal der Bewegung, auch wenn sie gegen die Natur des Leibes ist. Daher haben jene, in denen die bewegende Kraft stärker ist, und jene, die durch Übung den Leib geschickter gemacht haben, dem bewegenden Geist zu gehorchen, weniger Mühsal beim Bewegtwerden. Und da nach der Auferstehung die Seele den Leib vollkommen beherrschen wird, sowohl aufgrund der Vollkommenheit ihrer eigenen Kraft als auch aufgrund der Eignung des verklärten Leibes, die aus dem Überströmen der Herrlichkeit resultiert, die er von der Seele empfängt, wird es keine Mühsal in den Bewegungen der Heiligen geben, und so kann gesagt werden, dass die Leiber der Heiligen behend sein werden.
Antwort auf Einwand 3: Durch die Gabe der Behendigkeit wird der verklärte Leib nicht nur für die örtliche Bewegung geschickt gemacht, sondern auch für die Empfindung und für die Ausführung aller anderen Verrichtungen der Seele.
Antwort auf Einwand 4: So wie die Natur schnelleren Tieren Werkzeuge von anderer Beschaffenheit in Gestalt und Quantität gibt, so wird Gott den Leibern der Heiligen eine andere Beschaffenheit geben als die, die sie jetzt haben, zwar nicht in Gestalt und Quantität, aber in jener Eigenschaft der Herrlichkeit, die Behendigkeit genannt wird.