Suppl., q. 82 a. 2
Ob alle gleichermaßen leidensunfähig sein werden?
Quaestio 82 · Von der Unleidensfähigkeit der Leiber der Seligen nach der Auferstehung.
Einwand 1: Es scheint, dass alle gleichermaßen leidensunfähig sein werden. Denn eine Glosse zu 1 Kor 15,42, „Es wird gesät in Verweslichkeit“, sagt, dass „alle gleiche Immunität vor dem Leiden haben“. Nun besteht die Gabe der Leidensunfähigkeit in der Immunität vor dem Leiden. Also werden alle gleichermaßen leidensunfähig sein.
Einwand 2: Ferner unterliegen Verneinungen keinem Mehr oder Weniger. Nun ist Leidensunfähigkeit eine Verneinung oder Beraubung der Leidensfähigkeit. Daher kann sie in einem Subjekt nicht größer sein als in einem anderen.
Einwand 3: Ferner ist ein Ding weißer, wenn es weniger Beimischung von Schwarz hat. Aber es wird keinerlei Beimischung von Leidensfähigkeit in irgendeinem der Leiber der Heiligen geben. Also werden sie alle gleichermaßen leidensunfähig sein.
Dagegen spricht: Der Lohn sollte dem Verdienst angemessen sein. Nun waren einige der Heiligen größer im Verdienst als andere. Da also die Leidensunfähigkeit ein Lohn ist, scheint es, dass sie in einigen größer sein wird als in anderen.
Ferner wird die Leidensunfähigkeit zusammen mit der Gabe der Klarheit eingeteilt. Letztere wird nun nicht in allen gleich sein, gemäß 1 Kor 15,41. Also wird auch die Leidensunfähigkeit nicht in allen gleich sein.
Ich antworte darauf: Die Leidensunfähigkeit kann auf zwei Weisen betrachtet werden, entweder in sich selbst oder in Bezug auf ihre Ursache. Wenn sie in sich selbst betrachtet wird, unterliegt sie, da sie eine bloße Verneinung oder Beraubung bezeichnet, keinem Mehr oder Weniger, sondern wird in allen Seligen gleich sein. Wenn wir sie andererseits in Bezug auf ihre Ursache betrachten, so wird sie in einer Person größer sein als in einer anderen. Nun ist ihre Ursache die Herrschaft der Seele über den Leib, und diese Herrschaft wird durch den unveränderlichen Genuss Gottes durch die Seele verursacht. Folglich ist in demjenigen, der Gott vollkommener genießt, eine größere Ursache der Leidensunfähigkeit.
Antwort auf Einwand 1: Diese Glosse spricht von der Leidensunfähigkeit in sich selbst und nicht in Bezug auf ihre Ursache.
Antwort auf Einwand 2: Obwohl Verneinungen und Beraubungen, in sich selbst betrachtet, weder vermehrt noch vermindert werden, unterliegen sie doch der Vermehrung und Verminderung in Bezug auf ihre Ursachen. So wird ein Ort als dunkler bezeichnet, wenn er mehr und größere Hindernisse für das Licht hat.
Antwort auf Einwand 3: Einige Dinge nehmen nicht nur zu, indem sie sich von ihrem Gegenteil entfernen, sondern auch durch Annäherung an ein Ziel: so nimmt das Licht zu. Folglich ist auch die Leidensunfähigkeit in einem Subjekt größer als in einem anderen, obwohl in keinem irgendeine Leidensfähigkeit verbleibt.