Suppl., q. 78 a. 3
Ob die Asche, aus der der menschliche Körper wiederhergestellt wird, irgendeine natürliche Hinneigung zu der Seele hat, die mit ihr vereinigt werden wird?
Quaestio 78 · Vom Ausgangspunkt der Auferstehung
Einwand 1: Es scheint, dass die Asche, aus der der menschliche Körper wiederhergestellt wird, eine natürliche Hinneigung zu der Seele haben wird, die mit ihr vereinigt werden wird. Denn wenn sie keine Hinneigung zur Seele hätte, stünde sie in derselben Beziehung zu jener Seele wie andere Asche. Daher machte es keinen Unterschied, ob der Körper, der mit jener Seele vereinigt werden soll, aus dieser Asche oder aus anderer wiederhergestellt würde: und dies ist falsch.
Einwand 2: Ferner ist der Körper mehr von der Seele abhängig als die Seele vom Körper. Nun ist die vom Körper getrennte Seele immer noch etwas vom Körper abhängig, weshalb ihre Bewegung zu Gott wegen ihres Verlangens nach dem Körper verzögert wird, wie Augustinus sagt (Gen. ad lit. xii). Viel mehr hat daher der Körper, wenn er von der Seele getrennt ist, eine natürliche Hinneigung zu jener Seele.
Einwand 3: Ferner steht geschrieben (Ijob 20,11): „Seine Gebeine werden mit den Lastern seiner Jugend gefüllt sein, und sie werden mit ihm im Staub schlafen.“ Aber Laster sind nur in der Seele. Daher wird in jener Asche noch eine natürliche Hinneigung zur Seele verbleiben.
Dagegen spricht: Der menschliche Körper kann in die Elemente selbst aufgelöst oder in das Fleisch anderer Tiere verwandelt werden. Aber die Elemente sind gleichartig, und so ist es auch das Fleisch eines Löwen oder eines anderen Tieres. Da es nun in den anderen Teilen der Elemente oder Tiere keine natürliche Hinneigung zu jener Seele gibt, wird es auch keine Hinneigung zur Seele in jenen Teilen geben, in die der menschliche Körper verwandelt wurde. Der erste Satz wird durch die Autorität des Augustinus (Enchiridion lxxxviii) deutlich gemacht: „Der menschliche Körper, obgleich in die Substanz anderer Körper oder sogar in die Elemente verwandelt, obgleich er zur Speise und zum Fleisch irgendwelcher Tiere, sogar des Menschen, geworden ist, wird in einem Augenblick zu jener Seele zurückkehren, die ihn einst beseelte, und ihn zu einem lebenden und wachsenden Menschen machen.“
Ferner entspricht jeder natürlichen Hinneigung ein natürliches Agens: sonst würde es der Natur am Notwendigen mangeln. Nun kann die genannte Asche durch kein natürliches Agens wieder mit derselben Seele vereinigt werden. Daher gibt es in ihr keine natürliche Hinneigung zur genannten Wiedervereinigung.
Ich antworte darauf, dass es zu diesem Punkt eine dreifache Meinung gibt. Denn einige sagen, dass der menschliche Körper niemals in seine eigentlichen Elemente aufgelöst wird; und so verbleibe in der Asche immer eine gewisse Kraft neben den Elementen, die eine natürliche Hinneigung zu derselben Seele verleiht. Aber diese Behauptung steht im Widerspruch zur oben zitierten Autorität des Augustinus sowie zu den Sinnen und der Vernunft: da alles, was aus Gegensätzen zusammengesetzt ist, in seine Bestandteile aufgelöst werden kann. Weshalb andere sagen, dass diese Teile der Elemente, in die der menschliche Körper aufgelöst wird, mehr Licht behalten, weil sie mit der Seele vereinigt waren, und aus diesem Grund eine natürliche Hinneigung zu menschlichen Seelen haben. Aber auch dies ist unsinnig, da die Teile der Elemente von derselben Natur sind und einen gleichen Anteil an Licht und Dunkelheit haben. Daher müssen wir anders sagen, dass es in jener Asche keine natürliche Hinneigung zur Auferstehung gibt, sondern nur durch die Anordnung der göttlichen Vorsehung, die beschlossen hat, dass jene Asche wieder mit der Seele vereinigt werden soll: aus diesem Grund werden jene Teile der Elemente wiedervereinigt werden und nicht andere.
Daher ist die Antwort auf den ersten Einwand klar.
Zu Einwand 2 ist zu sagen: Die vom Körper getrennte Seele verbleibt in derselben Natur, die sie hat, wenn sie mit dem Körper vereinigt ist. Dies ist beim Körper nicht so, und folglich hinkt der Vergleich.
Zu Einwand 3 ist zu sagen: Diese Worte Ijobs bedeuten nicht, dass die Laster tatsächlich in der Asche der Toten verbleiben, sondern dass sie gemäß der Anordnung der göttlichen Gerechtigkeit verbleiben, wodurch jene Asche zur Wiederherstellung des Körpers bestimmt ist, der für die begangenen Sünden ewig leiden wird.