Suppl., q. 76 a. 1
Ob die Auferstehung Christi die Ursache unserer Auferstehung ist?
Quaestio 76 · Von der Ursache der Auferstehung
Einwand 1: Es scheint, dass die Auferstehung Christi nicht die Ursache unserer Auferstehung ist. Denn wenn die Ursache gegeben ist, folgt die Wirkung. Doch auf die Auferstehung Christi folgte nicht sofort die Auferstehung der anderen Toten. Also ist seine Auferstehung nicht die Ursache der unseren.
Einwand 2: Ferner kann eine Wirkung nicht sein, wenn die Ursache nicht vorausgeht. Aber die Auferstehung der Toten wäre auch, wenn Christus nicht auferstanden wäre: denn Gott hätte den Menschen auf andere Weise befreien können. Also ist Christi Auferstehung nicht die Ursache der unseren.
Einwand 3: Ferner bringt dasselbe Ding eine Wirkung in ein und derselben Spezies hervor. Nun wird die Auferstehung allen Menschen gemeinsam sein. Da also Christi Auferstehung nicht ihre eigene Ursache ist, ist sie nicht die Ursache der Auferstehung der anderen.
Einwand 4: Ferner behält eine Wirkung eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrer Ursache. Aber die Auferstehung, zumindest einiger, nämlich der Gottlosen, hat keine Ähnlichkeit mit der Auferstehung Christi. Also wird Christi Auferstehung nicht die Ursache der ihren sein.
Dagegen spricht, dass es heißt: "In jeder Gattung ist das Erste die Ursache dessen, was danach kommt" (Metaph. ii, 1). Nun wird Christus aufgrund seiner leiblichen Auferstehung "Erstling der Entschlafenen" (1 Kor 15,20) und "Erstgeborener der Toten" (Offb 1,5) genannt. Also ist seine Auferstehung die Ursache der Auferstehung der anderen.
Ferner hat Christi Auferstehung mehr mit unserer leiblichen Auferstehung gemein als mit unserer geistlichen Auferstehung, die durch Rechtfertigung geschieht. Aber Christi Auferstehung ist die Ursache unserer Rechtfertigung, wie aus Röm 4,25 hervorgeht, wo gesagt wird, dass er "auferstanden ist um unserer Rechtfertigung willen". Also ist Christi Auferstehung die Ursache unserer leiblichen Auferstehung.
Ich antworte darauf, dass Christus aufgrund seiner Natur Mittler zwischen Gott und den Menschen genannt wird: weshalb die göttlichen Gaben den Menschen durch die Menschheit Christi verliehen werden. Wie wir nun vom geistlichen Tod nicht befreit werden können außer durch die von Gott verliehene Gnadengabe, so können wir auch vom leiblichen Tod nicht befreit werden außer durch die von der göttlichen Macht gewirkte Auferstehung. Und deshalb, wie Christus hinsichtlich seiner menschlichen Natur die Erstlinge der Gnade von oben empfing und seine Gnade die Ursache unserer Gnade ist, weil "aus seiner Fülle wir alle empfangen haben ... Gnade um Gnade" (Joh 1,16), so hat in Christus unsere Auferstehung begonnen, und seine Auferstehung ist die Ursache der unseren. So ist Christus als Gott gleichsam die äquivoke Ursache unserer Auferstehung, aber als auferstandener Gott und Mensch ist er die nächste und sozusagen univoke Ursache unserer Auferstehung. Nun bringt eine univoke Wirkursache ihre Wirkung in Ähnlichkeit zu ihrer eigenen Form hervor, so dass sie in Bezug auf diese Wirkung nicht nur eine Wirkursache, sondern auch eine Exemplarursache ist. Dies geschieht auf zweifache Weise. Denn manchmal ist eben diese Form, durch welche das Agens seiner Wirkung angeglichen wird, das direkte Prinzip der Handlung, durch welche die Wirkung hervorgebracht wird, wie die Hitze im Feuer, das erhitzt: und manchmal ist nicht die Form, hinsichtlich derer diese Ähnlichkeit beobachtet wird, primär und direkt das Prinzip jener Handlung, sondern die Prinzipien jener Form. Wenn zum Beispiel ein weißer Mensch einen weißen Menschen zeugt, ist das Weißsein des Erzeugers nicht das Prinzip der aktiven Zeugung, und doch wird das Weißsein des Erzeugers als Ursache des Weißseins des Gezeugten bezeichnet, weil die Prinzipien des Weißseins im Erzeuger die zeugenden Prinzipien sind, die das Weißsein im Gezeugten verursachen. Auf diese Weise ist die Auferstehung Christi die Ursache unserer Auferstehung, weil dasselbe, was die Auferstehung Christi bewirkte, welche die univoke Wirkursache unserer Auferstehung ist, die aktive Ursache unserer Auferstehung ist, nämlich die Kraft der Gottheit Christi, die ihm und dem Vater gemeinsam ist. Daher steht geschrieben (Röm 8,11): "Der Jesus Christus von den Toten auferweckt hat, wird auch eure sterblichen Leiber lebendig machen." Und eben diese Auferstehung Christi ist kraft seiner innewohnenden Gottheit die quasi-instrumentale Ursache unserer Auferstehung: da die göttlichen Wirkungen mittels des Fleisches Christi vollbracht wurden, als wäre es eine Art Organ; so führt der Damaszener als Beispiel (De Fide Orth. iii, 15) die Berührung seines Leibes an, wodurch er den Aussätzigen heilte (Mt 8,3).
Zu Einwand 1: Eine hinreichende Ursache bringt sofort ihre Wirkung hervor, auf die sie unmittelbar gerichtet ist, aber nicht die Wirkung, auf die sie mittels etwas anderem gerichtet ist, wie hinreichend sie auch sein mag: so verursacht Hitze, wie intensiv sie auch sei, nicht sofort im ersten Augenblick Hitze, sondern sie beginnt sofort, eine Bewegung zur Hitze hin in Gang zu setzen, weil Hitze ihre Wirkung mittels Bewegung ist. Nun wird Christi Auferstehung als Ursache der unseren bezeichnet, insofern sie unsere Auferstehung wirkt, nicht unmittelbar, sondern mittels ihres Prinzips, nämlich der göttlichen Macht, die unsere Auferstehung in Ähnlichkeit zur Auferstehung Christi wirken wird. Gottes Macht wirkt nun mittels seines Willens, der der Wirkung am nächsten ist; daher ist es nicht notwendig, dass unsere Auferstehung sogleich folgt, nachdem er die Auferstehung Christi gewirkt hat, sondern dass sie zu der Zeit geschieht, die Gottes Wille beschlossen hat.
Zu Einwand 2: Gottes Macht ist nicht an irgendwelche Zweitursachen gebunden, sondern er kann deren Wirkungen entweder unmittelbar oder mittels anderer Ursachen hervorbringen: so könnte er die Entstehung der niederen Körper wirken, selbst wenn es keine Bewegung des Himmels gäbe: und doch ist gemäß der Ordnung, die er in den Dingen festgelegt hat, die Bewegung des Himmels die Ursache der Entstehung der niederen Körper. In gleicher Weise ist gemäß der Ordnung, die den menschlichen Dingen durch die göttliche Vorsehung bestimmt ist, Christi Auferstehung die Ursache der unseren: und doch hätte er eine andere Ordnung bestimmen können, und dann hätte unsere Auferstehung eine andere von Gott angeordnete Ursache gehabt.
Zu Einwand 3: Dieses Argument gilt, wenn alle Dinge einer Spezies dieselbe Ordnung zur ersten Ursache der Wirkung haben, die in der Gesamtheit jener Spezies hervorgebracht werden soll. Aber dies ist im vorliegenden Fall nicht so, weil Christi Menschheit seiner Gottheit, deren Macht die erste Ursache der Auferstehung ist, näher steht als die Menschheit anderer. Daher verursachte Christi Gottheit seine Auferstehung unmittelbar, aber sie verursacht die Auferstehung der anderen mittels des auferstandenen Christus-Menschen.
Zu Einwand 4: Die Auferstehung aller Menschen wird eine gewisse Ähnlichkeit mit Christi Auferstehung haben, was das betrifft, was zum Leben der Natur gehört, hinsichtlich dessen alle Christus gleichgestaltet waren. Daher werden alle wieder zum unsterblichen Leben auferstehen; aber in den Heiligen, die Christus durch die Gnade gleichgestaltet waren, wird es eine Gleichförmigkeit geben hinsichtlich der Dinge, die zur Herrlichkeit gehören.