Suppl., q. 31 a. 3
Ob niemand außer einem Bischof dieses Sakrament spenden kann?
Quaestio 31 · Vom Spender dieses Sakraments
Einwand 1: Es scheint, dass niemand außer einem Bischof dieses Sakrament spenden kann. Denn dieses Sakrament besteht in einer Salbung, ebenso wie die Firmung. Nun kann niemand außer einem Bischof firmen. Also kann nur ein Bischof dieses Sakrament spenden.
Einwand 2: Ferner: Wer das Geringere nicht tun kann, kann das Größere nicht tun. Nun übertrifft der Gebrauch der geweihten Materie den Akt der Weihe der Materie, da ersterer das Ziel des letzteren ist. Da also ein Priester die Materie nicht weihen kann, kann er die Materie auch nicht gebrauchen, nachdem sie geweiht wurde.
Dagegen spricht, dass der Spender dieses Sakraments zum Empfänger gebracht werden muss, wie aus Jak 5,14 hervorgeht. Nun kann ein Bischof nicht zu allen Kranken seiner Diözese gehen. Also ist der Bischof nicht der einzige, der dieses Sakrament spenden kann.
Ich antworte darauf, dass nach Dionysius (Eccl. Hier. 5) das Amt des Vollendens dem Bischof zukommt, so wie es dem Priester zukommt zu erleuchten. Deshalb sind jene Sakramente der Spendung durch den Bischof vorbehalten, die den Empfänger in einen Stand der Vollkommenheit über andere versetzen. Dies ist aber bei diesem Sakrament nicht der Fall, denn es wird allen gegeben. Folglich kann es von einfachen Priestern gespendet werden.
Antwort auf Einwand 1: Die Firmung prägt einen Charakter ein, wodurch der Mensch in einen Stand der Vollkommenheit versetzt wird, wie oben dargelegt (TP, Quaestio 63, Artikel 1, 2, 6). Dies geschieht aber in diesem Sakrament nicht; daher gibt es keinen Vergleich.
Antwort auf Einwand 2: Obwohl der Gebrauch der geweihten Materie wichtiger ist als die Weihe der Materie unter dem Gesichtspunkt der Zweckursache, so ist dennoch unter dem Gesichtspunkt der Wirkursache die Weihe der Materie wichtiger, da der Gebrauch der Materie davon abhängt wie von seiner aktiven Ursache: daher erfordert die Weihe der Materie eine höhere Vollmacht als der Gebrauch der Materie.