Suppl., q. 31 a. 1
Ob ein Laie dieses Sakrament spenden kann?
Quaestio 31 · Vom Spender dieses Sakraments
Einwand 1: Es scheint, dass auch ein Laie dieses Sakrament spenden kann. Denn dieses Sakrament bezieht seine Wirksamkeit aus dem Gebet, wie Jakobus erklärt (Jak 5,15). Aber das Gebet eines Laien ist Gott manchmal ebenso wohlgefällig wie das eines Priesters. Also kann er dieses Sakrament spenden.
Einwand 2: Ferner liest man von gewissen Vätern in Ägypten, dass sie das Öl zu den Kranken sandten und diese geheilt wurden. Es wird auch von der seligen Genoveva berichtet, dass sie die Kranken mit Öl salbte. Also kann dieses Sakrament auch von Laien gespendet werden.
Dagegen spricht, dass in diesem Sakrament die Vergebung der Sünden gewährt wird. Laien aber haben nicht die Vollmacht, Sünden zu vergeben. Also usw.
Ich antworte darauf, dass es nach Dionysius (Eccl. Hier. 5) einige gibt, die hierarchische Handlungen ausüben, und einige, die nur Empfänger sind. Daher sind Laien von Amts wegen nicht befugt, irgendein Sakrament zu spenden; und dass sie im Notfall taufen können, beruht auf göttlicher Fügung, damit niemand der geistlichen Wiedergeburt beraubt werde.
Antwort auf Einwand 1: Dieses Gebet wird vom Priester nicht in seiner eigenen Person gesprochen, denn da er sich manchmal in Sünde befindet, würde er in diesem Fall nicht erhört werden. Sondern es wird in der Person der ganzen Kirche gesprochen, in deren Person er als öffentliche Amtsperson beten kann, während ein Laie dies nicht kann, da er eine Privatperson ist.
Antwort auf Einwand 2: Diese Salbungen waren nicht sakramental. Es war der Frömmigkeit der Empfänger der Salbung und den Verdiensten jener, die sie salbten, zuzuschreiben, dass sie die Wirkung der körperlichen Gesundheit erlangten, durch die „Gnadengabe der Heilung“ (1 Kor 12,9), aber nicht durch sakramentale Gnade.