Suppl., q. 16 a. 3
Ob ein Engel das Subjekt der Buße sein kann?
Quaestio 16 · Von den Empfängern des Bußsakraments
Einwand 1: Es scheint, dass auch ein guter oder böser Engel ein Subjekt der Buße sein kann. Denn Furcht ist der Anfang der Buße. Furcht aber ist in den Engeln, gemäß Jakobus 2,19: „Die Teufel ... glauben und zittern.“ Also kann Buße in ihnen sein.
Einwand 2: Ferner sagt der Philosoph (Ethic. ix, 4), dass „böse Menschen voller Reue sind, und dies ist eine große Strafe für sie.“ Nun sind die Teufel überaus böse, noch gibt es irgendeine Strafe, die ihnen fehlt. Also können sie bereuen.
Einwand 3: Ferner wird ein Ding leichter zu dem bewegt, was seiner Natur entspricht, als zu dem, was gegen seine Natur ist: so kehrt Wasser, das durch Gewalt erhitzt wurde, von selbst zu seiner natürlichen Eigenschaft zurück. Nun können Engel zur Sünde bewegt werden, was ihrer allgemeinen Natur entgegengesetzt ist. Viel mehr also können sie zu dem zurückkehren, was in Übereinstimmung mit ihrer Natur ist. Dies aber geschieht durch Buße. Also sind sie für Buße empfänglich.
Einwand 4: Ferner gilt das, was für Engel gilt, gleichermaßen für getrennte Seelen, wie Damascener sagt (De Fide Orth. ii, 4). Es kann aber Buße in getrennten Seelen geben, wie einige sagen, wie in den Seelen der Seligen im Himmel. Also kann es Buße in den Engeln geben.
Dagegen spricht: Durch Buße erlangt der Mensch Vergebung für die begangene Sünde. Dies aber ist bei den Engeln unmöglich. Also sind sie keine Subjekte der Buße.
Ferner sagt Damascener (De Fide Orth. ii, 4), dass der Mensch aufgrund der Schwachheit seines Körpers der Buße unterworfen ist. Die Engel aber sind nicht mit einem Körper vereint. Also kann keine Buße in ihnen sein.
Ich antworte darauf: Bei uns wird die Buße in zweifachem Sinne verstanden; erstens als Leidenschaft, und so ist sie nichts anderes als Schmerz oder Trauer wegen einer begangenen Sünde: und obwohl sie als Leidenschaft nur im begehrenden Teil ist, wird doch vergleichsweise der Name der Buße jenem Akt des Willens gegeben, wodurch ein Mensch verabscheut, was er getan hat, so wie von Liebe und anderen Leidenschaften gesprochen wird, als ob sie im intellektuellen Strebevermögen wären. Zweitens wird Buße als Tugend verstanden, und auf diese Weise besteht ihr Akt in der Verabscheuung des getanen Bösen, zusammen mit dem Vorsatz der Besserung und der Absicht, das Böse zu sühnen oder Gott für die begangene Beleidigung zu besänftigen. Nun ziemt die Verabscheuung des Bösen einer Person insoweit, als sie von Natur aus auf das Gute hingeordnet ist. Und da diese Ordnung oder Neigung in keinem Geschöpf gänzlich zerstört ist, bleibt sie sogar in den Verdammten, und folglich bleibt auch die Leidenschaft der Reue, oder etwas ihr Ähnliches, in ihnen, wie in Weish. 5,3 gesagt wird: „(sagend) in sich selbst, bereuend“, usw. Diese Reue, da sie kein Habitus, sondern eine Leidenschaft oder ein Akt ist, kann keineswegs in den seligen Engeln sein, die keine Sünden begangen haben: aber sie ist in den bösen Engeln, da für sie dasselbe gilt wie für die verlorenen Seelen, denn gemäß Damascener (De Fide Orth. ii, 4) ist „der Tod für die Menschen, was die Sünde für einen Engel ist.“ Aber für die Sünde eines Engels ist keine Vergebung möglich. Nun ist die Sünde das eigentliche Objekt der Tugend selbst, die wir Buße nennen, insofern sie vergeben oder gesühnt werden kann. Da also die bösen Engel die Materie nicht haben können, haben sie nicht das Vermögen, den Akt hervorzubringen, so dass sie auch den Habitus nicht haben können. Daher können die Engel keine Subjekte der Tugend der Buße sein.
Antwort auf Einwand 1: Eine gewisse Regung der Buße wird in ihnen aus Furcht erzeugt, aber nicht eine solche, die eine Tugend ist.
Dies genügt für die Antwort auf den zweiten Einwand.
Antwort auf Einwand 3: Was immer natürlich in ihnen ist, ist gänzlich gut und neigt zum Guten: aber ihr freier Wille ist auf das Böse fixiert. Und da die Bewegung der Tugend und des Lasters der Neigung nicht der Natur, sondern des freien Willens folgt, ist es nicht notwendig, dass es in ihnen Bewegungen der Tugend gibt, weder aktuell noch potenziell, obwohl sie von Natur aus zum Guten geneigt sind.
Antwort auf Einwand 4: Es besteht keine Gleichheit zwischen den heiligen Engeln und den beseligten Seelen, weil es in letzteren eine Sünde gegeben hat oder hätte geben können, die vergeben werden konnte, nicht aber in ersteren: so dass sie zwar hinsichtlich ihres gegenwärtigen Zustandes gleich sind, sie sich aber hinsichtlich ihrer früheren Zustände unterscheiden, welche die Buße direkt betreffen.