II-II, q. 50 a. 3
Ob ein Teil der Klugheit als häuslich gerechnet werden sollte?
Quaestio 50 · Von den subjektiven Teilen der Klugheit
Einwand 1: Es scheint, dass die häusliche Klugheit nicht als ein Teil der Klugheit gerechnet werden sollte. Denn gemäß dem Philosophen (Ethic. vi, 5) ist "Klugheit auf ein gutes Leben im Allgemeinen gerichtet": wohingegen die häusliche Klugheit auf ein partikulares Ziel gerichtet ist, nämlich Reichtum, gemäß Ethic. i, 1. Daher ist die häusliche Klugheit keine Art der Klugheit.
Einwand 2: Ferner ist die Klugheit, wie oben gesagt (Frage [47], Artikel [13]), nur in guten Menschen. Aber häusliche Klugheit kann auch in bösen Menschen sein, da viele Sünder vorsorgend im Regieren ihres Haushalts sind. Daher sollte die häusliche Klugheit nicht als eine Art der Klugheit gerechnet werden.
Einwand 3: Ferner gibt es, wie in einem Königreich Herrscher und Untertan sind, so auch in einem Haushalt. Wenn also die häusliche wie die politische eine Art der Klugheit ist, sollte es eine väterliche geben, die der Regierungsklugheit entspricht. Nun gibt es keine solche Klugheit. Also sollte auch die häusliche Klugheit nicht als eine Art der Klugheit angesehen werden.
Dagegen spricht, dass der Philosoph feststellt (Ethic. vi, 8), dass es verschiedene Arten der Klugheit in der Regierung einer Vielheit gibt, "von denen eine häuslich ist, eine andere gesetzgebend und eine andere politisch."
Ich antworte darauf, dass verschiedene Aspekte eines Objekts, in Bezug auf Allgemeinheit und Besonderheit oder auf Ganzheit und Teilhaftigkeit, Künste und Tugenden diversifizieren; und in Bezug auf eine solche Verschiedenheit ist ein Akt der Tugend im Vergleich zu einem anderen vornehm. Nun ist es offensichtlich, dass ein Haushalt eine Mitte zwischen dem Einzelnen und der Stadt oder dem Königreich ist, da so wie der Einzelne Teil des Haushalts ist, so der Haushalt Teil der Stadt oder des Königreichs ist. Und deshalb muss, so wie die allgemein so genannte Klugheit, die den Einzelnen regiert, von der politischen Klugheit unterschieden ist, auch die häusliche Klugheit von beiden unterschieden sein.
Antwort auf Einwand 1: Reichtümer verhalten sich zur häuslichen Klugheit nicht als ihr letztes Ziel, sondern als ihr Werkzeug, wie in Polit. i, 3 gesagt wird. Andererseits ist das Ziel der politischen Klugheit "ein gutes Leben im Allgemeinen" in Bezug auf die Führung des Haushalts. In Ethic. i, 1 spricht der Philosoph von Reichtümern als dem Ziel der politischen Klugheit beispielhaft und in Übereinstimmung mit der Meinung vieler.
Antwort auf Einwand 2: Manche Sünder mögen in gewissen Detailfragen bezüglich der Anordnung ihres Haushalts vorsorgend sein, aber nicht in Bezug auf "ein gutes Leben im Allgemeinen" hinsichtlich der Führung des Haushalts, wofür vor allem ein tugendhaftes Leben erforderlich ist.
Antwort auf Einwand 3: Der Vater hat in seinem Haushalt eine Autorität ähnlich der eines Königs, wie in Ethic. viii, 10 gesagt wird, aber er hat nicht die volle Gewalt eines Königs, weshalb die väterliche Regierung nicht als eine eigene Art der Klugheit gerechnet wird, wie die Regierungsklugheit.